Die letzten Spuren des Krieges in Wien

Von Sarah van den Berg
Im Wiener Stadtbild erinnert vieles an den Zweiten Weltkrieg.
Im Wiener Stadtbild erinnert vieles an den Zweiten Weltkrieg. - © APA/ EPA/ VIENNA.at
Flaktürme, Bunker, Stolpersteine: Der Zweite Weltkrieg hat im Wiener Stadtbild seine Spuren hinterlassen. Ein Fotograf und ein Historiker haben sich gemeinsam aufgemacht, um auch noch heute existierende Schäden und Ruinen in der Bundeshauptstadt ausfindig zu machen. In verschütteten Kellern und hinter verrosteten Stahltüren sind sie auf manch überraschendes Kriegsrelikt gestoßen.

Vor 70 Jahren wurde Wien befreit, doch noch immer sind die Spuren des Zweiten Weltkriegs im Stadtbild präsent. Nicht immer sind sie auf den ersten Blick zu entdecken, aber wenn man sich so wie der Höhlenforscher und Fotograf Robert Bouchal gemeinsam mit dem Historiker Marcello La Speranza auf die Suche begibt, wird man rasch fündig. In ihrem Buch “Die letzten  Spuren des Krieges – Relikte & Entdeckungen” stellen sie ebensolche vor.

Der Zweite Weltkrieg im Wiener Stadtbild

Einige Gebäude aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sind so markant, dass sie aus dem Wiener Stadtbild nicht mehr wegzudenken sind: Die Flaktürme im Ahrenbergpark, bei der Stiftskaserne, im Esterházypark (Haus des Meeres) und im Augarten beispielsweise. Nicht für alle konnte man sich auf eine Nachnutzung einigen, aber alle werden bestehen bleiben, ein Rückbau ist so gut wie unmöglich. Aber auch mitten in einem Wohnviertel im 21. Bezirk steht noch immer ein Hochbunker, am Cobenzl findet man einen Splitterschutz-Deckungsgraben und im Schlosspark Schönbrunn liegen neben der Gloriette Trümmer. Bei letzteren handelt es sich um Teile des zerstörten Ostflügels des Gebäudes, eine Gedenktafel weist darauf hin. Neben Bauwerken und Trümmern gibt es an einigen Stellen auch noch Einschusslöcher zu sehen, so etwa in der Wand eines Hinterhofs in einem Gemeindebau im 3. Bezirk.

Sichtbare und versteckte Spuren des Krieges

Gebäude, Trümmer, alte ausrangierte Sirenen auf Hausdächern, Notausstiege am Boden, die als einzige Möglichkeit galten, ein zerbombtes Haus lebend verlassen zu können – dies sind sichtbare Spuren, die bei aufmerksamer Betrachtung im Stadtbild für jeden erkennbar sind. Aber auch hinter verschlossenen Türen und unter der Erde gibt es einiges zu entdecken. Im 1. Bezirk beispielsweise gibt es ein unterirdisches Labyrinth: Die  Keller in der Innenstadt waren und sind zum Teil noch miteinander verbunden – in einigen Fällen ist dort in den Luftschutzkellern noch das komplette Inventar und die Ausstattung (Markierungen, Türen, Mobiliar) vorhanden.

Orte der NS-Verbrechen

Ein Kapitel widmet sich den “Orten der NS-Verbrechen” und berichtet über die Geschehnisse in der Gestapo-Zentrale, bei den Steinhofgründen, am Schießstand Kagran und am Floridsdorfer Spitz, um nur einige zu nennen. Ergänzt wird das Buch durch Abbildung historischer Dokumente, Gespräche mit Zeitzeugen und Einordnungen der Fundstücke in den historischen Zusammenhang. Gezeigt wird außerdem, dass noch heute bei Grabungen mitten in der Großstadt viele Funde möglich sind und die Autoren bitten um Kontaktaufnahme, um weitere Keller und vielleicht in Vergessenheit geratene Orte zu erkunden und dokumentarisch erfassen zu können. 2013 haben die Autoren mit “Stumme Zeugen – Auf den Spuren des Krieges in Wien und Umgebung” ein weiteres Buch veröffentlicht, auf wahrscheinliche Fortsetzungen darf man gespannt sein.

Layout 1Buchtipp: Robert Bouchal und Marcello La Speranza: Wien – Die letzten Spuren des Krieges. Relikte und Entdeckungen. pichler verlag, ISBN 978-3-85431-593-3
(SVA)

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