Die Kommune – Trailer und Kritik zum Film

Die Kommune – Trailer und Kritik zum Film
“Ich wollte keine Geschichte über eine kaputte Familie schreiben, sondern eine Liebeserklärung an meine Jugend, die ich in einer Kommune zugebracht habe”, sagte der dänische Regisseur und Drehbuchautor Thomas Vinterberg zu seinem neuen Film “Kollektivet” (deutscher Titel: “Die Kommune”), der im Zuge der 66. Berlinale in Berlin seine Premiere hatte und am 22. April in Österreich anläuft.

Damals habe man noch geteilt, etwas, das er heute vermisse, sagte Vinterberg (“Das Fest”). Zusätzlich zog er eine Parallele zu der von ihm mitbegründeten Dogma-Bewegung von Filmemachern in Dänemark. Dogma sei durchaus vergleichbar mit dieser Kommune, sagte er. “Als meine Eltern damit begonnen hatten, machten sie etwas, was noch keiner gemacht hatte. Sie sprangen sozusagen mutig von der Klippe. So ähnlich war das mit Dogma.” Auch da habe es negative Reaktionen gegeben, so Vinterberg. Viele hätten damals gesagt: Das geht nicht.

Die Kommune – Die Geschichte

Er selbst habe nie an offene Beziehungen geglaubt, sagte Vinterberg. Aber seine Elterngeneration habe es zumindest versucht. Sie hätten sich auf eine mutige Expedition begeben und ihren Kindern viel Verantwortung übertragen. Noch nie hätten in Dänemark so viele Menschen alleine gelebt wie heute, fügte der Regisseur hinzu. Und immer wieder wäre von Einsamkeit gesprochen. “Kauft ein paar Bier, zieht zusammen, schlaft von mir aus miteinander”, forderte er.

“Kollektivet” basiert auf einem Theaterstück. Erik, Anna und die Tochter Frija sind eine Familie im Dänemark der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Er ist Architekturprofessor, sie eine bekannte Nachrichtenmoderatorin im Fernsehen. Als sie ein Haus erben, kommt Anna die Idee, andere Menschen mit einziehen zu lassen, um der drohenden Einsamkeit im großen Gebäude zu entgehen.

Alsbald lebt rund ein Dutzend Menschen in der Kopenhagener Villa und bildet eine Wohngemeinschaft, eine Kommune, ein Kollektivet, wie es in jener Zeit in Europa Mode war. Man geht miteinander nackt baden, feiert zusammen Weihnachten, durchlebt die üblichen gruppendynamischen Prozesse. Als allerdings Erik seine junge Freundin Emma einziehen lässt, bekommt das Projekt eine deutliche Schieflage. Vinterberg gestattet seiner Geschichte aber nicht auf ein konstruiertes Happy End zuzusteuern, sondern lässt das Leben schreiben, und das schreibt unspektakulär, überraschend und mit offenem Ende.

Die Kommune – Die Kritik

Dabei versagt sich der Film jede Schuldzuweisung am Scheitern einer Ehe. Gleichzeitig gibt er kein Urteil über das Projekt eines Wohnkollektivs ab, zeigt aber dessen Schwächen auf: Das zunehmende Verstricken im Administrativ-Basisdemokratischen, das Verschanzen in der Gruppe, wo individuelle Hilfe nötig wäre. Ein Schluss lässt sich ziehen: In der Not des Einzelnen bleibt das Kollektiv hilflos und kalt.

“Ich schäme mich, Däne zu sein, für die politische Entwicklung in diesem Land”, sagte schließlich Vinterberg zur aktuellen Entwicklung in Europa. Er wäre froh, wenn der Film ein wenig Umdenken bringen könnte.

Zu Dogma sagte er, dies habe eine Revolution sein sollen. Als die Menschen der Bewegung zuzujubeln begannen, wäre das der Anfang vom Ende von Dogma gewesen, das ersetzt worden sei durch Sexiness, Mode und Ruhm. “Heute sitzen wir zusammen, trinken Wein und reden von anderen Zeiten. Und es hat nicht den Anschein, dass es ein Ultradogma geben wird”, sagte Vinterberg über die Ambitionen der damaligen Dogma-Gründer wie Lars von Trier, Kristian Levring oder ihm selbst.

(APA)

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