Die Hofburg: Residenz des Staatsoberhauptes

Wer wohl in die Hofburg einziehen mag?
Wer wohl in die Hofburg einziehen mag? - © APA (Sujet)
Der “grüne Salon” wird nach der Angelobung des Bundespräsidenten am 8. Juli für einen der sechs Kandidaten reserviert sein – in dem Raum in der Wiener Hofburg ging schon vor 250 Jahren Josef II. seinen Amtsgeschäften nach. Im ehemaligen Schlafgemach seiner Mutter Maria Theresia werden heute die Regierungsangelobungen durchgeführt und Gäste empfangen. Die Residenz des Bundespräsidenten ist seit 1946 im Leopoldinischen Trakt der Hofburg.

Bauherr dieses Teils der kaiserlichen Residenz war Leopold I. im späten 17. Jahrhundert. Kaiserin Maria Theresia bewohnte ihn in ihrer Regierungszeit von 1740 bis 1780 vorwiegend im Winter, wenn sie sich nicht in Schönbrunn aufhielt. Josef II. (1765-1790) arbeitete in den unmittelbar daneben gelegenen Räumen.

Die Hofburg: Der Weg zur Residenz für das Staatsoberhaupt

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde der höchste Vertreter der Republik, der Bundespräsident, nicht gleich in der Hofburg untergebracht. Bis 1938 amtierte er im Gebäude des jetzigen Bundeskanzleramtes. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Amtsräume schwer beschädigt.

Als am 20. Dezember 1945 Karl Renner (noch von der Bundesversammlung) zum ersten Staatsoberhaupt der Zweiten Republik gewählt wurde, zog er schräg gegenüber in der Hofburg ein. Damals wurde eine Zentralheizung installiert, im damit überflüssig gewordenen Heizgang (zur Befeuerung der Kamine) konnten sanitäre Anlagen eingebaut werden.

Regierung wird in Maria Theresias Schlafzimmer angelobt

Der Weg zum Bundespräsidenten führt vom Eingang am Ballhausplatz die Adlerstiege hinauf, über den roten Teppich durch eine imperial anmutende Zimmerflucht, die Appartements Maria Theresias: Das Erste und Zweite Bellariazimmer, das Rosenzimmer, das Pietra-Dura-Zimmer, den Spiegelsaal und schließlich das Miniaturenkabinett in das Maria-Theresien-Zimmer. Den Weg säumt wertvolles Kunsthandwerk: Etwa die “kaiserliche Vorstellungsuhr”, ein Geschenk an Maria Theresia zum zehnjährigen Regierungsjubiläum, eine große Sammlung an “pietra dura”-Arbeiten – Bilder aus hauchdünnen Steinplättchen – oder eine astronomischen Standuhr, deren Zeiger gegen den Uhrzeigersinn gehen, damit Maria Theresia vom Bett aus die Zeit über einen Spiegel richtig ablesen konnte.

Im früheren Schlafgemach der Kaiserin und Franz Stephans (an sie erinnern zwei lebensgroße Porträts) empfängt der Bundespräsident seine Gäste; es ist der offizielle Raum für Regierungsangelobungen, Staatsbesuche und die Überreichung von Beglaubigungsschreiben. Für vertrauliche Gespräche zieht sich der Bundespräsident mit den Gästen durch die wohl bekannteste Tapetentür des Landes in den “grünen Salon” zurück. An das Maria-Theresien-Zimmer schließt das Jagdzimmer an. Es dient heute als Konferenzzimmer; während der Besatzungszeit 1945 bis 1955 wurde es von der Armee der Sowjetunion als Militärkasino benutzt.

Rund um den Bundespräsidenten

Gut versteckt findet sich am Westende des Leopoldinischen Traktes noch eine Kapelle. Auf deren Oratorium gelangt man durch die Tür eines vermeintlichen Wandschrankes in einem schmalen Vorzimmer – so konnte Maria Theresia, ohne ihre Wohnung zu verlassen, die Messe mitfeiern. Die Josephskapelle ist beinahe eine kleine Kirche, zwei Stockwerke hoch, aber dennoch von außen nicht wahrnehmbar.

Der Blick in die Prunkräume ist nicht nur dem Staatsoberhaupt, seinen Mitarbeitern und Gästen vorbehalten. Am “Tag der offenen Tür” können alle Interessierten den Leopoldinischen Trakt besichtigen. Der Großteil der Mitarbeiter des Staatsoberhaupts arbeitet freilich nicht im ersten Stock, der “Beletage”, sondern einen Stock darüber. In den Etagen darüber und darunter sind Wohnungen untergebracht.

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(apa/red)

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