Die Helden der Spiele des Altertums

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Milon von Kroton war der Superstar, Arrhichion aus Phigalia in Arkadien der tragische Held, Kaiser Nero aus Rom der Betrüger – es ging hoch her bei den Olympischen Spielen der Antike.

In mancherlei Hinsicht waren sie mit ihren Skandalen und Affären ein Abbild der modernen Spiele und ein Vorbild, was Faszination und breite öffentliche Aufmerksamkeit angeht.

Milon kam als Ringerkönig des Altertums zu Ruhm und Wohlstand. Der Athlet aus der griechischen Stadt Kroton in Unteritalien gewann 540 v. Chr. bei den Knabenwettkämpfen und feierte von 532 bis 516 v. Chr. sechs Olympiasiege. Der Legende nach stand er auch bei Kriegen seiner Heimatstadt an vorderster Front: Mit einem Löwenhaupt auf dem Kopf wie in der Sage Herkules und Keule schwingend schlug er die Gegner in die Flucht.

Arrhichion bezahlte seinen dritten Olympiasieg im Allkampf (Pankration), der brutalen Mischung aus Faustkampf und Ringen, mit dem Tod. Im Endkampf drückte ihm sein Gegner die Kehle zu und er erstickte. Doch unmittelbar davor hatte er seinem Widersacher eine Zehe gebrochen und dieser seine Aufgabe signalisiert. Der tote Arrhichion wurde zum Sieger erklärt.

Für Nero verschoben die Griechen die Spiele um zwei Jahre auf 67 n. Chr. und führten nur für dieses Jahr auf kaiserlichen Wunsch Wettbewerbe für Tragöden und Kitharöden (Spieler des Saiteninstruments Kithara) ein. Der Despot gewann gleich sechs Wettbewerbe, drei musische und drei sportliche. Darunter war auch das prestigeträchtige Wagenrennen mit dem Vierergespann. Der Kaiser lenkte selbst, wurde aus dem Wagen geschleudert und ließ sich dennoch als Sieger feiern. Aber er hielt, was er versprochen hatte: Die im 2. Jahrhundert v. Chr. von Rom unterworfenen Griechen erhielten die Steuerfreiheit.

Ob auch die beiden anderen großen Herrscher, Alexander des Großen Vater Philipp II. von Makedonien und der römische Kaiser Tiberius, beim Olympiasieg ihrer Pferdegespanne selbst die Zügel in der Hand hatten, ist nicht belegt. Beim Pferdesport erhielt nicht Fahrer oder Reiter, sondern der Besitzer der Rösser den Siegerkranz. So konnten auch Frauen Olympiasieger werden.

Dabei war ihnen der Zugang zum heiligen Hain von Olympia auch als Zuschauer bei Todesstrafe untersagt. Nur freie und unbescholtene griechische Männer (später auch römische) durften teilnehmen und zuschauen. Die Wettkämpfe an der antiken Kultstätte des Göttervaters Zeus und seiner Gemahlin Hera in der Landschaft Elis gingen aus dieser Götterverehrung hervor. Sie fanden erstmals im Jahre 776 v. Chr. statt. Den einzigen Wettbewerb, den Stadionlauf über 192 Meter, gewann Koroibos aus Elis. Erst 724 kam der Doppellauf über zwei Stadionlängen dazu, ab 720 wurden dann weitere Wettbewerbe wie Langlauf, Waffenlauf, Fünfkampf, Allkampf, Faustkampf und Wagenrennen ausgetragen. Mehr als 18 Disziplinen (Agone) standen nicht auf dem Programm.

Die Spiele dauerten zunächst einen Tag, wurden dann auf drei Tage ausgedehnt und schließlich ab 472 v. Chr. an fünf Tagen nach einem genau festgelegten Zeremoniell abgehalten, zu dem zahlreiche kultische Handlungen gehörten. Sie begannen mit dem Eid der Wettkämpfer und Trainer und endeten mit Siegerehrung und dem Festmahl der Sieger. Zum Schutz von Teilnehmern und Zuschauern wurde für die Dauer der Wettkämpfe sowie für An- und Abreise der olympische Frieden (Ekecheiróa) ausgerufen, gegen den kein Staat, kein Privatmann verstoßen durfte.

Die Sieger wurden vor der goldenen Zeus-Statue des Bildhauers Phidias, einem der Sieben Weltwunder des Altertums, mit einem Ölzweig geehrt. Am meisten wurde dies dem Läufer Leonidas aus Rhodos zuteil: Er feierte zwischen 164 und 152 v. Chr. zwölf Olympiasiege.

Die Heimatstädte boten ihren Siegern Geldgeschenke und Steuerfreiheit und widmeten ihnen Standbilder und Siegeslieder. Den Verlockungen des Materiellen waren schon damals nicht alle Wettkämpfer gewachsen. So sind zahlreiche Bestechungsfälle überliefert. Beispielsweise kaufte der Boxer Eupolos aus Thessalien 388 v. Chr. drei Gegner. Als der Betrug aufflog, musste er sechs lebensgroße, teure Zeus-Statuen errichten. Diese so genannten Zanes, versehen mit den Namen der Sünder, wurden am Weg zum 214 m langen, 32 m breiten Stadion aufgestellt, um andere abzuschrecken. Im antiken Olympia wurden 17 Sockel solcher Statuen ausgegraben.

Traten die nach zehnmonatigem Training nach strengen Kriterien ausgewählten Athleten in den Anfängen zum Ruhm ihrer Heimatstädte an, verkamen die Spiele später in zunehmendem Maße zur Karriereförderung von Berufsathleten. Dies ist der Überlieferung nach einer der Gründe, warum Kaiser Theodosius I. die Spiele 393 n. Chr. verbot. Der andere: Der christliche römische Herrscher sah in den Olympischen Spielen einen heidnischen Kult.

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