Die Geliebte des Teufels – Trailer und Kritik zum Film

Die Geliebte des Teufels – Trailer und Kritik zum Film
Die Geschichte ist – sofern sie sich so zugetragen hat – tatsächlich filmreif: Mitte der 30er-Jahre erhofft sich die tschechische Schauspielerin Lida Baarova von einer Affäre mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels Ruhm, doch verbrennt sich am Feuer.

Der tschechische Kinohit “Die Geliebte des Teufels” verpackt das Kuriosum in ein kitschiges Melodram mit dem Wiener Karl Markovics als Goebbels.

Die Geliebte des Teufels – Die Geschichte

Die tschechische Jungschauspielerin Lida Baarova hat es geschafft: In den berühmten Babelsberger Filmstudios in Berlin soll sie 1934 ihren ersten deutschen Spielfilm drehen. Als Co-Star steht ihr ausgerechnet der attraktive Filmstar Gustav Fröhlich zur Seite, mit dem sie schon bald eine Liaison eingeht und eine Villa bezieht. Doch auch der benachbarte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels hat ein Auge auf die junge Tschechin geworfen – und weil Fröhlich sich partout nicht von seiner ungarisch-jüdischen Frau trennen will, gibt sich Lida bald den Avancen des drittmächtigsten Manns im Deutschen Reich hin.

Was freilich einen Karrieresprung für Baarova bedeutet, wird ihr schon bald zum Verhängnis: Goebbels’ Frau Magda bittet Adolf Hitler (Pavel Kriz) persönlich, der Affäre ein Ende zu setzen. Und weil der von Anfang an selbst verzaubert von der Aktrice mit dem tschechischen Akzent war, befiehlt er Goebbels, den Kontakt abzubrechen. Weil Lida ohne Unterstützung von oben in Berlin nicht mehr drehen kann, flüchtet sie über Nacht in die alte Heimat – wo sie als Goebbels’ Ex-Geliebte vom Volk angefeindet und nach Ende des Krieges als Nazi-Kollaborateurin inhaftiert wird.

“Die Geliebte des Teufels” ist nach der Doku “Das Verderben der Schönheit” (übersetzter Titel) die zweite tschechische Produktion in diesem Jahr, die sich der umstrittenen Schauspielerin widmet. Und das Interesse beschränkt sich nicht nur auf Filmemacher: Mehr als eine halbe Million Zuschauer generierte der Film von Regisseur Filip Renc in Tschechien und der Slowakei nach Angaben des Verleihs. In Österreich könnte das Drama zumindest dank seiner hierzulande bekannten Hauptdarsteller Aufmerksamkeit generieren: Neben Markovics (“Die Fälscher”) als Goebbels ist Gedeon Burkhard (“Kommissar Rex”) als Ufa-Star Gustav Fröhlich zu sehen.

Die Geliebte des Teufels – Die Kritik

Karl Markovics hat sich für den Film Goebbels’ Sprachmelodie und Hinken angeeignet, verschwindet bald gekonnt hinter der schon so oft gespielten Figur. Dabei bemüht er sich redlich, Goebbels als zumindest ansatzweise charismatischen Nazi-Demagogen und zugleich unsterblich verliebten, leichtsinnigen Mann, der für seine Angebetete alles hinschmeißen würde, glaubwürdig zu machen. Immer wieder aber droht die Figurenzeichnung in die Karikatur zu kippen – vor allem in jener Szene, in der Goebbels nach einem Tobsuchtsanfall des Führers seine Lida, kauernd an seinem Schreibtisch schluchzend, anruft. Die Slowakin Tatiana Pauhofova, “Shooting Star” der Berlinale 2007, legt die opportunistische Angebetete als realitätsferne, karriereversessene und gefährlich naive Schauspielerin an, der man proklamierte Gefühle für die hinkende, hetzende Nazi-Größe nie so recht abkauft.

Renc rahmt seine Erzählung mit einem fiktiven Interview, das die gealterte, vereinsamte Baarova (bekannt aus der Werbung als Oma Putz: Zdenka Prochazkova-Hartmann) kurz vor ihrem Tod in Salzburg gibt. Reue ob ihres Opportunismus zeigt sie trotz alledem, was passiert ist, nicht. Die NS-Gräuel selbst behandelt “Die Geliebte des Teufels” dann auch nur am Rande. In einer geschmacklosen Szene werden Verbrechen an Juden in der Reichspogromnacht 1938 gar hochästhetisch im Licht des (wie oft im Film den Teufel symbolisierenden) lodernden Feuers auf den Gehsteigen inszeniert, während die plötzlich so geschockte Lida im Auto vorbeifährt.

Er habe einfach “ein schönes Liebesdrama” drehen wollen, meinte Renc bei der Premiere seines Films in Prag im Jänner. Beim Ergebnis dominieren nun Kitsch und Klischees, holzschnittartige Figuren und platte Kulissen in Studioästhetik. Und die große Liebesgeschichte – die geht angesichts zweier derart moralisch fragwürdiger Liebenden wahrlich nicht auf.

(APA)

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