Die feine Gesellschaft – Trailer und Kritik zum Film

Akt.:
Die feine Gesellschaft – Trailer und Kritik zum Film
Mit “Die feine Gesellschaft” kommt der wohl schrägste Wettbewerbsfilm der Filmfestspiele Cannes 2016 in die österreichischen Kinos. In der kompromisslosen Groteske des französischen Regisseurs Bruno Dumont (“P’tit Quinquin”) kommt es zu romantischen, mysteriösen und auch bestialischen Ereignissen an der nordfranzösischen Küste Anfang des 20. Jahrhunderts.

Im Sommer 1910 treffen in einem kleinen Küstenort in Pas-de-Calais zwei in ihren Lebenswelten sehr unterschiedliche Familien aufeinander.

Die feine Gesellschaft – Die Handlung

Da ist einerseits die adelige Familie Van Peteghem, die für die frische Luft, idyllische Landschaft und herrlich authentischen Fischer Jahr für Jahr ihr herrschaftliches Feriendomizil über der Bucht bezieht. Und andererseits die arme Familie des Muschelsammlers Brufort, der sich mit seinem Sohn “Ma Loute” (so auch der Originaltitel des Films) Geld dazu verdient, indem sie betuchte Touristen über die Gewässer befördern.

Brufort ist dann auch der erste Verdächtige, als am Strand nach und nach Touristen spurlos verschwinden. Das tollpatschige Polizisten-Duo um Machin und Malfoy nimmt die Arbeit auf. Und mitten in den bizarren Ermittlungen blüht eine junge Liebe zwischen dem herben Ma Loute (Brandon Lavieville) und der zarten, androgynen Billie van Peteghem (Raph) auf, die die Privilegierten und die Primitiven zum Kontakt zwingt – erst recht, als plötzlich auch Billie nicht mehr aufzufinden ist.

Die feine Gesellschaft – Die Kritik

Vor dem wunderschön ins Bild gerückten Panorama ewiger Dünenlandschaften inszeniert Dumont ein hochkarätiges Ensemble, das in punkto Körpereinsatz, Mimik und Stimme ungeniert überdreht: Juliette Binoche, Valeria Bruni Tedeschi, Fabrice Luchini und Jean Luc Vincent bilden die spießige, überlebensgroße Oberschicht-Familie auf Sommerfrische bei den kannibalischen “einfachen Leuten”, verkörpert von Laiendarstellern. Ein Highlight ist Binoche, die mit Dumont bereits “Camille Claudel 1915” (2013) gedreht hat und nun als Tante Aude Van Peteghem mit dunklem Geheimnis wunderbar affektiert und hysterisch agieren darf.

“Wir haben vor dem Dreh nicht so recht gewusst, wohin es überhaupt gehen soll”, sagte die 52-Jährige in Cannes vor Journalisten. “Er (Dumont, Anm.) hat mich herausgefordert, Spannung, Gefahr und Verrücktheit in diese Familie einzubringen.” “Es ist eine verrückte Geschichte”, meinte Dumont, “aber in ihr steckt eine Romanze, ein Thrilleraspekt und Grausamkeit. Ich wollte alles vermischen und einen farbenfrohen Film drehen.” Immerhin ließen sich durch Humor schlimme Dinge besser ertragen – verstecken sich hinter all der Skurrilität im Film doch Klassenkampf, Gewalt, Inzest und sogar Kannibalismus.

Dank seiner karikaturesken Figuren (das Gespann aus fettem Polizeichef und dünnem Assistenten etwa erinnert an Dick und Doof) und Slapstick-Einlagen vermag es “Die feine Gesellschaft”, vielfach zum Schmunzeln zu bringen. Ihre Wirkung entfalten auch die surrealen Momente – etwa, wenn Binoche und Tedeschi plötzlich in die Lüfte entschweben. Dennoch: Inmitten der szenischen Überspitzung und zunehmend durchgeknallten Handlung verliert der Film über die Dauer von zwei Stunden allmählich an Zugkraft.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Die feine Gesellschaft”

(APA)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen