Die Familie Trapp – Ein Leben für die Musik: Kritik und Trailer zum Film

Die Familie Trapp – Ein Leben für die Musik: Kritik und Trailer zum Film
Die altösterreichische Adelsfamilie von Trapp hat so manchen Schicksalsschlag zu erdulden: den frühen Tod der Mutter, den wirtschaftlichen Ruin. Und dann kommen auch noch die Nazis an die Macht und zerstören die Zukunft der Familie in Salzburg.


Wo der Wildbach rauscht und der Förster vom Silberwald zur Jagd zieht, dort ist auch “Die Trapp Familie. Ein Leben für die Musik” zu Hause – zumindest optisch. In der vierten Verfilmung des Lebens der Aristokratenfamilie glänzen die Farben von der Leinwand und trieft das Gefühl aus jedem Pixel. Und die Dirndldichte stellt selbst die Salzburger Festspiele in den Schatten. Ab 13. November im Kino.

Kurzinhalt zum Film

Die neue deutsch-österreichische Koproduktion mit internationalem Cast basiert auf den Memoiren “Memories before and after The Sound of Music” der ältesten Trapp-Tochter Agathe. Entsprechend gebaut ist auch die filmische Umsetzung. Die Rahmenhandlung lautet grob gesagt: Tante Agathe erzählt. Konkret erzählt sie ihrer Großnichte von der guten – und dann später auch schlechten – alten Zeit. So wird der Erlhof in Zell am See als “märchenhaftes Haus” in einer “märchenhaften Landschaft” eingeführt.

Von hier nimmt die wendungsreiche Geschichte der nach ihrer Flucht vor den Nazis als Trapp Family Singers reüssierenden Familie ihren filmischen Ausgang. Mutter Trapp stirbt, was vor allem der ältesten Tochter Agathe schwer zu schaffen macht. Entsprechend ist sie es auch, die nach dem Umzug nach Salzburg am meisten darunter leidet, als Vater Georg im Kindermädchen Maria seine neue Liebe findet. Doch am Ende schweißen die aufziehenden politischen Unbilden durch den “Anschluss” 1938 alle Trapps zusammen.

Kritik zu “Die Familie Trapp”

Das Mittel der Wahl für den niederländischen Regisseur Ben Verbong lautet dabei: Gefühl auf Teufel komm raus. Mit penetrant-süßlicher Dauerbeschallung im Disney-Stil werden konfliktbeladene Szenen im Rosamunde-Pilcher-Stil aufgeladen. Auch wenn man sich ohne Musicalnummern sichtlich bemüht, etwas mehr Realismus ins Geschehen zu bringen als das große Vorbild, der Klassiker “Sound of Music”, schießt man in der anderen Richtung der Gefühlswallungen über die Kitschgrenze hinaus. Hinzu kommt eine Optik, die an frühe Technicolor-Exzesse erinnert, während die Figuren wie lebendige Hummel-Figuren über die Leinwand schreiten. Der Einzige, der im gesamten Film nicht in Tracht auftritt, ist Cornelius Obonya als späterer Nazi Konrad. Auch Starsopranistin Annette Dasch ist als legendäre Berufskollegin Lotte Lehmann stets im Alpinkostüm zu sehen.

Die beiden Akteure gehören zu den wenigen deutschsprachigen Darstellern der auf Englisch gedrehten Produktion. Yvonne Catterfeld gesellt sich in Nachfolge von Julie Andrews als Kindermädchen Maria hinzu. Märchentante Agathe spielt die aus den “Spider-Man”-Verfilmungen bekannte Rosemary Harris, der ob der politischen Veränderungen hilflos wirkende Baron wird vom filmerfahrenen Matthew Macfadyen interpretiert. Und schließlich ergänz das britische Nachwuchstalent Eliza Bennett die Runde in der Rolle der Agathe als junge Frau.

Alles in allem reiht sich “Die Trapp Familie. Ein Leben für die Musik” also in vielerlei Hinsicht in die Tradition der drei Vorgängerverfilmungen ein. Den Auftakt machte 1956 Wolfgang Liebeneiner im Heimatfilmstil mit “Die Trapp Familie”. Auf den Erfolg folgte bereits 1958 erneut unter Liebeneiners Regie “Die Trapp-Familie in Amerika” als Fortsetzungsgeschichte. Völlig in den Schatten gestellt wurden diese beiden cineastischen Werke allerdings durch das Fox-Musical “The Sound of Music” mit Christopher Plummer und Julie Andrews, der heute als einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten gilt und weltweit das Salzburg-Bild prägt – mit Ausnahme von Deutschland und Österreich. Dass die aktuelle Trapp-Saga einen ähnlichen Erfolg einfahren könnte, ist wohl ausgeschlossen. Darauf kann man sein Dirndl verwetten.

Trailer zum Film:

(APA/Red)

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