Die Dokumentarschiene der Viennale 2016

Die Dokumentarschiene der V'16 bietet auch Interessantes zu Marlon Brando
Die Dokumentarschiene der V'16 bietet auch Interessantes zu Marlon Brando - © cineclassio / Alamy / Viennale
Neben Spielfilmen ist natürlich auch in diesem Jahr die Dokumentarfilmschiene ein zentrales Element der 54. Viennale. Die Bandbreite erstreckt sich dabei von Porträtarbeiten zu berühmten Persönlichkeiten bis hin zu vergleichsweise intimen Studien weniger bekannter Individuen.

In diesem Überblick finden sich zudem auch Werke zu engagierten Filmemachern und der heimischen Schriftstellergröße Peter Handke.

Dokumentation zu “Uncle Howard” Brookner

Der Filmemacher Aaron Brookner hat einen Vorfahren, der ebenfalls als Regisseur tätig war: Seinen “Uncle Howard”. Allerdings verstarb Howard Brookner 1989 bereits mit 34 Jahren an Aids. Seit sein Neffe in einem New Yorker Keller auf die umfangreiche Hinterlassenschaft seines Onkels stieß, bemüht er sich, das Oeuvre des einst aufstrebenden Filmemachers der Vergessenheit zu entreißen. Mit “Burroughs: The Movie” machte Aaron zuvor Howards Erstlingswerk öffentlich zugänglich. Mit der Dokumentation “Uncle Howard” folgt nun der persönliche Blick auf einen Regisseur, der sich in den New Yorker Künstlerkreisen seiner Zeit an der Seite von Andy Warhol oder Robert Wilson bewegte, mit “Bloodhounds of Broadway” bereits erkrankt seinen ersten Spielfilm vorlegte und mit Charme und Energie sein Umfeld bis heute beeinflusst. Dabei präsentiert sich das von Jim Jarmusch produzierte Werk als intime Collage aus Foundfootage und Interviewsequenzen mit Wegbegleitern.

(27. Oktober und 2. November, jeweils um 11 Uhr im Urania Kino)

Dokumentaressay “Auf Ediths Spuren”

Wie Aaron Brookner für “Uncle Howard”, hat sich auch für das Dokumentaressay “Auf Ediths Spuren” ein Neffe auf die Lebensspuren einer Verwandten begeben. Der austro-amerikanische Schriftsteller Peter Stephan Jungk (“Der König von Amerika”) widmet sich dabei dem bewegten Leben seiner Großtante Edith Tudor-Hart. Nachdem er dieser bereits mit “Die Dunkelkammern der Edith Tudor-Hart” eine Romanbiografie gewidmet hatte, zeichnet er nun filmisch das Leben der 1908 in Wien als Edith Suschitzky geborenen Fotografin nach, die in Großbritannien zur Sozialdokumentaristin aufstieg und zugleich KGB-Agentin wurde. Um dieses ungewöhnliche Leben einzukreisen, hat Jungk zahlreiche Interviews geführt. Die Antwort auf die Frage nach Tudor-Harts langjähriger Agententätigkeit sieht der Neffe in einer beinahe “religiösen Liebe zum Kommunismus”.

(31. Oktober, 18 Uhr im Gartenbaukino und 1. November, 11 Uhr im Stadtkino)

Filmisches Denkmal für Mike Nichols

Mike Nichols hat mit Werken wie “Wer hat Angst vor Virginia Woolf?” oder “Die Reifeprüfung” absolute Klassiker der Filmgeschichte geschaffen, mit “Silkwood” aber auch einen der engagiertesten Arbeiterfilme des kapitalistisch orientierten Hollywoods. Seine einstige Bühnen- und Lebenspartnerin Elaine May setzt nun dem 2014 verstorbenen Regisseur mit “Mike Nichols – American Masters” ein filmisches Denkmal. Dafür lässt sie in insgesamt eher konventioneller Manier neben Wegbegleitern wie Meryl Streep, Dustin Hoffman oder Steven Spielberg auch Nichols selbst in einem späten Interview zurückblicken.

(26. Oktober, 14 Uhr im Metro Kinokulturhaus)

Gesprächsdoku “Rebel Citizen” mit Kameramann Haskell Wexler

Ein temporärer Wegbegleiter von Mike Nichols war Kameramann Haskell Wexler, der mit dem Regisseur 1966 den legendären Film “Wer hat Angst vor Virginia Woolf?” drehte und dafür den Oscar erhielt. Die Gesprächsdoku “Rebel Citizen” widmet sich nun aber weniger den großen Studioproduktionen des Kamerameisters als dessen sozial engagierten Arbeiten, die er mit deren finanzieller Hilfe realisierte. Er freue sich, den Aspekt seines Oeuvres, der auf der Suche nach der Wahrheit beruhe, darlegen zu können, stellt Wexler im Gespräch mit Pamela Yates klar. So zeichnet Wexler, der Ende vergangenen Jahres im Alter von 93 Jahren verstarb, seinen Weg als Chronist der frühen Bürgerrechtsbewegung (“The Bus”) nach, erläutert seinen Blick auf die andere Seite der Front im Vietnamkrieg (“Introduction to the Enemy”) oder seine Arbeit mit Folteropfern in Brasilien. Hinzu kommen Anekdoten aus dem eigenen Leben, wie sein erfolgloser Versuch, am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen. Die Tränen steigen dem engagierten Filmer dabei erst in die Augen, als er seinen Status als “Patriot” verteidigt, der ihm so oft abgesprochen worden sei.

(2. November, 20.30 Uhr im Metro Kinokulturhaus)

Dokumentarhommage an Marlon Brando

Ein Grenzgänger zwischen großem Hollywoodkino und sozialem Engagement war auch Marlon Brando. Dem 2004 verstorbenen Schauspieltitanen hat Steven Riley mit “Listen to me Marlon” nun eine der ungewöhnlichsten Dokumentarhommagen gewidmet, als deren Basis 300 Stunden Tonbandmonologe dienten, die Brando selbst im Laufe seines Lebens besprochen hat. Riley montiert, schneidet und collagiert diese mit Archivbildern. Das Wort gehört allerdings stets der markanten Stimme Brandos, die eine meditative Sogwirkung entfaltet und den Zuseher von der Kindheit in Nebraska bis zu den späteren Krisen geleitet.

(25. Oktober, 20.30 Uhr im Urania Kino und 2. November, 13 Uhr im Gartenbaukino)

Filmporträt zu Peter Handke

Gänzlich dem Filmgeschäft abhold ist hingegen der Dichter und Weltenwandler Peter Handke. Lange musste sich deshalb die Regisseurin Corinna Belz um den Autoren bemühen, bis dieser einem Filmporträt zustimmte. Dafür präsentiert sich “Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte…” nun wie ein bewegtes Stillleben, das ganz auf die persönliche Welt des Schriftstellers fokussiert, der seit Jahren ein Haus in der Pariser Vorstadt besitzt. In diesem stillen Ort inszeniert Belz Handke als Sinnierenden, der aus dem Off seine Gedanken einspricht. “Erfinden ist Materie schaffen”, meint der Selbstreflexive, der sich auch mit dem Tabubruch des Schreibens an sich beschäftigt. Diesen umkreisen neben Handke selbst seine Notizbücher oder bis dato unveröffentlichte Polaroids, die ihren Platz in dieser behutsamen Annäherung an einen Denker erhalten, die sich und ihrer Hauptfigur Zeit lässt.

(23. Oktober, 20.30 Uhr im Urania Kino und 25. Oktober, 11 Uhr im Stadtkino)

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54. Viennale Filmfestival
20. Oktober bis 2. November 2016
Programm auf www.viennale.at

>> Alle Informationen zur Viennale 2016

Viennale-2016-Sujet

(APA/Red.)

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