Die Bürgerinitiative Stöberplatz im Interview: “Und plötzlich war Geld da”

Von Jennifer Schindl
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Frau Sulzgruber und Herr Heuberger als BI Stöberplatz im Interview.
Frau Sulzgruber und Herr Heuberger als BI Stöberplatz im Interview. - © VIENNA.at/Jennifer Schindl
VIENNA.at hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Wienern ihre Grätzln näher zu bringen. Im Interview mit der Bürgerinitiative Stöberplatz wird klar, wie viel eine kleine politische Einheit erreichen kann, wenn sie nur will.

Der Startschuss für die Bürgerinitiative Stöberplatz fiel, als bekannt wurde, dass die Stadt plant, unter den Park am Stöberplatz, eine Garage zu bauen. Das hätte die alten Bäume stark gefährdet und die Umwelt belastet. Als sich die Bürger zusammenschlossen, gelang es, das Projekt abzuwehren und für eine Sanierung des Parks zu sorgen. VIENNA.at hat sich erkundigt, wie eine Bürgerinitiative solch einen Erfolg erreichen kann, wie die aktuellen Pläne aussehen und wie es um weitere Projekte steht.

VIENNA.at: Ihr großes Projekt, die unterirdische Garage am Stöberplatz abzuwehren, ist ja sehr erfolgreich zu Ende gegangen – das Vorhaben ist Geschichte. Wie wurde das erreicht?

Bürgerinitiative Stöberplatz: Zu den zahlreichen Aktionen der Bürgerinitiative zählten u.a. Parkfeste, das Verteilen von Flyern, das Aufhängen von Plakaten, also generell das Informieren der Anrainer, das essentiell für den Erfolg der BI war, denn es zeigte sich, dass die Informationen über die Pläne von der Stadt Wien bzw. vom Bezirk an die Bürger sehr spärlich ausfielen. Anschließend wurden Unterschriften gesammelt, wobei es große Unterstützung von Seiten der Anrainer gab. Das ist nicht als selbstverständlich zu sehen – bei zwei ähnlichen Garagen-Projekten haben sich die Bürger für den Bau ausgesprochen. Der Erfolg der Bürgerinitiative Stöberplatz lag wohl vor allem daran, dass die Garage unter einem Park mit vielen alten Bäumen geplant war, um die es sehr schade gewesen wäre. Denn wie sich schon häufig gezeigt hat, verkraftet die Natur einen solchen Eingriff nur schwer und wir hätten uns wohl über kurz oder lang von jeglichem Grün im Park verabschieden müssen.

Nach der raschen Entwicklung der Parkraumbewirtschaftung unter Rot-Grün zeigte sich dann aber ohnehin, was die Bürgerinitiative immer behauptet hat – nämlich, dass eine Garage nicht notwendig ist. Auch ökonomisch gesehen hätte sich der Bau lange nicht gerechnet – pro Stellplatz wurden 25.000 Euro an Kosten eingeplant, das ist mit den monatlichen 80 Euro, die ein Volksgaragen-Stellplatzmieter aufbringen muss, lange nicht auszugleichen – zudem diese Volksgaragen häufig auch leer stehen. Das knappe Geld sollte ohnehin in den Ausbau der Fahrradwege und für Fußgänger investiert werden.

Wie viel Arbeit wurde in die Bürgerinitiative Stöberplatz investiert? Lässt sich das in Stunden oder Tagen ausdrücken?

Es war sehr viel Arbeit. Der Umfang lässt sich kaum in Stunden oder Tagen ausdrücken – wir hätten den Aufwand nicht derart groß eingeschätzt. Besonders die Informationsaktionen, wie Flyer-Verteilen und Parkfeste, haben sehr viele Stunden gekostet. Ebenso das abschließende Unterschriftensammeln. Aber es hat sich gelohnt und wir haben viele interessante Menschen kennen gelernt, daher hat man die Zeit sehr gerne investiert.

Als nächster Schritt folgt die Umgestaltung des Parks. Gibt es hier schon konkrete Pläne?

Wir haben immer eine Sanierung des Parks gefordert. Nachdem es anfänglich geheißen hat, es gebe kein Geld dafür, sprach die Bezirksvertretung kurz vor der Wahl doch von einer notwendigen Sanierung der Kanalisation und Beleuchtung und plötzlich war auch Geld für eine Umgestaltung des Parks vorhanden. Die BV hat die direkten Anrainer also zu einer Informationsveranstaltung geladen, bei der “ihre” Pläne einer Parksanierung vorgestellt wurden. Die Bürgerinitiative hat dafür gesorgt, dass auch die Bewohner angrenzender Straßen davon erfahren. Die dort gesammelten Ideen wurden an einen Planer weitergereicht. Dieser hat seine Pläne im Frühjahr präsentiert. Die Bürgerinitiative hat sich ebenso mit der Ausarbeitung eines Planes beschäftigt, der auch Fußgängerzonen um den Park beinhaltet hätte. Das wurde von der Bezirksvertretung jedoch abgelehnt, vermutlich auch aus budgetären Gründen.

Der Plan für die Umgestaltung der Parkanlage ist in Ordnung für uns. Der Beton soll mehr Grünfläche weichen, Ruhezonen sollen entstehen, Slackline-Pfosten werden gebaut, der Käfig wird kleiner, der Kleinkinderbereich etwas größer – so soll der Park für mehr Gesellschaftsgruppen nutzbar sein. Damit ist die Bürgerinitiative zufrieden. Wir hätten uns nur gewünscht, das Ganze noch etwas weiter zu denken und die Straßen in das Vorhaben zu integrieren.

Wenn man sich als Bürger einbringen möchte, wie kann man Sie am besten erreichen?

Wir sind per Mail für jeden zu erreichen, ebenso wie über die Aktion 21. Über Social Media Plattformen leider (noch) nicht.

Wie stehen Sie zum bereits beschlossenen Gratis-WLAN im Park? Möchten Sie etwas gegen die Dauerbestrahlung der Anrainer unternehmen?

Die BI Stöberplatz sieht eigentlich mehr Vorteile als Nachteile in der Gratis-WLAN-Installierung. Die Strahlung ist ohnehin schon gegeben und die ersten Forschungsergebnisse sehr widersprüchlich, daher sehen wir im Moment eher einen Nutzen für die öffentliche Infrastruktur und die soziale Vernetzung.

Bleibt die Bürgerinitiative Stöberplatz auch nach Umgestaltung des Parks bestehen?

Die Umgestaltung des Parks wird erst im Frühjahr 2016 begonnen – bis die Arbeiten abgeschlossen sind, befinden wir uns im Jahr 2017. Wenn dann immer noch Bedarf an der Bürgerinitiative besteht, wird diese selbstverständlich weitergeführt.

Welche weiteren Projekte sind geplant?

Unmittelbar sind keine Projekte geplant. Man könnte sich aber beispielsweise dem Grätzloasen-Projekt anschließen, bei dem temporäre Ruhezonen eingerichtet werden. Auch Urban Gardening oder ein Gemeinschaftsgarten wäre spannend. Ebenso wie ein offener Bücherschrank, eine Werkstätte oder ein Grätzltreffen. Letztendlich ist alles eine Zeit- und Ressourcenfrage. Wenn bei den Bürgern Interesse besteht, wird sich die Bürgerinitiative für solche Projekte gerne einsetzen.

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