Die acht besten unbekannten Sci-Fi-Filme

Von Christoph Stachowetz
Acht der sehenswertesten, eher unbekannten Sci-Fi Filme
Acht der sehenswertesten, eher unbekannten Sci-Fi Filme - © Studio Canal Home Entertainment
Science-Fiction ist ein gern gesehenes Genre in Film und Fernsehen. Klar, werden doch hier faszinierenden Geschichten aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gesponnen, die meist direkte Bezüge auf das aktuelle Weltgeschehen aufweisen.

Auch neben gewaltigen Blockbustern aus bekannten Franchise-Reihen der Marke “Star Trek” oder “Star Wars” finden sich in nahezu jedem Jahrzehnt mehrere Genre-Vertreter, die weniger Aufmerksamkeit erregt haben als so manch anderes Werk. Grund genug, ein paar dieser famos-visionären Filme aufzugreifen und zu präsentieren.

A Boy and His Dog (1975)

Im deutschssprachigen Raum auch als “Apocalypse 2024 – A Boy and His Dog” oder “A Boy and His Dog – In der Gewalt der Unterirdischen” bekannt, bietet der Film vor allem für Fans klassischer und schräger Low-Budget-Werke einiges. Allem voran natürlich steht der Auftritt eines blutjungen Don Johnson, der sich als Hauptfigur Vic in der Einöde Arizonas mehr oder minder allein durchkämpfen muss. Ihm zur Seite steht der Hund Blood, der nicht nur telephatisch mit Vic kommunizieren kann, sondern auch dank Mutation Frauen aufspüren kann. Etwas trashig, aber aus der Feder von Sci-Fi-Legende Harlan Ellison (“I Have No Mouth, and I Must Scream”) und mit einem gleichermaßen unkonventionellen wie sehenwerten Filmende versehen.

They Live (1988)

Bei all den Klassiker, die Multitalent John Carpenter im Laufe seiner langen Karriere aufbieten kann, ist es fast schade, dass der großartige “They Live” von 1988 vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erlangt hat. Eine Mischung aus klassischer Science Fiction, Actionfilm, Paranoia-Thriller und unverhohlener Gesellschaftskritik, die dabei noch bis heute in vielen Belangen aktuell erscheint (Stichwort: Medienkonsum), kann auch heutzutage noch mit vielen Schmankerl seine Zuseher begeistern. Alleine der Gassenkampf zwischen Hauptdarsteller “Rowdy” Roddy Piper und Keith David stellt schon ein gewaltiges Highlight dar, ganz zu Schweigen von den vielen großartigen One-Linern, die das Werk unter vielen anderen hervorhebt. Piper mit Schrotflinte, Sonnebrille und dem Spruch “I have come here to chew bubblegum and kick ass, and I’m all out of bubblegum” ist einfach legendär.

Demolition Man (1993)

Sylvester Stallone ist immer so eine Sache: Entweder man mag seine Frühwerke – oder gleich keinen einzigen Film aus seinem gesamte Schaffen. Das der mittlerweile 70-Jährige seinen Platz als Kultfigur mit vielseitigen Talenten hart erarbeitet hat, muss aber wohl kaum noch erwähnt werden. Viele seiner Actionfilme aus den 80ern und 90ern sind zurecht unterhaltsam und ziemlich trashig, einige davon jedoch gewaltig unterschätzt. In diesem Sinne: “Demolition Man”. Auch wenn man bei dem Titel vielleicht eher in Richtung “mal wieder was wie Rambo” denken mag, sollte der 1993 erschienen Film keinesfalls leichtfertig in die Stallone-Trash-Tonne befördert werden, handelt es sich doch dabei um einen ungemein lustigen wie intelligenten Sci-Fi-Actionfilm, der vielleicht auch einer der letzten großen Stallone-Vehikel selbst darstellt. Darin wird ein in der Vergangenheit eingefrorener Supercop ohne Rücksicht auf Kollateralschäden (Stallone, natürlich) in einer komplett gewaltlosen “Brave New World”-Zukunft aufgetaut, um nochmals gegen seinen Nemesis Simon Phoenix (ein glorioser Wesley Snipes) anzutreten. Ein öffentliches Anti-Fluch-Bestrafungssystem, unverständliche Klospülungen, die ” Schwarzenegger-Präsidenten-Bibliothek” und Polizeibeamte, die nicht für Gewalttätigkeiten ausgebildet wurden: Die Satire “Demolition Man” begeistert bis zuletzt.

Event Horizon (1997)

Ein fürchterlicher Flop an den Kinokassen beim Erscheinen, hat sich “Event Horizon” aber doch bis heute mit einer stetigen Fanbasis vor dem Vergessen retten können und erlebt immer wieder in kleinen Schüben ein Mini-Revival. Vergleiche zu Ridley Scotts Meisterwerk “Blade Runner”  und John Carpenters “The Thing” erscheinen zwar unter diesem Gesichtspunkt etwas weniger passend, dennoch kann der Film in seinem Genre – dem Sci-Fi-Horror – mehr als überzeugen. Mit einem “Lewis and Clark”-benannten Rettungsvehikel soll das ominöse Forschungsschiff “Event Horizon” aufgespürt werden, welches zuvor einen experimentellen Gravitationsantrieb getestet hat und verschwunden ist. An Bord des gigantische Schiffes breitete sich jedoch eine unheimliche Macht aus, die sowohl die alte als auch gezwungenermaßen neue Besetzung (die der Lewis and Clark) in Wahnsinn treibt. Subtile und nicht ganz so dezente Horrormomente lassen bei den Zusehern von “Event Horizon” garantiert Gänsehaut entstehen, auch die Besetzung rund um Laurence Fishburne und Sam Neill kann mit starken Auftritten überzeugen. Garantiert nichts für schwache Nerven.

Dark City (1998)

Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamige Film Noir von William Dieterle aus dem Jahr 1950, in dem Charlton Heston sein Leinwanddebüt feierte, hat “Dark City” im Laufe der Jahre eine Kultanhängerschaft erreichen können. Wie viele andere Einträge auf dieser Liste handelt es sich um eine Katastrophe an den Kinokassen, internationale Kritiken waren jedoch voll des Lobes. Besonders interessant erscheint jedenfalls das Handlungsgerüst, das in seinen Grundzüge später von einigen anderen Filmen (vor allem der ein Jahr später anlaufende erste Teil von “Matrix”) aufgenommen werden sollte. In dem futuristischen Werk ist Rufus Sewell auf der Suche nach dem verstörenden Geheimnis rund um die titelgebende Stadt (in der immer Nacht vorherrscht), in welcher zu einer bestimmten Zeit alles Einwohner in einen tiefen Schlaf fallen und die Zeit angehalten wird.

Equilibrium (2002)

Elemente aus Aldous Huxleys “Schöne Neue Welt”, George Orwells “1984” und ein großer Anteil hochstilisierter Action der Marke “Matrix: All das und noch einige interessante Merkmale mehr bietet “Equilibrium” von 2002. In der dort gezeigten futuristischen Dystopie wird jegliche Emotion unterdrückt und emotionale Gleichmütigkeit angestrebt – mit Polizeibrutalität, Unterdrückung und Waffengewalt. Im Zentrum der Erzählung steht niemand geringerer als Christian Bale, der im Verlauf der Handlung vom Ober-Exekutor zum Rädelsführer eines Aufstandes gegen das vorherrschenden Systems wird. Ein wirklicher Geheimtipp für Action- und Bale-Fans. Plus: Ein super-herziger Welpe ist auch in einer absolut wichtigen Rolle zugegen.

A Scanner Darkly (2006)

Wie so oft findet sich auch hier einen Erwähnung von Sci-Fi-Legende Philip K. Dick in einem Artikel rund um futuristisches (Meister-)Werke. Dicks “Der dunkle Schirm” dreht sich rund um Drogenkonsum, die darauf begründete Zersetzung der eigenen Persönlichkeit und Paranoia. Dies allein würde schon genug Material für einen interessante Film liefern, Regisseur Richard Linklater legt aber zumindest in der visuellen Präsentation von “A Scanner Darkly” noch eines drauf: Statt einfach seine Filmaufnahme nach herkömmlichen Schema dem Publikum zu unterbreiten, ließ der Filmemacher alles via Rotoskopie-Verfahren nachbearbeiten. Herausgekommen dabei ist ein zutiefst beeindruckendes Werk, das sowohl über Inhalt wie auch audiovisueller Darstellung überzeugt. Die hervorragende Besetzungliste rund um Keanu Reeves, Woody Harrelson und – interessanterweise – Robert Downey Jr. (der ja etwa zum Zeitpunkt des Erscheines sein Comeback nach einem Drogenentzug startete) tut sein übriges, um den Film bemerkenswert zu machen.

Sunshine (2007)

Danny Boyle ist ein scheinbar Getriebener: In keinem Genre hält sich der Filmemacher gerne allzu lange auf, um quasi Wurzeln zu schlagen. So liest sich sein Filmschaffen wie ein Best-Of von genialen Genre-Vertretern: Drogenkomödie “Trainspotting – Neue Helden”, Zombiethriller “28 Days Later”, verschachteltes Quizshow-Drama “Slumdog Millionär” und zuletzt noch das ungewöhnliche Pseudo-Biopic “Steve Jobs”. Mitten unter seinen größten Erfolgen findet sich auch der sträflich vernachlässigte Sci-Fi-Thriller “Sunshine”, bei dem Boyle seine Muskeln in Sachen visueller Komposition spielen lässt. Die Story klingt schon mal recht interessant: Die Sonne stirbt und das Raumschiff Icarus II macht sich mit einer kleinen Besatzung auf den Weg, einen Rettungsversuch für den sterbenden Stern zu wagen. Ein Flop am Boxoffice trotz des überraschend geringen Budgets (40 Millionen US-Dollar) und dabei auch noch nett besetzt mit damals noch weniger bekannten Stars (der spätere Captain America Chris Evans, “28 Days later”-Star Cillian Murphy u.a.).

Monsters (2010)

So macht man auf sich aufmerksam: Mit “Monsters” von 2010 hat Regisseur Gareth Edwards sein Regiedebüt abgeliefert und dabei wie schon so manch anderer Filmemacher auf die wichtigsten Komponenten bei einer Low-Budget-Sci-Fi-Produktion gesetzt. Eine kleine aber sehr talentierte Besetzung; dezente, aber effektiv eingesetzte Spezialeffekte und eine durch die Erzählung etablierte dichte Atmosphäre. Scoot McNairy und Whitney Able durchstreifen im Film eine von Monstern infizierte Zone, die ständige Bedrohung seitens des US-Militärs, welches mit Waffengewalt gegen die gigantischen Ungeheuer vorgeht, sowie von den Ungetümen selbst überträgt sich dabei mit Leichtigkeit auf den geneigten Zuseher. Kein Wunder, das Regisseur Edwards sich nach diesem Überraschungerfolg um ein anderes, ähnlich klingendes Szenario gekümmert hat – Das “Godzilla”-Reboot konnte (zumindest an den Kinokassen) als zweiter Film eines Regieneulings doch überzeugen.

(Red.)

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