Die abhandene Welt – Trailer und Kritik zum Film

Die abhandene Welt – Trailer und Kritik zum Film
Erst mit 37 erfährt Margarethe von Trotta (“Die bleierne Zeit”) durch einen Zufall, dass sie noch eine Schwester hat. Ihre geliebte Mutter hatte ihr nie erzählt, dass sie die ältere Schwester zur Adoption freigegeben hatte.

Bis in den Tod lebte sie mit der Lüge. Diese traumatische Erfahrung verarbeitet die Grande Dame des deutschen Films in “Die abhandene Welt”. Ab Freitag im Kino.

Die abhandene Welt – Die Geschichte

Nach dem dichten, vielschichtigen Frauenporträt “Hannah Arendt” (2012) ist das Familiendrama trotz guter Schauspieler allerdings etwas enttäuschend. Die Geschichte ist stellenweise verwirrend und psychologisch überladen, manchmal auch nah am Kitsch.

Kern der Story: Ein Witwer (Matthias Habich) entdeckt in der Zeitung das Bild einer New Yorker Operndiva (Barbara Sukowa), die seiner verstorbenen Frau bis aufs Haar gleicht. Er schickt seine Tochter Sophie (Katja Riemann) zur Kontaktaufnahme in die USA. Trotz innerer Widerstände finden die beiden schließlich heraus, dass sie Schwestern sind (auch wenn es lange eher nach einer Mutter-Tochter-Beziehung aussieht).

Die beiden Hauptdarstellerinnen sorgen – gemeinsam mit Karin Dor als alzheimerkranker Adoptivmutter – für anrührende Momente. Dennoch wird daraus keine wirklich bewegende Geschichte. Katja Riemann ist zu sehr mit ihrer recht absehbaren Lovestory zu einem New Yorker Musikmanager (Robert Seeliger) beschäftigt, als dass sie seelische Verletzlichkeit zeigen könnte. Und am Schluss schlägt der Plot eine so abenteuerliche Volte, dass es nicht nur die beteiligten Familienmitglieder aus der Bahn trägt.

Die abhandene Welt – Die Kritik

Auch die quasi als roter Faden eingewobene Liebe zur Musik, die alle Frauen eint, vermag die Enden nicht zusammenzubringen. So darf Katja Riemann, daheim als Barsängerin geschasst, recht überraschend in einem angesagten New Yorker Jazzclub auftreten. Sukowa, als Opernsängerin in der Met mit der “Norma” noch etwas überfordert, erklärt immerhin mit ihrer melancholischen Interpretation eines Mahler-Lieds den poetischen Titel des 100-Minuten-Dramas – “Ich bin der Welt abhandengekommen”.

Für sie persönlich sei der Film eine Art Abschluss, sagte Trotta in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. “Jetzt weiß ich alles. Und jetzt bin ich irgendwie befreit.” Vielleicht gibt es aber doch Themen, die einem so nahegehen, dass man sie als Drehbuchschreiber und Regisseur nicht mehr mit dem notwendigen Abstand erzählen kann.

(APA)

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