Diät, der ungesunde Vorsatz

Der Waagenschock löst sich besser mit Köpfchen als Brutaldiäten
Der Waagenschock löst sich besser mit Köpfchen als Brutaldiäten - © Bilderbox
Vorsätze zu Neujahr haben lange Tradition, einer hat das Zeug zum Dauerbrenner: Abnehmen und Gewicht reduzieren. Diätempfehlungen haben gerade zu Jahreswechsel Hochkonjunktur.

Zeitschriften und Magazine sind voll mit Rezepten und Motivationsaufrufen zum Abnehmen. Leider wird dies oft mit kurzfristiger Nahrungseinschränkung oder Crash-Diäten versucht. Von Über- aber auch von Normalgewichtigen. Und das kann bei beiden nicht nur der Gesundheit schaden, sondern zu Gewichtszunahme führen.

Diät fördert den Jojo-Effekt und Adipositas

Die kurzfristige Einschränkung der Ernährung, wie sie in Form von Diäten betrieben wird, ist nicht dazu geeignet, dauerhaft und nachhaltig Gewicht zu verlieren, sondern im Gegenteil, zuzunehmen. Immerhin haben mehr als 50 Prozent der Normalgewichtigen und 85 Prozent% der Menschen mit Adipositas schon Diäterfahrungen und viele Kilos verloren – und diese innerhalb kürzester Zeit wieder zugenommen. In diesem Zusammenhang stellt der erste österreichische Adipositasbericht fest: Erfolglose Diätversuche sind eine Determinante für die Entstehung von Adipositas.

Das Wiener Programm für Frauengesundheit ist seit vielen Jahren mit dem problematischen Themenkreis der Gewichtsabnahmen zur Erreichung eines bestimmten Schönheitsideals befasst. ExpertInnen sind sich einig: Diäten -insbesondere Blitzdiäten – sind der Einstieg für Essstörungen. Aus diesem Grund gilt auch heuer: Vorsicht vor Diäten, die rasche Gewichtsabnahmen versprechen.

“Schönheitsideale” produzieren Essstörungen

“Die Debatte um eine Übergewichts-Pandemie in der westlichen Welt und die starke Medikalisierung des Themas Gewicht greifen zu kurz. Bei allen gesundheitlichen Problemen, die Adipositas unbestritten mit sich bringt, dürfen wir nicht übersehen, dass die rigide Einschränkung des Essverhaltens auch zu Essstörungen führen kann”, betont die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Univ.-Prof.in Beate Wimmer-Puchinger. “Auch die vielfältigen wirtschaftlichen Interessen, die hier eine Rolle spielen, müssen offen angesprochen werden: Einerseits wird viel Aufwand betrieben, auch ungesunde und dickmachende Lebensmittel optimal zu vermarkten, und andererseits haben ganze Industriezweige ein massives Interesse daran, dass wir mit unseren Körperformen und Körpergewicht unzufrieden sind und mit Unterstützung von Diätprodukten, Medikamenten oder gar chirurgischen Eingriffen einem vermeintlichen Schönheitsideal näher kommen.”

Dicker ist nicht automatisch krank

Es ist zu einfach, Dünne automatisch für gesund und Dicke für krank zu erklären. Mehrere Studien zeigen, dass zu dünn nicht unbedingt gesund ist: Eine Studie an einer Million AmerikanerInnen zeigte, dass ein Body Mass Index (BMI) von 23,5 bis 24,9 bei Männern und von 22,0 bis 23,4 bei Frauen der Gesundheit am zuträglichsten war. Gerade bei älteren Menschen zeigt sich, dass Untergewichtige ein höheres vorzeitiges Sterberisiko haben. Der optimale BMI bei Menschen ab 65 Jahren lag der Studie zufolge zwischen 27 und 30, ab einem BMI von 32 stieg die Mortalität wieder stark an.

Auch Forscher der Albert-Einstein-Universität für Medizin in New York konnten in einer Fünfjahresstudie an 5.440 Personen keinen generalisierten Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Herzproblemen feststellen. Ein beträchtlicher Teil an Übergewichtigen war gesund, während etliche Normalgewichtige kardiovaskuläre Probleme auswiesen.

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