Deutsche misstrauen soziale Medien mehr als klassischen Medien

Laut einer Umfrage von YouGov vertrauen die Deutschen den klassischen Medien weiterhin mehr als den sozialen Medien.
Laut einer Umfrage von YouGov vertrauen die Deutschen den klassischen Medien weiterhin mehr als den sozialen Medien. - © AFP/JUSTIN TALLIS; ANDREAS SOLARO
Eine große Mehrheit der Menschen in Deutschland ist überzeugt, durch Fake News könnten Wahlen beeinflusst werden. So stimmten bei einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov 44 Prozent dieser Aussage “voll und ganz” und 40 Prozent “eher” zu (9 Prozent “eher nicht”, 2 Prozent “ganz und gar nicht”).

Dass Populisten aufgrund von Fake News an Zustimmung gewinnen, glauben 40 Prozent “voll und ganz”, 37 Prozent “eher” (10 Prozent “eher nicht”, 4 Prozent “ganz und gar nicht”). Und ein noch größerer Anteil geht davon aus, dass Fake News dazu beitragen, dass sich Verschwörungstheorien verbreiten: 43 Prozent stimmten dieser Aussage “voll und ganz”, 40 “eher” zu (8 Prozent “eher nicht”, 2 Prozent “ganz und gar nicht”).

Eine deutliche Mehrzahl geht davon aus, dass Fake News auch in anderer Hinsicht schlimme Folgen haben können: Dass sie zur Diskriminierung einzelner Personen führen können, sehen 58 Prozent “voll und ganz” so, 32 Prozent stimmen dem “eher” zu (5 Prozent “eher nicht”, 1 Prozent “ganz und gar nicht”). Dass Gruppen dadurch diskriminiert werden könnten, sehen 54 Prozent “voll und ganz” so. 35 Prozent sind “eher” dieser Meinung, 5 Prozent “eher nicht” und 1 Prozent “ganz und gar nicht”.

“Fake News” vertrauter Begriff

Grundsätzlich sind Fake News, absichtlich veröffentlichte Falschinformationen, den meisten ein vertrauter Begriff: So gaben 87 Prozent der Befragten an zu wissen, was er bedeute. Prof. Uwe Hasebrink, Leiter des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg, mahnt allerdings, mit solchen Daten vorsichtig umzugehen: “Dieser hohe Wert spiegelt wider, dass wir alle eine Vorstellung von Fake News haben, aber es ist hochwahrscheinlich, dass wir ganz Unterschiedliches darunter verstehen.”

Mittlerweile sei in dem Topf “Fake News” vieles drin. “Sowohl die berechtigte Skepsis gegenüber Medien, komplexe Realität angemessen darzustellen, als auch die gezielte Falschmeldung und der Spaß-Fake, der in Social Media eine große Rolle spielt.”

Vertrauen in klassische Medien

Von Zeitungen, Radio und Fernsehen glaubt nur eine Minderheit der Befragten, dass diese gezielt falsche Nachrichten veröffentlichen. So stimmten 13 Prozent dieser Aussage “voll und ganz” und 26 Prozent “eher” zu. 36 Prozent antworteten “eher nicht”, 16 Prozent “ganz und gar nicht”.

Deutlich anders sieht es mit dem Vertrauen in soziale Netzwerke aus: Der Aussage, dort würden Fake News verbreitet, stimmten 50 Prozent der Befragten “voll und ganz” und 37 Prozent “eher” zu.

“Wenn man sich vorstellt, dass es ein Hauptanliegen von Journalismus ist zu verhindern, dass sich Fake News verbreiten, dann ist das schon eine ziemliche Watsche, wenn 13 Prozent “voll und ganz” zustimmen, dass traditionelle Medien daran beteiligt sind”, sagte Prof. Hasebrink. “Aber es stimmt, dass es da schon noch einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Kategorien gibt. Ein Großteil der Menschen in Deutschland weiß Journalismus zu schätzen.”

Mindesten ein journalistisches Medium

Daran änderten auch die jüngsten Entwicklungen nichts, sagte Hasebrink. “Man mag sich ärgern über als tendenziös oder einseitig empfundene Beiträge, die meisten Menschen haben aber mindestens ein journalistisches Medium, dem sie vertrauen und das sie entsprechend nutzen – und von dem sie andere Leistungen erwarten als von sozialen Medien.”

Bei der Frage, inwieweit Vertrauen in Medien verloren gehe, seien die Ergebnisse verschiedener Erhebungen widersprüchlich. “Wir hatten gerade die Studie der Uni Mainz, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Zahl derer zunimmt, die Medien misstrauen, aber auch die Zahl derer, die Vertrauen haben”, sagte Hasebrink. “Die Einstellungen werden also extremer. Es gibt die, die sagen, die Medien schreibe ich ab. Während die anderen sagen, gemessen an dem, was in sozialen Medien rumgeistert, ist das, was in journalistischen Medien steht, das einzige, woran ich mich noch orientieren kann.”

(APA)

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