Der letzte Sommer der Reichen – Trailer und Kritik

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Der letzte Sommer der Reichen
Der letzte Sommer der Reichen - © Der letzte Sommer der Reichen
Überzeugen konnte Peter Kerns Kritik der Oberschicht nicht. Bei der 65. Berlinale hat am Samstagabend der Film “Der letzte Sommer der Reichen”, bei dem der Österreicher Regie führte, in der Reihe Panorama seine Premiere gefeiert.

Anders denn als Parabel lässt sich der Film nicht sehen. Zu überzeichnet erscheint die Geschichte der jungen Konzernherrin Hanna von Stezewitz (Amira Casar) mitunter, einer kaltblütigen Frau, mit Vorliebe für Lack und Leder, die buchstäblich über Leichen geht. Zuletzt steht ihr, die sowohl in der Wirtschaft wie der Politik Wiens Fäden zieht, der sieche eigene Großvater in einem niederösterreichischen Schloss im Weg.

Der letzte Sommer der Reichen – Die Geschichte

Dass sich die exzentrische Lady in die Krankenschwester ihres Großvaters verliebt und dabei vermutlich erstmals in ihrem Leben einem Menschen verfällt, mag noch angehen, einiges andere wirkt hingegen nicht stimmig: etwa, dass diese Schwester eine bildhübsche Nonne ist oder dass sich eine Oberklassenrepräsentantin vom Format der Stezewitz in einem ordinären Straßenbordell auspeitschen lässt und sich auch ausgerechnet dort einen Killer sucht – das wirkt ein wenig so, wie sich der kleine Mann in seinen Verschwörungstheorien die große intrigante Welt vorstellt.

Sie agiert in Wirklichkeit wohl geschmeidiger und auf anderen Ebenen. Im Film wirken selbst die Damen der Gesellschaft und deren Empfänge schmalspurig und gewöhnlich. Amira Casar kann die Kälte des mächtigen und machthungrigen Scheusals nicht beängstigend genug vermitteln, auch wenn sie sich noch so nachlässig aus dem Nobelauto schält. Ihr schweigsamer Sekretär (Winfried Glatzeder) bleibt indifferent, strahlt nichts richtig aus. Einzig die schöne Nicole Gerdon als Nonne spielt einen stimmigen Charakter, bleibt geheimnisvoll und überrascht zum Schluss dennoch.

Dabei produziert die Kamera (Peter Roehsler) klinisch scharfe Einstellungen im kalten Weiß kontrastierend zu barocken Bildern ebenso wie eigenwillige Blicke auf handelnde Personen. Auch die Handlung, die gegen Ende fast “Tatort”-gleiche Pirouetten schlägt, wäre durchaus angetan, eine interessante Geschichte zu erzählen. Doch gelingt es Regisseur Peter Kern nicht, den Zuschauer zu packen und von den unterschiedlichen Milieus zu überzeugen. Vieles gerät zu plakativ. Selbst der Morgenblätterwalzer zu Sado-Maso-Szenen demaskiert sich als bewusst gesetzter Kontrast und bebildert akustisch Szenen, die nicht schockieren.

Der letzte Sommer der Reichen  – Die Kritik

In der Berlinale-Pressekonferenz gelang es Peter Kern hingegen besser, seine Reichtums-Kritik deutlich zu machen: “Das persönliche Glück ist auf der Straße der Sehnsucht gelandet”, sagte er. “Es gibt kein Glück für reiche Leute.” Um ihren Reichtum zu schützen, müssten sie eine Sicherheitsstufe einziehen, die Mafia heiße. Deshalb wäre dort letztlich stets Kriminelles im Spiel.

Gleichzeitig verlangte Kern mehr Geld für die Kultur und sprach den Burgtheaterskandal an: “Es ist eine Katastrophe, dass man den Intendanten entlassen hat”, so der Regisseur. “Man hat der Kunst das Geld weggenommen und gesagt: Arbeitet mit Fantasie.” Dabei wären Politiker nicht fähig die Probleme von heute zu lösen, “da muss erst die Kunst kommen”, deshalb solle sie vorneweg finanziert werden, um die Möglichkeit zu haben “vorzudenken”. Allerdings sei das Kino “in Mittelmäßigkeit und Mainstream angelangt, wo man meinen könnte, das Kino habe den Anspruch darauf, Teil der Kultur zu sein, aufgegeben”.

Seinen Film bezeichnete der österreichische Regisseur als Melodram, “meine Lieblingsform, die Kunst und Realität zulässt”. Schon vor zehn Jahren habe er die Idee für den “letzten Sommer der Reichen” gehabt. Ein “Letzter Sommer der Armen” werde allerdings nicht folgen, da die Armen ohnedies “viel reicher als die Reichen” seien und der Sommer der Armen schon überschritten sei, sagte Peter Kern mit Blick auf die Weltlage.

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(APA)

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