Der Kinosommer 2016: Viele Fortsetzungen, kaum Neues

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Erneuter Alien-Angriff im Sommerblockbuster "Independence Day: Wiederkehr"
Erneuter Alien-Angriff im Sommerblockbuster "Independence Day: Wiederkehr" - © Cenfox
Nach dem Rekordjahr 2015 versucht Hollywood auch heuer wieder, die Zuseher ins Kino zu locken. Problematisch erscheinen jedoch die Mittel, sprich: die Filme, womit dies erreicht werden soll. Abseits von aufgewärmter Nostalgie für Fortsetzungen von Klassikern bietet der Sommer nämlich kaum Überraschungen.

Natürlich: Wer im Arthouse- bzw. Indie-Filmsegment auf die Suche nach absolut wertvollen Werken geht, kann dort auch fündig werden. Bei großen Blockbustern dominieren jedoch zumeist Fortsetzungen, Neuinterpretationen oder Wiederbelebungen alter Klassiker.

“Findet Dorie” und “Independence Day: Wiederkehr”

Wobei “Findet Dorie” zum inoffiziellen Motto des Kinosommers passt, Erfolgsproduktionen nach längerer Zeitspanne doch noch eine Fortsetzung folgen zu lassen: 13 Jahre sind seit der liebenswerten Komödie “Findet Nemo” vergangen, dem laut Disney bisher erfolgreichsten Disney/Pixar-Film in Österreich. Getoppt wird die Wartezeit von zwei Kultfilmen der 80er- und 90er-Jahre: Der patriotische Spezialeffekte-Knaller “Independence Day” wird mit dem Beititel “Wiederkehr” (Ö-Start: 14.7.) von Roland Emmerich 20 Jahre später fortgesetzt, wenn auch ohne seinen damaligen Star, Will Smith.

“Ghostbusters” als Neuinterpretation

Nicht als Sequel, sondern als Neuinterpretation versteht sich indes “Ghostbusters” (5.8.), gehen für “Brautalarm”-Regisseur Paul Feig doch so famose Komikerinnen wie Melissa McCarthy und Kristen Wiig statt Bill Murray und Dan Aykroyd auf Geisterjagd. Die Skepsis unter Fans ist hier mindestens so groß wie unter Anhängern des Epos “Ben Hur”, das mehr als ein halbes Jahrhundert nach Erscheinen vom Russen Timur Bekmambetow mit u.a. Morgan Freeman wiederbelebt wird (1.9.).

Sequels spielen weniger als Vorgänger ein

Hollywood setzt aktuell verstärkt auf Nostalgie – und die Hoffnung, Zuschauer nach langer Wartezeit dementsprechend euphorisch ins Kino zu locken. Das klassische Franchise, so scheint es, zieht nämlich oftmals nicht mehr. Sequels wie “Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln”, “The Huntsman & The Ice Queen”, “Die Bestimmung – Allegiant” oder “Teenage Mutant Ninja Turtles 2” (11.8.) haben an den US-Kinokassen zuletzt deutlich weniger als ihre erfolgreichen Vorgänger eingespielt. “Das zeigt: Hollywood steckt künstlerisch fest”, urteilte der Branchenexperte Jeff Bock kürzlich im “Hollywood Reporter”, und Regiegröße Steven Spielberg legte nach: “Man kann auch bei Filmreihen künstlerische Freiheiten nehmen und Risiken eingehen. Wenn man aber nur auf Nummer sicher geht und denselben Film immer und immer wieder dreht, sagen die Zuschauer irgendwann: ‘Das ist doch nur Geldmacherei.'”

Von “Tarzan” zur “Ice Age” bis hin zu “Star Trek”

Nach dem Rekordjahr 2015 ist dieser Sommer für Hollywood also wichtiger denn je – sowohl am amerikanischen als auch am globalen Markt, wo etwa China immer wichtiger wird. Zahlreiche Kinostarts testen die mögliche Sequel-Müdigkeit der Zuschauer, vom bereits fünften “Ice Age”-Streifen “Kollision voraus!” (7.7.) über “Die Unfassbaren 2” (5.8.) bis hin zu Matt Damons Rückkehr als “Jason Bourne” (11.8.), die neueste DC-Comicverfilmung “Suicide Squad” (18.8.) und “Star Trek: Beyond” (21.7.). Dem dritten Teil der Science-Fiction-Neuauflage hat der Tod des jungen Hauptdarstellers Anton Yelchin am Wochenende eine tragische Note verliehen. Altbekanntes erzählt auch “Legend of Tarzan” (28.7.), wenn auch etwas düsterer als filmische Vorgänger und mit Austro-Export Christoph Waltz als belgischer Captain Rom.

Potential mit neuen Geschichten: “Pets”, “The BFG”

Die neuen Storys mit Blockbuster-Potenzial, die sind – wie so oft – im Familiensegment zu finden: Steven Spielberg verfilmte Roald Dahls Kinderbuch “The BFG – Big Friendly Giant” (21.7.) als fantastischen Hybrid aus Realfilm und CGI, und die Macher von “Ich – Einfach Unverbesserlich” erzählen in “Pets” (4.8.), was Haustiere treiben, wenn ihre Besitzer außer Haus sind.

Arthouse mit “High-Rise”, “Toni Erdmann” und “Wiener-Dog”

Abseits davon lohnt sich der Blick auf die Arthouse-Alternativen, von denen es diesen Sommer reichlich gibt: Ben Wheatley bringt mit “High-Rise” (8.7.) bildgewaltig den gleichnamigen dystopischen Roman von J. G. Ballard mit dem als nächsten James Bond gehandelten Briten Tom Hiddleston auf die Leinwand, Indie-Darling Greta Gerwig ist in Todd Solondz’ schwarzhumorigem Episodenfilm “Wiener-Dog” (29.7.) und eine Woche darauf in Rebecca Millers Komödie “Maggie’s Plan” (5.8.) zu bewundern. Peter Simonischek wiederum kommt zwei Monate nach der umjubelten Cannes-Premiere endlich als “Toni Erdmann” (15.7.) in der Tragikomödie von Maren Ade in die Kinos; und mit “Hotel Rock’n’Roll” (26.8.) beendet Michael Ostrowski schließlich – nach “Nacktschnecken” (2003) und “Contact High” (2009) – nicht nur die mit Michael Glawogger erdachte Trilogie zu “Sex, Drugs and Rock’n’Roll”, sondern auch den diesjährigen Kinosommer.

(APA/Red.)

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