Der dunkle Turm – Trailer und Kritik zum Film

Von Christoph Stachowetz
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Der dunkle Turm – Trailer und Kritik zum Film
Ein gleich dreifach schwieriges Unterfangen: Nicht nur handelt es sich bei “Der dunkle Turm” um eine achtbändige Saga, die mehr als 4.000 Seiten umfasst, sie stammt zudem aus der Feder des legendären Autors Stephen King. Dazu kommt ein thematisch wildes Durcheinander zahlreicher Genres, das von Horror über Western bis zu Sci-Fi reicht. Die Erwartungen der Fans sind also entsprechend.

Schon seit einigen Jahren sollte der von vielen als Kings Opus Magnum gesehene Romanzyklus auf die große Leinwand gebannt werden, nach zahlreichen Wechseln möglicher Schauspieler-Paarungen sowie Regisseuren obliegt es nun dem dänischen Filmemacher Nikolaj Arcel (“A Royal Affair”), das schwierige Unterfangen in Angriff zu nehmen.

4.250 Seiten wurden bei “Der dunkle Turm” nun auf schlanke 95 Filmminuten komprimiert, Skepsis hinsichtlich des Endproduktes wie auch Hoffnung auf eine möglichst akkurate Umsetzung wechselt dabei wohl bei Fans im gleichen Ausmaß.

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Die größte Herausforderung und zudem Grund für die Opus Magnum-Betitelung von “Der dunkle Turm” war laut Akiva Goldsman (Oscar-Gewinner für sein Skript zu “A Beautiful Mind”), einem der insgesamt vier Drehbuchautoren, die Ungezwungenheit von Kings Prosa hinsichtlich der Genre-Eingrenzungen. Während in den Romanen Elemente aus Horror, Sci-Fi, Familiendrama und Coming-of-Age gekonnt vermischt werden, bevorzugt (laut Goldsman) vor allem das US-Publikum, welches ausschlaggebend für Erfolg und Akzeptanz eines Blockbusters gilt, gerne klare Grenzen bei den Filmgattungen.

Der dunkle Turm – Die Handlung

Wie dem auch sei, der fertige Film liegt nun vor bzw. erstrahlt auf den Kinoleinwänden rund um den Globus. Alles dreht sich zunächst um den jungen New Yorker Jake Chambers (talentierter Newcomer: Tom Taylor), der beständig durch düstere und immer wiederkehrende Alpträume geplagt wird. Darin sieht er neben dem titelgebenden Bauwerk auch einen grausamen, Kinder-quälenden Mann in Schwarz (ungewohnt böse, dabei aber gewohnt einnehmend: Matthew McConaughey) und einen Revolver-schwingenden Hünen namens Roland Deschain (überzeugender Clint Eastwood-Ersatz: Idris Elba).

Natürlich stellt sich schon bald heraus, dass die Träume des Jungen eigentlich Visionen sind und Jake ein besonderes Merkmal aufweist, welches den Mann in Schwarz dazu veranlagt, sich auf die Jagd nach dem 11-Jährigen zu machen. Per Zufall gelingt Jake jedoch die Flucht über ein Portal in eine andere Welt, wo sich sein Weg mit jenem des legendären “Gunslingers” Deschain kreuzt. Ein Kampf um die Zukunft des Universums und gegen das pure Böse beginnt.

Der dunkle Turm – Die Kritik

Stark behaarte Monster, die Kinder entführen, ein ungnädiger Magier, interdimensionale Reisen durch Portale und ein Revolverheld, der aus Rache von seiner Bestimmung abgekommen ist: Was eher nach der Storyline einer schrägen TV-Serie mit mehreren Staffeln klingt, findet sich hier in kurzer Abfolge wieder. Fans der Romane dürften mit den gezwungenermaßen reichhaltigen Auslassungen und inhaltlichen Kürzungen wenig Freude haben, auch diejenigen, die sich angesichts des Stephen King-Verweises auf einen gewissen Grusel-Faktor eingestellt haben, sollten die Erwartungshaltung dahingehend niedrig ansetzen.

Regisseur Arcel hat mit “Der dunkle Turm” einen überaus formelhaften Film geschaffen, der vor allem im ersten Akt angesichts der schieren Fülle an Klischees aus allen Nähten zu platzen droht: Von der Figurendarstellung bis zu deren Entwicklung wird hier nichts ausgelassen, was man nicht schon hundertfach in anderen Werken gesehen hat. Mit der Einbringung der beiden Hauptcharaktere kommt immerhin etwas frischer Wind in die Erzählung: Elbas Leinwandpräsenz gefällt, als stoische und geplagte Figur überzeugt er vor allem im späteren Filmverlauf in klassischen “fish-out-of-water”-Szenen, die etwas Humor in die sonst etwas trockene Story bringen.

Als eines der wenigen wirklich herausstechenden Highlights darf erwartungsgemäß die Perfomance von Matthew McCounaghey angeführt werden: Mit diabolischer Freude versetzt der Schauspieler sein Umfeld in Angst und Schrecken, dank seines (in der Originalfassung zumindest) überaus charmanten Dialekts ist jede seiner Szenen mit einer gewissen Sogwirkung für den Zuseher bereichert. Abseits davon wird mit “Der dunkle Turm” eine klassische Heldenreise offeriert, die wenig Neues zu bieten hat, aber zumindest soweit funktioniert, damit der Film für Fantasy-Fans mangels Genre-Alternativen im derzeitigen Kinoprogramm doch bedingt zu empfehlen ist.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Der dunkle Turm”

(Red. / Alle Bilder: Sony Pictures)

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