Der Diebeskönig ist verurteilt

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Der „König der Taschendiebe“ ist jetzt rechtskräftig zu 15 Monaten Haft, davon fünf Monate unbedingt verurteilt worden. Der 48-jährige Serbe war mit dem Titel, den ihm zahlreiche Medien nach seiner Festnahme im vergangenen August verliehen hatten, überhaupt nicht einverstanden.

„Warum soll ich der König sein? Es gibt welche, die viel besser sind als ich!“

Zu den Opfern des Langfingers zählte unter anderem die ehemalige EU-Abgeordnete der FPÖ, Daniela Raschhofer. Der 48-Jährige hatte ihr am 12. Februar 2007 in der Bundeshauptstadt unbemerkt die Brieftasche mit 50 Euro Bargeld und einer Bankomatkarte entwendet, mit der er dann 2.800 Euro behob.

„Jetzt sagen Sie mir, wie Sie es gemacht haben! Im Bistro, oder?“, erbat die Ex-Politikerin-Aufklärung. Der Angeklagte verneinte: „In der Straßenbahn. Im D-Wagen. Sie waren mit einer blonden, jungen Frau unterwegs und haben telefoniert.“ „Unglaublich! Ich bin fassungslos“, bemerkte darauf Raschhofer, um sich dann zu beschweren: „Wenn Sie mir wenigstens die Ausweise gelassen hätten!“ Da lächelte der Mann entschuldigend: „Die habe ich eh in einer Telefonzelle hinterlegt. Haben Sie die nicht bekommen?“

Kein Schwarzfahrer

Immer wieder war der 48-jährige Mann nach Österreich kommen, um hier seiner Profession nachzugehen. In der U-Bahn sei er allerdings nie auf Beutefang gegangen, versicherte er: „Da ist es zu gefährlich. Da ist mir zu viel Polizei.“ Lieber war er in Straßenbahnen unterwegs, wobei er – wie ihm Richterin Birgit Schneider anerkennend zubilligte – immer brav ein Ticket kaufte: „Wenigstens waren Sie kein Schwarzfahrer!“

Dass der Taschendieb teilweise fette Beute machte, lag nicht zuletzt daran, dass viele seiner Opfer ihren Bankomatcode in ihren Brieftaschen spazieren trugen. „Der Code war meistens da. Entweder im Original vorhanden oder auf einem Zettel aufgeschrieben“, schilderte der Mann.

Gnadengeld

Etwas turbulent wurde die Verhandlung, als eine Frau aussagen sollte, der der 48-Jährige auf diesem Weg 3.400 Euro gestohlen hatte. Die Zeugin, ebenfalls serbischer Herkunft, beschimpfte den Angeklagten minutenlang in ihrer Muttersprache und brach dann in Tränen aus: „Dreieinhalb Monate muss mein Mann dafür arbeiten!“ Der Verteidiger zückte darauf seine Börse und überreichte der aufgelösten Frau 100 Euro „als teilweise Wiedergutmachung“, wie er sich ausdrückte.

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