Deckname Holec – Trailer und Kritik zum Film

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Deckname Holec – Trailer und Kritik zum Film
Es war ein kleiner Skandal, als vor einigen Jahren “profil”-Recherchen anhand von Akten belegten, der ehemalige ORF-Fernsehdirektor, spätere Minister und Wiener Bürgermeister Helmut Zilk sei unter dem Decknamen Holec auf der Lohnliste des CSSR-Geheimdienstes gestanden. Nun hat Regisseur Franz Novotny daraus ein Spionagedrama gemacht, bei dem einiges danebengegangen ist.

Deckname Holec” führt in jeder Hinsicht um Jahrzehnte zurück. Die österreichisch-tschechische Koproduktion spielt nicht nur Mitte und Ende der 1960er-Jahre, sie wirkt auch ausstattungsmäßig und filmästhetisch wie aus jener Zeit. Für das an sich interessante Sujet der Köderung eines prominenten westlichen Lebemanns als Informant hat Novotny keinen heutigen Zugriff gefunden. Als sein eigener Drehbuchautor (gemeinsam mit Alrun Fichtenbauer und Martin Leidenfrost) vermischt er die Spionagegeschichte basierend auf einer Erzählung des tschechischen Regisseurs Jan Nemec sehr vordergründig mit der Niederschlagung des Prager Frühlings. Als Regisseur gelingt es ihm nicht, seinen holzschnittartigen Figuren Leben einzuhauchen.

Deckname Holec – Die Handlung

Alles beginnt bei Zilks legendären “Stadtgesprächen”, die 1964/65 mitten im Kalten Krieg tatsächlich in Prag gastierten und bei dortigen Bürgern Hoffnung auf einen offenen Ost-West-Dialog weckten. Der junge, regimekritische tschechische Regisseur Honza (Krystof Hadek) macht seine unmittelbar zuvor erfahrene Ablehnung durch die staatliche Kulturbürokratie in der Sendung öffentlich und provoziert einen Abbruch der Live-Übertragung. Beim anschließenden Empfang kommt Zilk (Johannes Zeiler) nicht nur mit dem Geheimdienstoffizier Nahodil (David Novotny), sondern auch mit Honzas attraktiver Freundin, der prominenten Filmschauspielerin Eva (Vica Kerekes) näher in Kontakt. Eva lässt sich auf eine Affäre ein und Zilk, auf den zu Hause eine brave Ehefrau (Eva Spreitzhofer) wartet, wird erpressbar.

Als Nachrichtenquelle ist Zilk für den tschechoslowakischen Geheimdienst die längste Zeit völlig wertlos, doch als die Truppen des Warschauer Pakts 1968 dem sozialistischen Bruderland zu Hilfe eilen und damit den Prager Frühling blutig beenden, befindet er sich plötzlich in einer Schlüsselrolle. Indem er ihm übergebenes altes Archivmaterial, in dem die Aggressoren als Befreier willkommen geheißen werden, im ORF als vermeintlich aktuelle Reportage auf Sendung bringen soll, soll die Weltöffentlichkeit getäuscht werden. Doch Honza, mittlerweile von Eva getrennt, hat die Wahrheit auf eine Filmrolle gebannt, nach Österreich geschmuggelt und hofft nun auf Zilks Integrität.

Deckname Holec – Die Kritik

Novotny, der sich mit frechen, radikalen Arbeiten wie der “Staatsoperette” (heuer als Oper von Otto M. Zykan bei den Bregenzer Festspielen), “Exit … Nur keine Panik” und “Die Ausgesperrten” in die österreichische Filmgeschichte eingeschrieben hat, lässt seinen Film eine erstaunliche und befremdliche Biederkeit atmen. Dick legt sich der Staub der Geschichte auf das Geschehen, das kaum Eigenleben und Dynamik entwickelt. Liebe und Leidenschaft, persönliche Naivität, künstlerische Integrität und revolutionärer Kampfgeist, alles eigentlich wichtige Zutaten des gewählten Stoffes, bleiben reine Behauptung und vermitteln sich nicht. Dass Zilk und die österreichischen Behörden, angeführt von Zilks Freund, dem Polizeipräsidenten (Heribert Sasse), nicht ganz so dumm sind wie lange suggeriert wird, ist dann die erwartbare Schlusspointe eines enttäuschenden Films.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Deckname Holec”

(APA)

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