Debütanten von damals erinnern sich: “Alle haben gestrahlt”

Der Opernball findet heuer am 4. Februar statt
Der Opernball findet heuer am 4. Februar statt - © APA/GEORG HOCHMUTH
Der Glanz, das prunkvolle Ambiente und die traditionelle und schöne Musik mag auf den Bällen inzwischen ein wenig alltäglich geworden sein, beim ersten Opernball nach dem Zweiten Weltkrieg läuteten sie das Ende der schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre ein.

“Alle haben gestrahlt”, erinnerte sich Gerda Kastner, die 1956 debütiert hat, im Gespräch mit der APA. Kastner, die aus der Steiermark nach Wien zum Studieren gezogen war, hatte sich eigentlich auf gut Glück gemeinsam mit ihrem Tanzpartner beim ersten Opernball in Wien beworben.

“Walzer konnten wir nicht gut tanzen”

“Wir haben es in der Zeitung gelesen und gedacht, dort müssen wir hin”, sagte sie. Tatsächlich wurde sie von der damaligen Organisatorin Christl Schönfeldt auch sofort ausgewählt und bekam einen prominenten Platz in der zweiten Reihe. “Walzer konnten wir nicht gut tanzen, aber wir waren sehr groß. Vielleicht hat das den Ausschlag gegeben”, erzählte Kastner. Vor dem Ball musste sie aber noch extra Walzerstunden nehmen.

Der Tag selbst war frostig. “Es hatte minus 26 Graf”, sagte die ehemalige Debütantin. In der Oper war davon freilich nichts zu merken. “Es war eine sehr fröhliche Stimmung. Beim Galopp habe ich einen Mann versehentlich gerempelt, aber anstatt sich zu beschweren, sagte er: Ist ja gut, Herzerl.” Um 4.30 Uhr machte eine Freundin dann eine leere Loge aus, die ihre Clique sogleich übernahm. “Der Kellner kam und sagte, dass diese Loge aber einem Herrn Generaldirektor gehört, aber meine Freundin sagte einfach: Das ist in Ordnung, ich bin seine Tochter”, erzählte Kastner. Und obwohl der Kellner wusste, dass dies nicht stimmte, machte er mit. “Wir haben dann eine Flasche Wein aufgemacht, den Stoppelzieher habe ich bis heute.”

Erinnerungen an den ersten Opernball

Jürgen Leyerer hat ebenfalls beim ersten Ball debütiert. Damals ging es offenbar ein wenig strenger zu als heute. Der damalige Tanzlehrer Willy Elmayer “hat absolut Respekt ausgestrahlt. Er war ja auch Rittmeister”, erzählte sich Leyerer. In Erinnerung ist ihm auch der Opernball-Frack geblieben. “Es war ein eher unangenehmes Gefühl”, schmunzelte der ehemalige Debütant. Dennoch war der Ball wohl auch für Leyerer besonders: Noch immer hat er ein Foto von einer damaligen Illustrierten, das ihn mit seiner ehemaligen Tanzpartnerin zeigt. “Nur weiß ich leider absolut nicht mehr, wer das war. Wir hatten nach dem Ball keinen Kontakt mehr.”

Tatsächlich haben Medien schon damals über den Wiener Opernball berichtet. “Ich habe am nächsten Tag alle meine Freunde in meine Bude eingeladen, und wir haben gemeinsam die Zeitungen durchgeschaut”, sagte Kastner. Auch in den Wochenschauen liefen Aufnahmen vom Opernball. “Wir haben Stunden in den Kinos verbracht und sie uns immer und immer wieder angesehen.”

“Es hat sich schon verändert”

Geblieben sind die Debütanten damals übrigens bis zum “Brüderlein fein”. Das ist das Lied, das noch heutzutage das Ballende ankündigt. “Meine Krone drückte mich zwar nach einiger Zeit, aber niemals hätte ich sie abgenommen”, sagte Kastner. Die beiden besuchten am Mittwochabend auf Einladung der Staatsoper die Generalprobe der Opernball-Eröffnung. “Es hat sich schon verändert, aber prinzipiell ist es das Gleiche”, stellte Leyerer fest.

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(APA)

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