Das Leben ist keine Generalprobe – Trailer und Kritik zum Film

Das Leben ist keine Generalprobe – Trailer und Kritik zum Film
Der unermüdliche Kampf gegen die Finanzmarktaufsicht machte den Waldviertler Schuhproduzenten “Heini” Staudinger bekannt. Regisseurin Nicole Scherg hat ihn mehrere Jahre begleitet und ihren ersten Kinofilm über den charismatischen Schuh-“Prediger” gedreht.

Der Finanzrebell wird nun zum Leinwandhelden: Morgen, Mittwoch, feiert “Das Leben ist keine Generalprobe” in Schrems Premiere.

Das Leben ist keine Generalprobe – Geschichte

Viele Filmszenen zeigen die beschwerliche Herstellung der Schuhe per Hand. Staudinger erzählt im Film wortreich über seinen Kampf gegen die chinesische Schuhindustrie mit ihren Niedriglöhnen und warum gerade seine Schuhfabrik in Schrems und die dazugehörenden GEA-Geschäfte überlebt haben. Das Waldviertel gilt als eine der strukturschwächsten Regionen Österreichs. Hohe Löhne zahlt auch die “Waldviertler” Schuhwerkstätte nicht, dafür gibt es ein kollegiales Betriebsklima, eine gute Firmenkantine und kostenlose Weiterbildung.

Die Dokumentarfilmerin Scherg hat bisher bei einigen Filmen der Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion mitgearbeitet, unter anderem bei “Unser tägliches Brot”, “Mein halbes Leben” und “Der Räuber”. Sie hat Dokumentarfilm mit Schwerpunkt Regie und Stoffentwicklung an der Filmschule ZeLIG in Bozen studiert und lebt seit 2005 in Wien.

Scherg bleibt immer sehr nahe an ihrem Hauptprotagonisten und begleitet ihn unter anderem zu einem Vortrag bei der Herbsttagung der Primärbanken in Salzburg, zu einer Diskussionsveranstaltung mit Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und dem damaligen EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier und zur Eröffnung einer GEA-Filiale in Liezen (Steiermark). Staudinger nützt diese Gelegenheiten gerne, um Brandreden gegen das Bankensystem oder die chinesische Schuhindustrie zu halten. Länger zu Wort kommt in der Doku auch die zweite Geschäftsführerin und Staudingers Lebensgefährtin Sylvia Kislinger. Beide reisen im Film auch gemeinsam nach Tansania, um ein Textil-und Sozialprojekt zu besuchen.

Das Leben ist keine Generalprobe – Kritik

Nach mehreren erfolglosen Studienversuchen startete Staudinger eigentlich als Schuhhändler und eröffnete im Jahr 1980 mit 27 Jahren seinen ersten Laden für Öko-Schuhe in Wien. 1991 beteiligte er sich an der selbstverwalteten Waldviertler Schuhwerkstatt – die damals in der Krise steckte – und übernahm sie 1994 komplett. Seitdem führt er die Werkstätte als Alleineigentümer und produziert heute neben Schuhen, Möbeln, Naturmatratzen und Taschen auch Accessoires. Seit der Wirtschaftskrise 2008 ist das Unternehmen auf starken Wachstumskurs, wie der Firmenchef im Film erzählt. Der Umsatz hat sich seitdem auf 31 Mio. Euro im Jahr 2015 verdreifacht. Nachhaltigkeit und Regionalität ist in Zeiten der Krise in Mode.

Hauptursache für den Umsatzsprung war der Rechtsstreit mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) ab 2012. Das starke Medienecho darauf lieferte “Gratis-Werbung” für “Waldviertler” und GEA. Staudinger lieh sich von Freunden und Fans mehrere Millionen Euro für seine Schuhwerkstätte und ignorierte die FMA-Verwaltungsstrafen wegen illegaler Bankgeschäfte.

Zu Filmbeginn schwimmt Staudinger in einem idyllischen Teich irgendwo im Waldviertel und liefert dabei eine witzig-skurrile Szene ab. Den Ort des Badeteiches würde er auch Bill Gates nicht verraten: “Die Moral aus der Geschichte: Es gibt Freuden, wo Milliardäre haben den Zugang nicht”, sagt er spitzbübisch und lacht dabei schelmisch. Nur an wenigen Stellen im Film wird es aber richtig persönlich: “Hast du Angst vorm Sterben?”, fragt die Dokumentarfilmerin Staudinger einmal aus dem Off.

Für Fans der Schuhmarke “Waldviertler” wirft der Film sicherlich interessante Blicke hinter die Kulissen der Kult-Werkstätte und zeigt Möglichkeiten und Probleme des “ethischen Wirtschaftens” auf. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Alleineigentümer und Firmenlenker Staudinger findet im Film aber nicht statt. Weder Weggefährten und Freunde noch Mitbewerber kommen im Film länger zu Wort, mit Ausnahme von Kislinger und dem Chefredakteur des hauseigenen Firmenmagazins brennstoff.

Staudinger tourt mit seinem Film ab morgen durch Österreichs Kinos. 18 Kinostopps in Anwesenheit des Protagonisten sind bis 18. April geplant, darunter in Wien, Innsbruck, Salzburg, Liezen und Zwettl. “Das Leben ist keine Generalprobe” startet regulär am 8. April in den österreichischen Kinos.

(APA)

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