Dark Star – HR Gigers Welt – Trailer und Kritik

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Dark Star - HR Gigers Welt
Dark Star - HR Gigers Welt - © Dark Star - HR Gigers Welt
Der Schweizer Künstler H.R. Giger erschuf Wesen, die Urängste wecken. Kurz vor seinem Tod im Mai hat Belinda Sallin mit dem Dokumentarfilm “Dark Star – HR Gigers Welt” das letzte Zeugnis eines außergewöhnlichen Künstlers gedreht.

Am Freitag startet “Dark Star – HR Gigers Welt” in den österreichischen Kinos. Es ist helllichter Tag in einem gutbürgerlichen Quartier in Zürich. Vogelgezwitscher ist zu hören, die Kamera schweift über Bäume und Hecken, bis sie bei einer dunklen, alten Haustür hängen bleibt. Wie von Geisterhand öffnet sich die Tür, die Laute der Tiere verstummen, bedrohliche Musik unterlegt die gespenstische Szene. Düstere Fabelwesen lauern hinter der Tür.

Dark Star – HR Gigers Welt  – Die Geschichte

Hansruedi Gigers Zuhause ist viel mehr als nur ein Heim: Es ist ein Universum. Schwarze Wände, über und über verziert mit Bildern und Plakaten des Künstlers. Skulpturen in allen Größen, und Materialien, aus denen Wesen entstehen sollen. Unweigerlich taucht man ein in diese Welt, sich deren Faszination zu entziehen, ist unmöglich. “Wer war HR Giger?” Nicht weniger als diese große Frage wirft Regisseurin Belinda Sallin in ihrem Dokumentarfilm “Dark Star – HR Gigers Welt” auf. Der Film feierte am 10. Zurich Film Festival Premiere, jedoch ohne den Hauptdarsteller. Der gebürtige Churer starb vergangenen Mai im Alter von 74 Jahren.

Giger, seit seinem Oscar für die Filmfigur “Alien” weltberühmt, war Zeit seines Lebens von vielen Vertretern der Kunstszene skeptisch beargwöhnt worden. Seine Werke thematisieren die Geburt, Sexualität, den Tod, sie sind oftmals erotisch und sadistisch aufgeladen: Da sind Frauen, in deren Vagina riesige Schläuche oder Stäbe führen, oder Wesen, die mehr Monster und Maschine zugleich sind.

Ähnlich seiner Katze – die, im Gegensatz zum ausnahmslos schwarz gekleideten Künstler, weiß ist – scheint Giger im Alter ein Teil seines eigenen Hauses geworden zu sein. Er taucht plötzlich hinter einer Ecke auf, erscheint lautlos in einer Tür. Der Künstler, seine Weggefährten, Ehefrau Carmen Maria Giger und ehemalige Partnerinnen, versuchen, die düstere Kunst und deren Motive zu ergründen. Giger selbst sagt in einer historischen Filmaufnahme, er bringe Träume, die ihm Angst machen, auf Papier und nehme ihnen so die Bedrohlichkeit.

Dark Star – HR Gigers Welt – Die Kritik

Carmen Maria Giger bezeichnet Giger als “Reporter der Dunkelheit in uns”. “Was wir alle fliehen, ist sein Zuhause: das Unheimliche”, sagt Kurator Andreas Hirsch. “Er thematisiert Dinge, an die wir kaum zu denken wagen. Er ist ein Visionär”, findet der Psychiater Stanislav Grof. Das “unverarbeitete Trauma der Geburt” nennt Grof als Beispiel: In Gigers Garten steht eine Geisterbahn, auf der man zwischen weiblichen Beinen hindurch in einen blutigen Tunnel gelangt, wo am Ende Föten warten.

Bei seinen Fans genoss Giger Kultstatus, wie eine Schlüsselszene des Films zeigt: An einer Vernissage bitten Fans aus allen Herren Ländern den “Meister”, wie sie ihn nennen, um eine Unterschrift. Tätowierte und gepiercte Männer brechen in Tränen aus vor dem alten, gebrechlichen Mann. Ebenso wie Giger in seiner Kunst spielt die Regisseurin im Film mit der Furcht des Betrachters. Musik unterstreicht die Wirkung der Filmaufnahmen und kreiert düstere Stimmungen.

Sallin erzählt von Gigers Werdegang, seiner Familie, seinem Privatleben. Allerdings bleibt einiges auch im Dunkeln, gerade was die Motive des Künstlers betrifft. Das mag daran liegen, dass Giger zum Zeitpunkt des Filmdrehs bereits gesundheitlich angeschlagen war und nicht mehr so über seine Kunst zu sprechen vermochte oder wollte, wie er es vielleicht noch vor zehn Jahren getan hätte. Als hätte er geahnt, dass sein Leben sich zu Ende neigt, sagt der Künstler im Film er habe “alles gemacht, was ich machen wollte. Ich bin zufrieden mit mir”.

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(APA)

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