Damen-RTL bei Weltcupstart mit reduziertem Favoritenkreis

Anna Veith wird nicht an den Start gehen
Anna Veith wird nicht an den Start gehen - © APA
Mit reduziertem Favoritenkreis geht das erste Weltcup-Rennen der Olympia-Saison 2017/18 in Szene. Angeführt von Vorjahressiegerin Lara Gut fehlen beim Damen-Riesentorlauf am Samstag in Sölden viele Spitzenfahrerinnen, auch Österreich muss seine drei Besten vorgeben. Top-Favoritinnen sind somit US-Gesamtsiegerin Mikaela Shiffrin, Weltmeisterin Tessa Worley und die Italienerinnen.

Hauptsächlich Verletzungen haben dazu geführt, dass mit Gut, der Italienerin Federica Brignone, Eva-Maria Brem, Michaela Kirchgasser, Anna Veith usw. eine erkleckliche Zahl an Spitzen-Riesentorläuferinnen beim Saisonstart noch nicht am Start steht. Das hat sogar US-Speed-Star Lindsey Vonn motiviert, kurzfristig nach Sölden zu kommen und auf 3.000 Meter Seehöhe erstmals seit fast zwei Jahren wieder an einem Riesentorlauf teilzunehmen.

Trotz der vielen Absenzen sollten die Favoritenrollen vergeben sein, wenn am Samstag (10.00/13.00 MESZ, live ORF 1) die Damen bei der Saisoneröffnung erstmals den Rennhang auf dem Rettenbachferner und damit auch die neue, künstliche Welle beim Übergang ins letzte Flachstück testen. Ein Zieleinlauf wie zuletzt bei der WM vergangenen Februar in St. Moritz wäre keine Überraschung. Dort siegte Worley vor Shiffrin und der Italienerin Sofia Goggia. “Pushen, pushen, pushen”, verriet die französische Weltmeisterin, wie sie erstmals in Sölden gewinnen möchte.

Im ÖSV-Damenlager konnte man wegen der Ausfälle auf eine interne Ausscheidung verzichten. Nominiert wurden neun Starterinnen, Podestfahrerin ist keine dabei.

Selbst Slalom-Spezialistin Carmen Thalmann kann nach dem vor einem Jahr erlittenen Kreuzbandriss ihr Comeback im Riesentorlauf geben, obwohl sie in dieser Disziplin noch keine Top-Ten-Platzierung geschafft hat. “Das war so nicht geplant. Ich habe wegen der Verletzungen diesen Startplatz ergattert, versuche es aber als Chance zu sehen”, sagte die Kärntnerin.

Größte ÖSV-Hoffnungsträgerin ist am Samstag daher nach wie vor Stephanie Brunner. Die Tirolerin war vergangenen Winter in Sölden Überraschungs-Vierte und insgesamt eine der jungen ÖSV-Aufsteigerinnen. Die risikofreudige Head-Fahrerin musste aber auch einige Rückschläge hinnehmen.

Doch die 23-jährige WM-Fünfte ist überzeugt, einen entscheidenden Schritt gemacht zu haben. Brunner ist körperlich stärker geworden, hat an ihrer Rennlinie getüftelt und im Training phasenweise Risiko reduziert, um ein Rezept gegen ihre vielen Ausfälle zu finden.

Und sie hat in der Vorbereitung viel mit den ÖSV-Herren trainiert. Nicht ganz geplant, aber dafür erfolgreich. “Wegen der vielen Verletzungen bei uns war ich irgendwann alleine in meiner Gruppe, also bin ich bei den Herren mitgefahren”, erklärte Brunner. Ihre Erkenntnisse: “Man lernt viel über die Rennlinie und Aggressivität.”

Zum Vergleich in den Trainingsläufen wollte Brunner schmunzelnd nur so viel festgehalten wissen. “Ich war nicht die Letzte am Berg.” Viel mehr wollte sie nicht verraten. “Außer, dass Manuel Feller sauschnell war. Für mich ist er sogar einer der Sölden-Favoriten am Sonntag.”

Dass sie selbst derzeit Nummer eins im ÖSV-RTL-Team ist, sei keine Belastung, betonte Brunner. “Das war ich vergangenes Jahr auch schon, es beflügelt nicht und hemmt auch nicht. Ich versuche, damit möglichst unkompliziert umzugehen.”

Den Vorjahreserfolg zu wiederholen, werde freilich schwierig. “Damals ist mir hier alles aufgegangen. Aber Sölden ist immer speziell und dass das Feld ausgedünnt ist, hilft nichts. Denn es sind dann trotzdem immer irgendwelche No-Names auf dem Schirm”, weiß die Tirolerin, die dennoch auf ihren ersten Podestplatz ebenso hofft wie auf die Rückkehr der Routiniers.

“Wenn es diesmal bei mir in die Hose geht, war es auch nur ein Rennen. Ich wünsche mir, dass Anna und Eva schnellstmöglich wieder zurückkommen”, sagte Brunner. “Sie wissen, wie Siegen geht und wir Junge brauchen einfach Zugpferde.”

Die von Brem angesprochene Anna Veith ist nach ihrer zweiten Knie-Operation wieder auf einem sehr guten Weg und stellte sich als Zaungast in Sölden mit einem wichtigen Tipp ein. “Das Rennen hier gewinnt man oben und unten, nicht im Steilhang”, weiß die Olympiasiegerin und Dreifach-Weltmeisterin aus eigener Erfahrung.

ÖSV-Damenchef Jürgen Kriechbaum ist bewusst, dass er bis auf Brunner eher keine Fahrerin mit Podestchancen am Start hat. “Aber einige sind mittlerweile doch einigermaßen routiniert”, sprach der Coach etwa Ricarda Haaser, Bernadette Schild, Elisabeth Kappaurer oder Katharina Truppe an.

Allerdings mussten auch Haaser und Kappaurer im Sommer wochenlang pausieren. Kriechbaums Einstellung für Samstag: “Egal. Es gilt den Blick nach vorne zu richten und zu attackieren. Wenn zwei Läufe aufgehen, ist einiges drin.”

(APA)

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