1. Februar 2012 14:16; Akt.: 1.02.2012 14:51

Dame, König, As, Spion

Dame, König, As, Spion
Wenn von Agententhrillern die Rede ist, stehen dahinter mittlerweile meist spektakulärer Actionspektakel. Die Fahne des ruhigen literarischen Psychogramms, des Schachspiels des Geheimdienstlebens hält hingegen unverdrossen Altmeister John le Carre in die Höhe.

Sein Klassiker “Dame, König, As, Spion” kommt nun erstmals auf die große Leinwand – mit Starbesetzung und im 70er-Retrolook. Eine Hommage an die Hochzeit des Spionagefilms, ein in aller Lakonie fulminantes Meisterwerk, das mit drei Oscar-Nominierungen bedacht wurde (darunter für Hauptdarsteller Gary Oldman). Ab Donnerstag (2. Februar) im Kino.

Der zwangspensionierte Agent George Smiley (Oldman) wird von der Politik wieder aus dem Ruhestand zurückbeordert, da man an der Spitze des britischen Auslandsgeheimdienstes einen Maulwurf des KGB vermutet. Smiley soll ihn gemeinsam mit dem jungen Kollegen Peter Guillam (Benedict Cumberbatch) entlarven. Die fünf Mitglieder der Führungsspitze des Geheimdienstes (darunter Oscar-Preisträger Colin Firth) geraten in Smileys Visier. Doch der Maulwurf kämpft gegen seine Aufdeckung.

Wie bei Autor le Carre üblich, bleibt letztlich beinahe irrelevant, wer tatsächlich der Maulwurf ist – es geht um die Krebserkrankung, nicht um die einzelne Metastase. So schildert “Dame, König, As, Spion” das Agentenleben als träges, graues Gewerbe. Die Mitarbeiter des Geheimdienstes müssen um die Miete für ihre konspirativen Häuser kämpfen, sind als gealterte Bonds eher Sparkassengeschäftsführer denn Draufgänger. Dies zeigt le Carres Werk unglamourös, ohne dabei bemüht das Agentengenre desavouieren zu wollen.

Obgleich der schwedische Regisseur Tomas Alfredson bis dato nur wenig Kinoerfahrung vorweisen kann, wenn man vom Horrordrama “So finster die Nacht” (2008) absieht, gelingt es ihm, sein graues Werk in der lakonischen Coolness und stoischen Ruhe zu erzählen, die auch seinen Protagonisten Smiley kennzeichnet, den nie lachenden Agenten im Habitus des britischen Landadeligen. Alle Rückblenden und Ortswechsel dienen letztlich nur dazu, den neuen Spielort für ein Kammerspiel zu liefern.

Über weite Strecken gestaltet sich “Dame, König, As, Spion” dabei ähnlich dialogarm wie der französische Stummfilm und diesjährige Oscar-Favorit “The Artist”, ist ein Spiel der Blicke, der unbeantworteten Fragen. Unübersehbar greift Alfredson hierfür auch auf Stilmittel des Neonoir zurück. Evident finden Autofahrten vor dem Greenscreen statt, zugleich wird großartig geraucht und gesoffen. Und wenn das moderate Happy End mit der Unterlegung durch den französischen Chanson “La Mer” vollends als ironisch entlarvt wird, geschieht dies ebenso lakonisch wie der gesamte Duktus des Werks.

Nicht zuletzt ist diese passgenaue Adaption der Carre’schen Literatur für die Leinwand dem Autor selbst zu verdanken, der nicht nur als Berater, sondern auch als ausführender Produzent mit an Bord war. Zuvor hatte er sich lange einer Kinoverfilmung seines Werks verweigert, das 1979 als TV-Miniserie mit Alec Guinness populär geworden war. Sein Plazet zur aktuellen Verfilmung erweist sich nun als vollends richtige Entscheidung.

(APA)


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