CSI auf Wienerisch: Das Büro für Kriminaltechnik

BKA: Ein Kriminaltechniker untersucht eine Waffe
BKA: Ein Kriminaltechniker untersucht eine Waffe - © APA
Das Büro für Kriminaltechnik im Bundeskriminalamt untersucht pro Jahr rund 70.000 Spuren. Wie sie das machen und welche Facetten es in ihrem Job noch gibt, erklärten die Kriminaltechniker Journalisten am Freitag.

Wer wissen will, warum es nach einem Pkw-Unfall kein überzeugendes Argument ist, zu behaupten, es seien alle im Fond des Wagens gesessen, sollte sich ins Bundeskriminalamt (BK) begeben. Dort erfahren solche Verkehrssünder ziemlich schnell, dass sie mit dieser Verantwortung praktisch keine Chance haben durchzukommen. Diese Fälle zählen mittlerweile zum Alltag für das Büro für Kriminaltechnik im BK, und dessen Mitarbeiter können in der Regel nachweisen, wer gefahren ist.

Licht in das tatsächliche Geschehen eines Unfalls zu bringen, wenn die Beteiligten widersprüchliche und teils absurde Angaben machen, ist nur ein Teil der Aufgaben für Kriminaltechniker. Jährlich werden 70.000 Spuren im Büro für Kriminaltechnik analysiert, sagte Andrea Raninger, stellvertretende Direktorin des BK und zuständige Abteilungsleiterin. Etwa die Hälfte davon sind Fingerabdrücke und ein weiteres Viertel DNA-Spuren.

Aber auch Fasern, mikroskopisch kleine Lacksplitter und vieles mehr werden untersucht. Bei Fasern wird es zum Beispiel in Sachen Unfällen, die keiner verursacht haben will, interessant. “Es gibt Spuren, die nur zum Zeitpunkt des Unfalls auftreten und nur an bestimmten Stellen”, erklärte ein Mitarbeiter der Abteilung Biologie und Mikroskopie. Die Trägheit lässt Körperteile bei einem Unglück etwa gegen die Plastikverkleidung im Auto prallen und reiben. Dabei entstehen kurzfristig an den betroffenen Stellen Verschmelzungen: Fasern der Kleidung des Betreffenden bleiben im Innenraum des Autos kleben. Wenn vier Insassen hinten gesessen sein wollen, hat derjenige, dessen Fasern sich beim Lenkerplatz finden, eher schlechte Karten.

Ein Klassiker in dieser Abteilung sind auch die Selbstentzündungen von feuchtem Heu: Für diese sind nämlich Bakterien zuständig, die sich nur bei schlechter Durchlüftung im Lagerraum bilden und selbst enorme Temperaturen entwickeln. Die Kriminaltechniker entnehmen vom Brandort Spuren, bringen diese auf einem Nährboden an und erhitzen ihn. Wenn Gewächse entstehen, war es tatsächlich eine Selbstentzündung, wenn nicht, beginnt nicht selten die Suche nach einem Brandstifter.

Die chemischen Kollegen haben vor allem mit Suchtgiftanalysen viel zu tun. Wer glaubt, dass diese Experten nur im Labor stehen, sieht sich im Gespräch eines Besseren belehrt. “Es gibt in letzter Zeit immer mehr Drogenlabors, das erfordert auch Tatortarbeit”, sagte ein Chemiker. Dabei müssen die Ermittler beim sachgemäßen Umgang mit den Chemikalien unterstützt werden oder – wenn ein Herstellungsprozess gerade läuft – die Geräte auf gefahrlose Weise abgedreht werden. In den heimischen Labors werden übrigens in erster Linie Metamphetamine hergestellt, für die es einerseits Produktionsanleitungen im Internet gibt, andererseits Zutaten legalerweise im benachbarten Ausland, zum Beispiel in Deutschland zu finden sind.

Tabletten sind sowohl für die Kriminaltechniker als auch für die Konsumenten problematisch. “Die wissen nicht, was sie einkaufen”, warnte der Experte. Entsprechend schwierig wird es auch für die Chemiker, wenn sie nicht wissen, wonach sie in einer Tablette suchen müssen. Die Analyse von Cannabisprodukten, Heroin und Kokain gehört demgegenüber zum Standard.

Im Bereich Physik ist der vielleicht spektakulärste Teil der Kriminaltechnik angesiedelt: die Untersuchung von Schusswaffen. So werden Waffen auf ihre Legalität nach den heimischen Bestimmungen geprüft, vor allem aber ballistische Expertisen erstellt. Kalaschnikows, ein Dragunow-Scharfschützengewehr oder eine Scorpion-Maschinenpistole gehören genauso zum Fundus der Bundeskriminalamtstechniker wie die schon öfters präsentierten schießenden Handys und Spazierstöcke.

Auch mit gefälschten Dokumenten beschäftigen sich die Kriminaltechniker. Vor allem aus Fernost kommen immer wieder Reisepässe in hochwertiger Qualität. Doch auch hier gibt es einen neuen Trend, weil die Originalpässe immer schwieriger zu fälschen sind: Die Täter fälschen Quellendokumente wie zum Beispiel Geburtsurkunden, bei denen es kaum Sicherheitsmerkmale gibt, und besorgen sich damit echte Pässe.

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