“Creep” via Ukulele: Amanda Palmer begeisterte Fans im WUK

Amanda Palmer begeisterte im Wiener WUK
Amanda Palmer begeisterte im Wiener WUK - © Vienna.at
Das US-Multitalent Amanda Palmer beehrte das Wiener WUK. Dort gab die Musikerin und Punk-Ikone den begeisterten Fans tiefe Einblick in ihre bisheriges, aktuelles sowie kommendes Schaffen.

Gerade in Sachen direkter Interaktion mit dem Publikum hat sich Palmer einen Namen gemacht, diesen Ruf hat sie auch in Wien mit einem ausufernden Auftritt voller Überraschungen mehr als nur verteidigt.

Die vielen Seiten der Amanda Palmer

Allein in diesem Jahr hat Palmer, Mutter eines einjährigen Sohnes gemeinsam mit Schriftsteller Neil Gaiman, ein sechs Songs umfassendes David-Bowie-Tribute, ein Folk-Album mit ihrem Vater Jack, eine wundervolle EP mit ihrem Kollegen Jason Webley (“Sketches for the Musical JIB”) und nunmehr eine reine Klavierplatte veröffentlicht, auf der sie Songs des 2012 entstandenen Bandalbums “Theatre is Evil” solo interpretiert. “Piano is Evil” hieß es dann auch im ausverkauften WUK; zu hören war jedoch weit mehr.

Radiohead + Ukulele + Palmer = Begeisterung

Mit etwas Verspätung trat Palmer gegen 20.30 Uhr, bewaffnet mit ihrer Ukulele, vor das Publikum und begrüßte ihre Wiener Fans, von denen einige bereits die Nachmittagsshow besucht hatten, mit einer famosen Version von Heintjes “Ich bau dir ein Schloss”. Bereits nach dem zweiten Stück “Map of Tasmania” sammelte die gut gelaunte Palmer Wünsche aus dem Publikum, trank aus einem Becher abgestandenes Bier, das ihr aus der ersten Reihe gereicht wurde und ließ sich von einem anderen Fan einen Witz erzählen (“Was ist der Unterschied zwischen Sex auf einem Kanu und amerikanischem Bier? Beides ist verdammt nah dran am Wasser”). Und so kam es, dass die Sängerin mit den feuerroten Haaren das Mikrofon hinter sich ließ und unverstärkt eine Ukulele-Coverversion von Radioheads “Creep” zum Besten gab. Da war das Publikum bereits nicht mehr zu halten und sang lauthals mit.

“Das wird noch eine lange Nacht!”

Nach diesem intimen, humorvollen Auftakt, setzte sich Palmer schließlich an den Flügel und spielte nicht nur kraftvolle Klavierversionen der 2012 veröffentlichten Songs “Trout Heart Replica” oder “Killing Type”, sondern erfüllte abermals auch zahlreiche Publikumswünsche, darunter das ebenfalls heuer entstandene, elf Minuten lange “A Mother’s Confession”, in dem sie sich mit ihrer Mutterschaft – herunterfallenden Babys und weiteren Pannen – auseinandersetzt. Nach dem Schlussakkord sorgte die Ohnmacht eines Fans für eine mehrminütige Unterbrechung, in der Palmer aus dem Publikum auch ein Pflaster für ihren blutigen Finger gereicht wurde, den sie sich bei der Bearbeitung der Tasten zugezogen hatte. “Wenn ihr euch schwindlig fühlt, geht bitte kurz raus, atmet frische Luft, holt euch ein kaltes Bier und kommt wieder zurück”, forderte Palmer die Fans auf, zumal ihr versichert wurde, dass es im WUK keine Sperrstunde gebe und sie nicht um 22 Uhr aufhören musste. “Das wird noch eine lange Nacht!”

Trump, Wiener Kaffeehäuser und ein Beatles-Cover

In Folge brachte der Abend nicht nur zahlreiche Kommentare über Donald Trump und Wiener Kaffeehäuser, sondern auch eine Coverversion von “Paperback Writer” von den Beatles oder eine Hommage an John Grant sowie zum Abschluss noch “Coin Operated Boy” aus der Zeit mit den “Dresden Dolls”. Dazwischen plauderte sie immer wieder mit den Fans, gab bereitwillig Auskunft über das Befinden ihres Sohns, der im Stockwerk darüber herumlaufe, ihre Ehe (“Neil hat sich beschwert, dass ich noch nie ein Liebeslied für ihn geschrieben habe”) und bat ihre Hebamme und Tourmanagerin für ein Duett auf die Bühne.

Nach drei Stunden nochmals der Griff zur Ukulele

Nach fast drei Stunden ging es dann für die Zugaben wieder zurück an die Ukulele. Während Palmers “Ukulele Anthem” kletterte sie spontan von der Bühne, bat ihr Publikum, sich auf den Boden zu setzen und spielte den Song in der Mitte des Raums furios zu Ende. Immer wieder verwies sie auf ihre Seite bei dem Crowdfunder “Patreon.com”, bei der mittlerweile fast 9.000 Menschen pro Veröffentlichung automatisch einen selbst gewählten Betrag zahlen, was Palmer die unmittelbare Veröffentlichung von Songs, Videos oder ganzen Platten ermöglicht, ohne eine Plattenfirma dazwischenzuschalten. Das bringt pro Publikation immerhin mehr als 35.000 US-Dollar, um für Musiker, Studios oder Kamerateams zu zahlen. Dafür bedankt sie sich regelmäßig mit Webcasts, Chats mit den Fans oder Backstagefotos. Der Abend in Wien ging dann ähnlich familiär im Foyer zu Ende, wo Palmer geduldig CDs signierte und für gemeinsamen Fotos mit den Fans posierte.

(APA/Red.)

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