Cloud Atlas – Trailer und Kritik zum Film

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Cloud Atlas – Trailer und Kritik zum Film
Sechs Filme von drei Regielegenden zum Preis von einem: Tom Tykwer (“Lola rennt”) und die Geschwister Wachowski (“Matrix”) haben sich zu einer künstlerischen Partnerschaft zusammengefunden und mit “Cloud Atlas” David Mitchells Monumentalroman aus 2004 verfilmt.

Sie verweben dabei sechs Jahrhunderte, Genres und nicht zuletzt Erzählstränge zu einem großen Ganzen. Dafür haben sie ein Starcast engagiert, zu dem Tom Hanks, Halle Berry, Susan Sarandon, Hugh Grant oder Hugo Weaving gehören. Bei aller Monumentalität konterkariert der Film seine ernste Botschaft aber leider immer wieder mit einer unpassend-infantilen Ironie, die in manchen Szenen an die Hobbits aus “Herr der Ringe” denken lässt. Ab Freitag (16.11.) im Kino.

“Cloud Atlas”: Zeitumspannende Menschheitsparabel in der Hobbit-Maske

 Filmisch stellt “Cloud Atlas” ein vordergründig zum Scheitern verurteiltes Unterfangen dar, verbindet er doch wie Mitchell sechs Erzählstränge über das Grundthema von Freiheit und Selbstbestimmung nicht chronologisch, sondern parallel: Im 19. Jahrhundert lernt ein Anwalt die Schrecken des Sklavenhandels kennen, 1936 muss sich ein junger Komponist gegen die alte Garde behaupten, 1973 eine Journalistin eine Atomintrige unter Lebensgefahr enthüllen, 2012 ein Verleger versuchen, aus dem Altersheim zu entkommen, 2144 eine geklonte Kellnerin ihre Gesellschaft transformieren und 2346 eine retardierte Gesellschaft mit einer überlegenen Gemeinschaft ein Auslangen finden.

Einen losen Konnex bilden die Figuren der Einzelstränge, die durch Namen, Muttermale oder Tagebücher und Filme miteinander verbunden sind. Zur Homogenität in diesem Genremix trägt auch die Verwendung derselben Schauspieler in allen Episoden bei. Zugleich eröffnet sich der Erzählung somit eine weitere Bedeutungsebene als Schilderung der Menschheitsgeschichte als stete Abfolge des Gleichen. Alles ist miteinander verbunden, jede Handlung hat Konsequenzen, so der bisweilen pathetische, bisweilen esoterische, bisweilen mitreißende Subtext.

Zugleich wird durch die geschlechter-, alters- und hautfarbenübergreifende Masken das natürliche Spiel der Schauspieler immer wieder behindert. Hanks ist mal verklemmter Wissenschafter, Prolo-Autor und dann wieder Urzeitmensch. Weaving spielt wie als Mr. Smith aus “Matrix” einen Killer und dann wieder eine fiese Oberschwester. Die Figuren geraten so streckenweise zur humoristischen Fantasykarikatur – ein Färbung, die im Kompendium aus Drama, Science-Fiction, Thriller, Liebesgeschichte, Historienepos, Komödie und Endzeitstory eigentlich keinen Platz hat.

Inszeniert haben die drei Regisseure Tykwer sowie Lana (früher Larry) und Andy Wachowski in einer für sie ungewöhnlich unaufgeregten Bildsprache und Ausleuchtung, wobei der 100 Mio. US-Dollar teure “Cloud Atlas” überwiegend im Studio Babelsberg in Potsdam gedreht wurde. Am Ende stehen 172 Minuten Weltphilosophie, auf die sich der Zuschauer dann einlassen kann, wenn er über das Gesicht so manches Protagonisten hinwegsehen kann.

(APA)

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