Chucks – Trailer und Kritik zum Film

Chucks – Trailer und Kritik zum Film
Unangepasst, rothaarig, widerborstig – das ist Mae (eigentlich “Maeva, das sagt aber niemand”). Sie ist die Hauptfigur des 2012 erschienenen Romans “Chucks” von Cornelia Travnicek.

Nun kommt Mae auf die Kinoleinwand. Die Verfilmung von Sabine Hiebler und Gerhard Ertl, die bei ihrer Weltpremiere beim Filmfestival Montreal mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, startet am 25.9. in Österreich.

Chucks – Die Geschichte

“Wenn ich mit einer Figur der zeitgenössischen Literatur in einem Lift stecken bleiben möchte, dann mit Mae. Ob ich heil aus dem Lift kommen würde, weiß ich nicht, aber das wär’s wert.” Mit dieser prägnanten Aussage des Autors Clemens J. Setz wird weiterhin geworben. Auf die Mae der 23-jährigen Niederösterreicherin Anna Posch, die bei Elfriede Ott Schauspiel studierte und bisher in Filmen von Michi Riebl und Peter Kern mitwirkte, trifft das wohl kaum zu. Ihre Mae kann zwar durchaus grantig und abweisend sein, aber auch verträumt, neugierig, zärtlich und liebenswert. Gefährlich ist sie nie.

Das ist überaus fein gespielt und qualifiziert Posch für eine weitere Film-Karriere. Im Verein mit einem sich bei angesagten Protagonisten der Wiener Musikszene – von Clara Luzia über Bilderbuch bis zu Soap & Skin – bedienenden Soundtrack wird aus der rauen Coming-of-Age-Geschichte jedoch eine Romanze, die den Debütroman Travniceks (die selbst in zwei Cameo-Auftritten durch das Bild huscht) unnötig mit “Love Story”-Rührseligkeit mischt.

Doch Anna Posch ist nicht Ali MacGraw, und Markus Subramaniam ist nicht Ryan O’Neal – und so wird den Schmalztöpfen immer wieder im letzten Moment ausgewichen. Der am Landestheater Linz engagierte Deutsche Subramaniam spielt den sanften Fotografen Paul, der Mae im Aidshilfe-Haus über den Weg läuft, wo sie gemeinnützige Arbeit leistet, um dem Frauenknast zu entgehen. Im Buch landet Mae wegen Körperverletzung vor Gericht, im Film wird sie beim Sprayen geschnappt.

Chucks – Die Kritik

Paul hat nicht nur Aids, sondern auch Hepatitis C. “Doppeljackpot.” Der Ausbruch seiner Krankheit setzt die Beziehung der beiden der denkbar größten Belastungsprobe aus. Doch mit dem Tod hat Mae Erfahrung: Die titelgebenden Marken-Turnschuhe hat sie von ihrem an Krebs gestorbenen Bruder übernommen.

Sein Spielfilmdebüt feierte das oberösterreichische Duo Sabine Hiebler (geb. 1963) und Gerhard Ertl (geb. 1959) 2002 mit “NOGO”, einem Film, der drei junge Paare an einer Tankstelle am Arsch der Welt stranden lässt. In “Anfang 80” (2011) entdeckten Karl Merkatz und Christine Ostermayer in der letzten Lebensphase die Liebe neu. Mit “Chucks” sind Hiebler/Ertl bei den Themen Liebe und Tod geblieben, aber nun wieder zur jungen Generation zurückgekehrt.

In einem schönen Rhythmus zwischen Nervosität und Ruhe (Kamera: Wolfgang Thaler, Schnitt: Roland Stöttinger) erzählt der Film vom zeitgenössischen Leben in der großen Stadt, von der Vielfalt an Lebensstilen (wunderbare Gegenpole sind dabei Susi Stach als am Leben zerbrochene Mutter und Stefanie Reinsperger und Thomas Schubert als Maes WG-Mitbewohner). Dass der Film dabei um einiges mainstreamiger daherkommt als der Roman, ist wohl dem Genre geschuldet. Man will neben den Turnschuhträgern ja doch auch die einen oder anderen Zuschauer, die Geox, Pumps oder Crocs tragen. Sie seien “Chucks” von Herzen gegönnt.

(APA)

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