Christina Stürmer im Interview: Neue Lockerheit und Zukunft mit Baby

Sängerin Christina Stürmer im Gespräch.
Sängerin Christina Stürmer im Gespräch. - © APA
Werdende Mama, und neues Album in petto: Christina Stürmer hat Grund zur Freude. Nicht nur ist vor kurzem mit “Seite an Seite” ein neues Studioalbum der Popsängerin erschienen, diesen Sommer erwartet sie zudem mit Freund und Bandkollege Oliver Varga ihr erstes Kind.

Die 33-Jährigen im Gespräch über den Songwriting-Prozess, eine neu entdeckte Lockerheit und das künftige Musikerleben mit Baby.

Wie sehr hat Ihre Schwangerschaft das Album beeinflusst?

Wir arbeiten an dem Album eigentlich seit zweieinhalb Jahren, haben Songs geschrieben und sind kreativ gewesen. Die 13 Lieder, die jetzt drauf sind, waren eigentlich fertig geschrieben, bevor ich gewusst habe, dass ich schwanger bin. Das Studio war gebucht, alles war fix eingeplant – und dann habe ich erfahren: Ich bin schwanger. Natürlich überlegt man kurz, ob es Sinn macht, das alles in das Jahr 2016 zu packen. Aber die Schwangerschaft hat man nicht mehr verschieben können (lacht). Und auch das Album war mehr oder weniger fertig. Wir wollten es dann unbedingt rausbringen, was wir jetzt getan haben.

Hat sich durch die Schwangerschaft im Studio Ihre Sicht auf die Songs ein bisschen gewandelt?

Es ging lustigerweise beim Singen wesentlich lockerer. Mir ist alles sehr leicht gefallen. Vielleicht auch, weil man durch die Hormone in einem Glückseligkeitsrausch ist oder so (lacht). Aber ich glaube, ich habe noch nie so wenig gesungen. Normalerweise machst du bis zu 20 Takes, aber diesesmal war alles wirklich schnell im Kasten und der Produzent war sehr zufrieden. Und der wusste gar nicht, dass ich schwanger bin. Er wollte mich also nicht schonen, sondern es war tatsächlich so gut (lacht).

Sie gehen musikalischen Ihren Weg konsequent weiter, insgesamt erscheint die Platte aber etwas melancholischer und ruhiger. Welchen Sound hatten Sie dafür im Kopf?

Stürmer: Bei diesem Album habe ich wesentlich mehr mitgeschrieben als bei den letzten. Vor dem Songwriting haben wir uns wie üblich zusammengesetzt und überlegt, in welche Richtung es gehen soll. Mir war wichtig, dass es nicht so gepresst ist. Es sollte Druck haben, mit Songs, die nach vorne gehen, aber nicht stimmlich. Dass also dieses typische Andrücken nicht da ist, sondern es sehr locker und leicht ist, was die Stimme anbelangt. Das hat dann im Studio natürlich super zur Schwangerschaft gepasst, weil ich nicht großartig herumdrücken musste. Es war mit Leichtigkeit gesungen, das war das Oberthema des ganzen Albums.

Gerade bei “Niemals mehr für immer” hört man diesen anderen stimmlichen Zugang…

Der Song ist allgemein für mich sehr besonders: Es ist mitunter einer der zerbrechlichsten, und es ist der allererste Song, den wir live aufgenommen haben. Es ist alles sehr reduziert gehalten. Bis jetzt hatten wir das übliche Aufnahmeschema: Jeder spielt und singt so oft, wie er braucht, bis es gut ist. Aber beim Live-Aufnehmen macht einer einen Fehler und der ganze Take ist sozusagen im Arsch. Das war ein riesengroßes Miteinander und hat etwas Neues reingebracht. Deswegen sticht er für mich heraus.

In vielen Stücken ist das Fliegen Thema. Ein bewusster Schritt beim Texten?

Es gibt viele Titel, die etwas damit zu tun haben – von “Tragflächen” bis “Zeppelinherz”. Das war eher unterbewusst, ich musste also nicht meine Flugangst oder Ähnliches verarbeiten (lacht). Aber ich finde, diese Wörter haben sehr viel mit einem schwerelosen Zustand zu tun oder mit Leichtigkeit. Das ist in den letzten zwei, drei Jahren für mich immer mehr zum Thema geworden: alles lockerer sehen und nicht so verbissen.

Wie schaut denn der weitere Plan für das laufende Jahr aus?

Neben TV-Auftritten gibt es am 21. Mai noch ein Konzert in Deutschland, das allerletzte für dieses Jahr. Der 1. Juni ist meine Deadline, dann ist für heuer mal Schicht im Schacht. Nichtsdestotrotz sind Oliver und ich nicht die Typen, die mehrere Jahre zuhause bleiben. Wir wollen ganz viel Zeit mit dem Kind verbringen, aber wir haben zum Glück einen super Beruf, wo man das Kind mitnehmen kann, auch im Nightliner. Kinder schlafen doch so gut auf Waschmaschinen (lacht). Dann muss eine Nanny mit, damit in den zwei Stunden, in denen wir auf der Bühne stehen, jemand da ist für das Kind. Also wird es etwa in einem Jahr im April eine Tour geben, da ist schon alles geplant.

Kann man die Intensität der vergangenen Jahre weiter durchziehen?

Es ist natürlich jetzt schwer zu planen, wenn das Kind noch nicht da ist. Ich habe so meine Wunschvorstellung. Ob das alles wirklich funktioniert, muss man erst sehen. Aber es wird sicher nicht in dem Ausmaß funktionieren, wie in den letzten Jahren. Das Schöne bei mir ist aber, dass ich die eigene Chefin bin und alles gut planen kann.

(Christoph Griessner/APA)

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