Cheibani W.: Polizist sah keine Gegenwehr

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Cheibani W. © APA
Prozess: Polizist sah keine Gegenwehr – Einvernommener Beamter will nichts von den Gefahren einer Fixierung in der Bauchlage gewusst haben – Sanitäter spricht von Menschenknäuel auf W.

Der Fall Cheibani W. war am Donnerstag weiter Thema im Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) in Wien. Im Zeugenstand war zunächst ein Polizeibeamter, der an der Amtshandlung beteiligt war, im Zuge derer der Afrikaner im Juli vergangenen Jahres unter aufklärungswürdigen Umständen zu Tode gekommen war. Er gab an, während seiner Anwesenheit bei der Festnahme des Mannes keine Gegenwehr wahrgenommen zu haben.

Über die Gefahren einer Fixierung in Bauchlage habe er in Schulungen nichts erfahren, sagte der Mann aus. Auch von der Möglichkeit einer „positionellen Asphyxie“, bei der es in dieser Position durch Sauerstoffmangel zu narkoseähnlichen Zuständen kommen kann, habe er nichts gewusst.

„Ich habe nicht auf W. geachtet“
Auf dem Video, das ein Zeuge von der Amtshandlung gedreht hat, ist der Polizist etwa einen Meter vom Kopf des bereits fixierten Afrikaners zu sehen. Schreie oder Gegenwehr habe er dennoch nicht registriert, sagte er aus: „Ich habe nicht auf W. geachtet“, vielmehr habe er sich darauf konzentriert, was seine Kollegen von ihm als Unterstützung gebraucht hätten.

Der nunmehrige Zeuge war gemeinsam mit seinem Kollegen in einer Funkstreife beim Parkring unterwegs, als per Funk Fußfesseln für die am nahe gelegenen Heumarkt stattfindende Amtshandlung angefordert wurden. Er hat Cheibani W. diese nach eigener Aussage auch angelegt.

Polizisten müssen aussagen
Weiters wurde eine Beamtin einvernommen, die ebenfalls bei der Festnahme anwesend war. Erwartet wurde zudem die Einvernahme jener sechs Polizisten, die ihre Aussage in der vorangegangenen Sitzung verweigert hatten. Der Vorsitzende der Verhandlung, Wolfgang Held, hatte ein Disziplinarverfahren gegen sie angedroht, würden die Beamten erneut keine Angaben machen.

Anrainerin hörte Beschimpfungen
Ihre akustischen Wahrnehmungen von der Festnahme von Cheibani W. schilderte eine Anrainerin, die in der Nacht durch Geschrei auf der Straße aufgewacht war. Zunächst habe sie aus dem Fenster gesehen und den Afrikaner umringt von Polizisten gesehen. Später habe sie vom Schlafzimmer aus Beschimpfungen gehört. Ein Sanitäter beschrieb die heftige Gegenwehr von W. Um ihn zu fixieren, sei ein Knäuel von Polizisten auf ihm gewesen.

Als sie aus dem Fenster gesehen habe, habe sie den Afrikaner umringt von Polizisten gesehen, er habe nervös gewirkt und die Hände in die Luft geworfen. Da sie jedoch zuerst durch das Geschrei von einem Überfall ausgegangen sei und gesehen habe, dass es dem Mann offenbar gut ginge, sei sie wieder ins Bett gegangen. Später habe sie dann vom Schlafzimmer aus mehrmals den Ausruf „fiese Sau“ wahrgenommen. Ob die Beschimpfung von einem Polizisten oder einem Sanitäter oder jemand anders getätigt wurde, konnte sie jedoch nicht sagen. Gleich danach seien kehlige Rufe zu hören gewesen. Daraufhin habe Stille geherrscht.

Sanitäter beschrieb Menschenknäuel auf W.
Die heftige Gegenwehr durch W. bei der Amtshandlung beschrieb der Sanitäter. Zunächst sei dieser gestanden, dann habe er „gebissen, gespuckt und mit den Beinen getreten“. Daraufhin sei es zu einer Rangelei mit den Polizisten gekommen, woraufhin alle zu Boden gestürzt seien. In der Folge sei W. am Kopf, an den Schultern und am Rücken fixiert worden. Der Sanitäter beschrieb ein regelrechtes Menschenknäuel auf dem Afrikaner. Noch im Liegen habe er heftige Gegenwehr geleistet, woraufhin ein Polizist eine Beruhigungsspritze verlangt habe, die der anwesende Arzt dem Festgehaltenen verabreicht habe. Danach sei es dennoch bis zum Anlegen der Fußfessel zur Gegenwehr gekommen, der Afrikaner habe sich weiter aufgebäumt, berichtete der Zeuge.

Redaktion: Claus Kramsl

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