Causa Horngacher im Endspurt

Causa Horngacher im Endspurt
Die Verhandlung am Wiener Straflandesgericht könnte am Abend zu Ende gehen. Reisegutscheine und BAWAG-Anfragen waren Thema des Verhandlungstages.

Am fünften Verhandlungstag drehte sich die Zeugenbefragung wieder um die Reisegutscheine, die der vom Dienst freigestellte 47-jährige Polizeigeneral von der BAWAG erhalten hat, sowie angeblich an ihn gerichtete Anfragen der Bank über den Leumund potenzieller Geschäftspartner. Am Mittwoch könnte das Verfahren bereits zu Ende gehen, ein mögliches Urteil würde in dem Fall am Abend gefällt.

Zunächst kamen am Mittwoch ehemalige Sekretärinnen des früheren BAWAG-Generaldirektors Helmut Elsner einvernommen im großen Schwurgerichtssaal zu Wort: Sonja U. (36), von 1994 bis 1999 und nach einer Karenzzeit bis 2000 wieder für Elsner tätig, ließ keinen Zweifel, dass der ehemalige BAWAG-Chef Horngacher auf die sogenannte Weihnachtsliste gesetzt hatte, die dem Polizeigeneral ab 2000 jeweils Reisegutscheine in beträchtlicher Höhe eingebracht hatten.

Neben Horngacher sei auch der mittlerweile pensionierte Chefinspektor und Kassier des „Vereins der Freunde der Wiener Polizei“, Adolf K. darauf gestanden. Dass die Höhe der den beiden Polizisten überlassenen Gutscheine den Wert der Präsente, die alle anderen Beschenkten erhielten, um Etliches überstieg, hatte nach den Vermutungen U.s den Grund, dass es „besonders hohe Leistungen gewesen sein“ müssten, was sie aber nicht weiter konkretisierte.

Eine weitere Sekretärin deponierte im Zeugenstand, die BAWAG habe „zwei bis drei Mal“ dem späteren Wiener Landespolizeikommandanten Roland Horngacher „persönlich“ Strafverfügungen geschickt. Auch die laut Anklage von der Bank an Horngacher gerichtete Anfrage, ob gegen den serbischen Geschäftsmann Bogoljug Karic (53) etwas vorliege, die Horngacher am 3. Juli 2005 mit einem Nein beantwortet haben soll, wurde erörtert: Wie der frühere BAWAG-Großkundenbetreuer Heinz Nohel erklärte, sei dies auf Veranlassung des damaligen BAWAG-Vorstands Peter Nakowitz getätigt worden. Er habe dabei ein ähnliches, ebenfalls an Horngacher gerichtetes Schreiben aus dem Jahr 2001 „als Vorlage genommen“, bemerkte Nohel. Horngacher soll seinerzeit versichert haben, gegen Michael Chernoy, den Mehrheitseigentümer der bulgarischen mobilTel, liege nichts vor, worauf Martin Schlaff diesem seine Anteile mit einem BAWAG-Kredit abkaufte.

Vier Jahre später ging es um die serbische Mobtel, die eine Investorengruppe um Schlaff erwerben wollte, wobei neuerlich die BAWAG diesen Deal finanzieren sollte. Horngacher hatte bestritten, im Jahr 2005 für die BAWAG Recherchen betrieben und ein Antwortschreiben verfasst zu haben. Am Dienstagnachmittag präsentierte Richter Roland Weber jedoch das Gutachten eines Schriftsachverständigen, wonach es „keinen Zweifel“ gebe, dass die Unterschrift auf dem Papier von Horngacher stamme und der Text frappant jenem aus dem Jahr 2001 gleiche.

Daraufhin wollte Horngacher jetzt nicht mehr die Urheberschaft ausschließen. „Wenn der Sachverständige sagt, es war so, …“, zuckte er – auf das Gutachten angesprochen – im Großen Schwurgerichtssaal mit den Schultern. Für die BAWAG war der „Persilschein“ für Karic jedenfalls sehr wichtig, wie der Großkundenbetreuer Nohel deutlich machte: „Es war ein Bestandteil der Auflage, die für die Erteilung des Kredits nötig war.“

Für Aufsehen sorgte Adolf K., der langjährige, seit 1996 pensionierte persönliche Beamte des jeweiligen Wiener Polizeipräsidenten, der seit 2004 auch wieder als Kassier des „Vereins der Freunde der Wiener Polizei“ fungiert. Er behauptete, der damalige BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner habe ihm im Jahr 2000 erstmals mit der Bemerkung „Einer ist für dich zum Geburtstag, einen gibst dem Horngacher!“ zwei Ruefa-Reisegutscheine in der Höhe von jeweils 20.000 Schilling übergeben. In den Folgejahren sei Horngacher immer wieder von Elsner beschenkt worden, ohne das zu ahnen, behauptete der Zeuge. Er habe Horngacher bewusst nichts von der Herkunft der Reisegutscheine gesagt: „Ich wollte ihn nicht in die Situation bringen, dass man sagt, er kriegt etwas von der BAWAG oder Elsner“.

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