Cafe Central wird 140 Jahre alt: Feier mit Events und Törtchen

Cafe Central feiert 140-Jahr-Jubiläum
Cafe Central feiert 140-Jahr-Jubiläum - © APA/PALAIS EVENTS
Das Cafe Central feiert sein 140-jähriges Bestehen. Anlässlich des runden Geburtstags will der Betreiber, das Verkehrsbüro, diese literarische Vergangenheit mit speziellen Aktionen beschwören.

“Im Jubiläumsjahr wollen wir diesen Geist wiederbeleben und den Centralisten von heute ein neues, ‘altes’ Zuhause geben”, kündigte Alfred Flammer, Geschäftsführer von Palais Events und Cafe Central, am Freitag in einer Pressekonferenz an.

Kaffee mit Gedicht bezahlen

Am Montag macht der Betrieb zum Beispiel beim “Pay with a Poem”-Tag mit. Dann kann der Kaffee mit einem Gedicht bezahlt werden. Am 30. Mai wird unter dem Motto “Centralisten 2.0” eine Art Speaker’s Corner eingerichtet, bei dem junge Literaten ihre Texte zum Besten geben. Im Herbst – nach Fertigstellung der Begegnungszone in der Herrengasse – ist außerdem ein großer Event geplant. Überdies wird im Kaffeehaus ab sofort auch ein spezielles, neu kreiertes Jubiläumstörtchen “Central Surprise” aus leichter Sandmasse mit Orangen- und Kaffeenote serviert.

Der runde Geburtstag sei auch eine Gelegenheit gewesen, “innenzuhalten und in der Geschichte zurückzugehen”, führte Flammer weiter aus. Dazu wurde eingehend recherchiert und so manch Anekdote rund um das Cafe ans Tageslicht gebracht. So hat es zum Beispiel im Central fixe Stammtische gegeben – jeder mit unumstößlichen Regeln und festgelegten Gästen. An den Tischen des Schriftstellers Peter Altenberg, der praktisch im Kaffeehaus wohnte, oder des Satirikers Karl Kraus durfte nur auf deren persönliche Einladung hin gesessen werden.

Cafe Central wird 140

Weitere bekannte Persönlichkeiten, die das Lokal besuchten waren die Schriftsteller Franz Kafka, Stefan Zweig oder Hugo von Hofmannsthal. Psychoanalytiker Sigmund Freud traf etwa jeden, bevor dieser auf seiner Couch landete, im Central.

Das im Palais Ferstel untergebrachte Cafe Central sperrte 1876 auf. In der Hochblüte ging hier nicht nur die Kulturelite ein und aus, sondern auch den Verlauf der Weltgeschichte prägende Politiker wie Adolf Hitler und Josef Stalin haben im Central zuweilen ihren Kaffee getrunken. Nach dem Ersten Weltkrieg begann der Niedergang, da zahlreiche Intellektuelle ins unweite (und heute nicht mehr existierende) Cafe Herrenhof übersiedelten – und das, obwohl 1925 anlässlich des 50. Geburtstags groß renoviert wurde. Das endgültige Aus kam 1943.

Kaffeehaus 40 Jahre lang geschlossen

Während und nach dem Krieg wurde das Palais Ferstel als Lagerraum und später gar als Basketball-Spielstätte genutzt. Schließlich erfolgte die Renovierung des Historismusbaus im Renaissancestil mit finanzieller Unterstützung des mittlerweile verstorbenen Billa-Gründers Karl Wlaschek. 1982 kam es zur Wiedereröffnung, wobei man zunächst unter dem Decknamen “Cafe im Arkadenhof” im einstigen Wintergarten Quartier bezog. 1986 siedelte das Lokal wieder dorthin, wo es ursprünglich beheimatet war – in die Säulenhalle.

2001 übernahm die Palais Events Veranstaltungen GmbH, die zur Wlaschek Privatstiftung gehört, das Palais Ferstel und das darin angesiedelte Cafe Central. Seit 2011 wird dieses vom Verkehrsbüro betrieben – ebenso die anderen zur Palais Events gehörenden Locations. Vor drei Jahren wurde das Cafe renoviert und eine neue Mehlspeisvitrine als Herzstück aufgestellt, die den Besucher gleich am Eingang empfängt.

480.000 Gäste jährlich

“Seit der Übernahme konnten wir nicht nur die Besucherzahlen, sondern auch die Umsatzzahlen steigern”, zog Verkehrsbüro-Generaldirektor Harald Nograsek Bilanz. Der Gesamtumsatz der Palais Events betrug 2015 9,6 Millionen Euro. Das ist ein Plus von 33 Prozent gegenüber 2010. Der Anteil des Cafes am Umsatz betrug 56 Prozent.

Pro Jahr besuchen mittlerweile 480.000 Gäste das Kaffeehaus, 80 Prozent sind Touristen. “Wir freuen uns, dass wir an den meisten Tagen eine Schlange haben”, so Flammer. Im Schnitt werden 1.300 Besucher täglich gezählt. Außerdem werden jährlich 300.000 Mehlspeisen serviert, 140.000 warme Gerichte und 320.000 Tassen Kaffee. Am häufigsten wird der Apfelstrudel geordert – immerhin 55.000 mal pro Jahr. Potenzial für die Zukunft sieht Flammer vor allem in der Umwandlung der Herrengasse in eine Begegnungszone – konkret für Umsatzsteigerungen. Nächstes Jahr soll auch der Schanigarten neu gestaltet werden.

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(APA)

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