Zahlen zum Flüchtlingsstrom: Busse bringen 1.000 von Nickelsdorf nach Wien

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Die Flüchtlinge werden auf ihrer Weiterreise unterstützt.
Die Flüchtlinge werden auf ihrer Weiterreise unterstützt. - © EPA
Die Einsatzkräfte arbeiten ununterbrochen an der Organisation des Flüchtlingsstroms. In Wien hat in der Nacht auf Freitag ein neues Notquartier eröffnet.

Rund 3.000 Flüchtlinge haben die Nacht auf Freitag in Wien verbracht. 550 von ihnen nächtigten nach Angaben der Polizei auf Bahnhöfen, die anderen wurden in Notquartieren untergebracht.

450 Flüchtlinge hätten die Nacht auf dem Westbahnhof verbracht, 100 weitere auf dem Hauptbahnhof, sagte Polizeisprecher Patrick Maierhofer. Der Großteil der Flüchtlinge sei in Übergangsquartieren untergebracht worden, von denen in der Bundeshauptstadt ungefähr zehn zur Verfügung stehen. Donnerstagabend war die Polizei noch davon ausgegangen, dass 900 Menschen auf dem Westbahnhof nächtigen müssten.

Das Wiener Rote Kreuz (WRK) habe in Zusammenarbeit mit Rettung und anderen Hilfsorganisationen, unter ihnen die Caritas, Notquartiere für 2.000 Menschen zur Verfügung gestellt, sagte WRK-Sprecher Alexander Tröbinger. Am Standort Stadthalle, der am Donnerstag aktiviert wurde und für 270 Flüchtlingen vorgesehen war, haben 300 Flüchtlinge genächtigt. Dort wurde das WRK, das permanent mit 100 Kräften im Einsatz ist, von 32 Kollegen aus Kärnten und Tirol unterstützt.

Neues Notquartier eröffnet

In der Nacht auf Freitag hatte ein neues Notquartier in einem Gebäude der Bundesimmobiliengesellschaft nahe der Urania eröffnet. Der gebe es Kapazitäten für bis zu 1.500 Menschen, berichtete der Flüchtlingskoordinator der Stadt, Peter Hacker, im Gespräch mit der APA. Der Fonds Soziales Wien, dessen Geschäftsführer Hacker ist, prüft derzeit zudem ein weiteres Quartier, das voraussichtlich am Nachmittag eröffnen wird. Dort können laut Hacker weitere 500 Personen untergebracht werden.

Zusätzliche Adressen werden laufend geprüft, diese sollen jedoch frühestens im Laufe der nächsten Tage zur Verfügung stehen. Teils handle es sich dabei auch um Quartiere, die eigentlich für die Grundversorgung und zur Entlastung Traiskirchens vorgesehen waren, erklärte Hacker: “Aber die Durchreise hat derzeit Priorität. Der Plan ist aber auch, auf Traiskirchen nicht zu vergessen.”

1.000 Flüchtlinge mit Bussen nach Wien

Indes wurden Freitagvormittag in Nickelsdorf Busse bereitgestellt, um Flüchtlinge nach Wien zu bringen. Man bekomme circa 1.000 Plätze, sagte Polizeisprecher Helmut Marban. Gleichzeitig bemühte man sich, für Flüchtlinge, die dies wollen, Fahrtmöglichkeiten gegen Bezahlung mit Taxis zu organisieren. Die Ostautobahn (A4) war in Fahrtrichtung Wien vorerst weiterhin gesperrt.

Sobald die Busse voll seien, würden sie abfahren, sagte Marban. In der Nacht hatte man in Nickelsdorf die Aufgabe, rund 5.000 Personen zu versorgen – rund 3.600 Menschen, die in der Nacht über die Grenze kamen sowie Flüchtlinge, die bereits am Donnerstag angekommen waren. “Das ist uns großteils gelungen”, sagte der Oberstleutnant. Die Kapazitäten zur Unterbringung seien nicht nur in Nickelsdorf ausgeweitet worden – auch in Wiesen wurden am Festivalgelände Unterbringungsmöglichkeiten für 700 Menschen geschaffen.

A4 in Richtung Wien weiter gesperrt

Auch nach Wien und Niederösterreich wurden Flüchtlinge gebracht. Rund 1.500 habe man unter dem Flugdach oder teilweise auch im Freien mit Decken unterbringen müssen. Seit 6:00 Uhr baute das Bundesheer rund 40 Großzelte auf, deren Aufstellung fast abgeschlossen sei. “Wir haben da Platz für circa 1.000 Menschen, die in den nächsten Stunden und Tagen kommen werden.”

In der Früh hätten sich schätzungsweise einige Hundert Flüchtlinge aus dem Bereich des Parkplatzes auf den Weg auf der B10 Richtung Bahnhof gemacht. “Viele haben einfach den Weg zu Fuß angetreten”, berichtete Marban. Manche suchten dabei auch den Weg auf die Autobahn. Die A4 sei in Richtung Wien immer noch gesperrt.

Das werde vorläufig auch so bleiben, weil die Polizei inzwischen auch einen anderen Plan verfolge: “Viele Leute wollten mit Taxis weg. Jetzt werden wir Taxiunternehmen organisieren beziehungsweise Ansprechpartner suchen, dass wir für Leute, die mit Taxis fahren wollen und das auch zahlen wollen, eine Zustiegsmöglichkeit schaffen.”

Auch am Wochenende kein Zugverkehr nach Ungarn

Der Zugverkehr nach Ungarn wird auch am Wochenende aufgrund von Überlastung ausgesetzt bleiben. Für Freitag sind zu den regulären Zügen sechs Garnituren vom Osten Österreichs nach Deutschland geplant. Die Deutsche Bahn hat sich bereit erklärt, diese zu übernehmen. Die Shuttlezüge von Nickelsdorf zum Wiener Westbahnhof wurden am Freitag nicht mehr geführt, sagte Bahn-Sprecher Michael Braun.

Durch diese gestern, Donnerstag, gesetzte Maßnahme habe sich die Situation auf den großen Wiener Bahnhöfen stabilisiert. Das sei wichtig, um den Bahnbetrieb aufrecht zu erhalten. Tickets nach Ungarn werden auch weiterhin nicht verkauft. Aufgrund des die Kapazitäten übersteigenden Zulaufs ersuchen die ÖBB freiwillige Helfer und Busunternehmen, keine weiteren Reisenden an die Bahnhöfe zu bringen, eine geordnete Abwicklung der aktuellen Situation kann sonst nicht mehr gewährleistet werden. Die angeführten zusätzlichen Züge werden benötigt, um den Rückstau der Reisenden von den vergangenen Tagen zu bewältigen. Außerdem wird weiterhin mit einem ungebrochen großen Zustrom gerechnet.

Bereits ein einziger überfüllter Bahnhof kann zum Erliegen des gesamten Bahnverkehrs führen, informierten die ÖBB. Die Bahn arbeite bereits den zwölften Tag mit Hochdruck daran, einen stabilen Zugverkehr aufrecht zu erhalten. Weiterhin sind alle Zugkapazitäten und die Mitarbeiterressourcen im Einsatz, die Kapazitätsgrenzen sind derzeit erreicht, so die ÖBB.

Fahrgäste können die üblichen fahrplanmäßigen Züge wie in den letzten Tagen benützen. Für Pendler und Schüler wird im Abschnitt Bruck/Leitha – Zurndorf ein Schienenersatzverkehr mit Bussen organisiert. Der Verkehr Richtung Wien aus und nach Neusiedl/See bzw. Kittsee ist davon nicht betroffen und wird planmäßig geführt.

Die ÖBB haben zusätzlich eine Informationskampagne gestartet, um auf die außergewöhnliche Situation hinzuweisen und bitten Fahrgäste um Verständnis für etwaige Beeinträchtigungen. Folder werden entlang der Weststrecke und an betroffenen Streckenabschnitten an die Fahrgäste verteilt, auch online unter www.oebb.at/menschlichkeit-faehrt-bahn sind die Informationen abrufbar.

Seit Montag 16.000 über Nickelsdorf eingereist

Diese Woche sind über den Grenzübergang Nickelsdorf im Burgenland bereits rund 16.000 Flüchtlinge eingereist. Von Montag bis einschließlich Donnerstag waren es laut Innenministerium 12.000, am Freitag kamen zwischen Mitternacht und 6.00 Uhr früh noch weitere 3.670 dazu. Nur ein kleiner Teil dieser Menschen suchte um Asyl in Österreich an. Von Montag bis Donnerstag wurden 1.141 Anträge gestellt.

Damit liege Österreich bei den Asylanträgen im Schnitt der letzten Wochen, teilte das Ministerium auf Anfrage mit.

Die Zahl der Menschen, die auf dem Weg nach Deutschland diese Woche durch Österreich durchgereist sind, dürfte aber deutlich höher sein als die in Nickelsdorf gezählten 16.000. So sind in München laut Medienberichten seit Samstag 40.000 Flüchtlinge eingetroffen.

Eine Gesamtperspektive ist laut Innenministerium schwierig, weil man nur jene registrieren könne, die die Anlaufstelle Nickelsdorf passieren. Personen, die an der Anlaufstelle vorbei einreisen, seien in diesen Zahlen nicht enthalten.

Angewandte stellt 1.200 Schlafplätze zur Verfügung

Die Universität für Angewandte Kunst Wien stellt ein Gebäude als Unterkunft für schutzsuchende Flüchtlinge zur Verfügung. “Vergangene Nacht wurden unter professioneller und engagierter Einsatzleitung des Roten Kreuzes bereits etwa 300 Frauen, Männer und Kinder beherbergt”, erklärte Rektor Gerald Bast am Freitag in einer Aussendung.

In einem zur Zeit nicht genutzten Uni-Gebäude in Wien-Landstraße werden noch im Verlauf des Vormittags weitere Betten aufgebaut und Quartiere errichtet. Schlussendlich sollen bis zu 1.200 Plätze für Menschen auf der Flucht zur Verfügung stehen. Rektor Bast dankte allen mithelfenden Mitarbeitern und Studierenden der Universität für ihre Unterstützung. “Ich freue mich, dass die Angewandte einen sinnvollen und notwendigen Beitrag leisten kann, um schnell und effizient zu helfen.”

300 warteten in Wiener Stadthalle auf Weiterreise

Die als reines Nachtquartier für Flüchtlinge gedachte Halle E der Wiener Stadthalle war auch am Freitagvormittag noch gut gefüllt. Bei der Inbetriebnahme am Donnerstagabend sollten zunächst 270 Feldbetten zur Verfügung stehen. Das Rote Kreuz (RK) stellte wegen des erhöhten Bedarfs aber weitere Schlafplätze zur Verfügung, sodass dort vorerst mehr als 300 Personen auf ihre Weiterreise warteten.

“Die Flüchtlinge hätten in der Früh mit Bussen zum nahegelegenen Westbahnhof gebracht werden sollen”, sagte ein RK-Mitarbeiter zur APA. “Es gibt aber Verzögerungen.” Den Menschen standen am Vormittag Getränke und Strom zum Aufladen ihrer Handys zur Verfügung. Einige der rund 20 anwesenden Helfer spielten mit Flüchtlingskindern auf einer Freifläche zwischen der kleinen Halle E und dem Hauptgebäude der Stadthalle Fußball.

In der Notschlafstelle sind 84 Duschen, 14 WCs und 14 Pissoirs vorhanden, die ansonsten beispielsweise bei Sportgroßveranstaltungen genutzt werden. Auch während des Songcontests war die Halle E heuer zusätzlich für Veranstaltungen belegt. Im Oktober findet dort eine kleine Mineralienmesse statt.

Sachspenden würden bei der Stadthalle “nicht im großen Stil benötigt”, betonte ein RK-Sprecher. Da es sich um ein reines Nachtquartier handle, gebe es dafür nicht genug Personal- und Lagerressourcen. Generell seien mittlerweile auch Geldspenden an die Hilfsorganisationen sinnvoll. Es mussten beispielsweise bereits zusätzliche Feldbetten gekauft werden, erläuterte der Sprecher.

Rund 50 Busse am Wiener Westbahnhof eingetroffen

Rund 50 Busse sind am Freitag mit Flüchtlingen aus Nickelsdorf am Wiener Westbahnhof eingetroffen. Laut Polizeisprecher Patrick Maierhofer kamen damit zumindest 2.500 Migranten in der Bundeshauptstadt an. “Wir sind dabei, den Verkehr zu regeln und die Menschen aus den Bussen aussteigen zu lassen”, sagte er zur APA.

Maierhofer betonte, dass derzeit in Wien genug Platz zur vorübergehenden Notaufnahme der Flüchtlinge vorhanden ist. Es sei eine Fülle weiterer Quartiere eingerichtet worden.

(APA, Red.)

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