"Burgporträts": Die Mitarbeiter der Burg treten vor

Die Mitarbeiter des Burgtheaters treten aus der zweiten Reihe nach vorne.
Die Mitarbeiter des Burgtheaters treten aus der zweiten Reihe nach vorne. - © APA
“Und jetzt zeige ich, wie ich einen Stuhl getragen habe.” Ein etwas anderer Theaterabend war am Samstag unter dem Titel “Burgporträts” im Wiener Burgtheater zu erleben.

Kleindarsteller und hinter den Kulissen arbeitende Burg-Mitarbeiter standen für 80 Minuten auf gleicher Höhe mit professionellen Schauspielern – und spielten sie an die Wand. Auf der Bühne ist eine Art Fotostudio eingerichtet, in dem sich nach und nach 18 Menschen selbst inszenieren. Bühnentechniker des Burgtheaters treten dazwischen auf, ziehen an Strippen, justieren die verschiedenfarbigen Papierwände. Daneben eine Kamera, in die Protagonisten ihnen wichtige Gegenstände auf die Wand projizieren. Über dem Set der Porträtaufnahme: ein elektronisches Display, das den Namen des jeweiligen Porträtierten trägt.

Sonst unsichtbare Personen im Zentrum des Burgtheaters

Jenem von Burgschauspielerin Christiane von Poelnitz geht der Name des Kleindarstellers Lion A. Kenechukwu voraus: Ein Wrestling-Europameister, wie er erzählt, der “immer als Bodyguard” besetzt wird, und dann auf der Bühne sitzt “und gefährlich aussieht”. Andreas Dampfhart ist dagegen ein unscheinbarer, älterer Mann. Dass er regelmäßig vor Publikum auf der Bühne des Burgtheaters steht, sieht man ihm nicht an. Und wenn er dann auf der Bühne steht, sieht man ihn nicht: Denn er bleibt immer im Hintergrund, wie er sagt. Als Komparse hat er schon bei der österreichischen Erstaufführung von Thomas Bernhards “Elisabeth II.” gespielt.

Auch Komparsen erhalten Fanpost

Mit Leidenschaft spielt er die Szenen nach, die “stillen Konversationen”, die sich herausgelöst aus dem Rahmen des Stücks als banal entlarven. Und trotzdem genießt er sie, diese Momente, die für ihn so groß sind. Das merkt man sogar Claudia Durstberger an, die als Stuhl-tragendes Dienstmädchen einst sogar Fanpost erhalten hat. Nie verloren – und an diesem Abend zu Recht im Vordergrund – sind die zahlreichen Mitarbeiter hinter der Bühne. “Wer hier ein Jahr übersteht, bleibt länger”, erzählt die Billeteurin. “Meine Bühne ist die Kantine”, macht Heinz Geissbüchler mit seinem T-Shirt-Aufdruck klar. Wolfgang Klaus, Leiter der Betriebsfeuerwehr am Burgtheater, stimmt sogar ein Lied an, den “Walzer der Liebe”.

Laubs Porträtserie entstand vor zehn Jahren nach einer Idee von Tom Stromberg, dem damaligen Intendanten des Hamburger Schauspielhauses, seitdem wurde sie in fünf Variationen auf die Bühne gebracht; in Berlin, Rotterdam und Istanbul Städte porträtiert. Mit “Burgporträts” werden 18 von 600 innerhalb einer Institution arbeitende Menschen zusammengewürfelt. Wie viel Inszenierung dahinter steckt, bleibt dem Publikum verborgen. Und doch besticht der kurzweilige Abend durch Authentizität.

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