Bundestag: Gedenken an Holocaust

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Bundestag: Gedenken an Holocaust
Am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz 1945 kritisierte Bundestagspräsident Norbert Lammert erneut die Leugnung des Holocausts durch den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad.

Als Hauptredner im Berliner Reichstag beschrieb der 92-jährige Publizist Ernst Cramer in einer bewegenden Rede seine persönliche Tragik als Deutscher und Jude.

Lammert sagte: „Nicht nur wir Deutsche bedürfen des Gedenktages.“ Ahmadinejads Äußerungen bezeichnete er als „unfassbar“. Wenn sogar Staatsoberhäupter den Holocaust als Märchen bezeichneten und zur Vernichtung Israels aufriefen, müsse gerade Deutschland, wie Mitte Dezember im Bundestag geschehen, das Existenzrecht Israels bekräftigen. Damit widerlege es, „dass wir aus der Geschichte nur gelernt haben, dass wir nichts aus ihr gelernt hätten“.

Der Bundestag werde im Erinnern an die millionenfachen Morde des Holocausts „Antisemitismus und Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz anprangern, verurteilen und bekämpfen“, versprach Lammert.

Cramer berichtete sichtlich bewegt von von der Bedeutung, die der Umstand, im Reichstag vor den höchsten Verfassungsorganen sprechen zu dürfen, für ihn hatte. Er dankte nicht nur den Befreiern und knüpfte an das Wort des früheren Außenminister Joschka Fischer an, Auschwitz sei „der Tiefpunkt deutscher Geschichte“ gewesen. Es „war auch das größte Desaster in der Geschichte der Deutschen“, sagte Cramer. Als deutscher Jude gehöre er eben zu beiden Gruppen. Deshalb spüre er beides, „das Leid und die Tragik“. Als er in Deutschland aufgewachsen sei, sei „Judentum und Deutschtum etwas selbstverständlich Untrennbares“ gewesen.

Cramer sagte aber auch: „Allzu viele haben weggeschaut.“ Und er stellte die rhetorische Frage: „Wo blieb zwischen 1933 und 1945 die christliche Liebe zu den Juden, Sinti und Roma? Wie nötig wäre damals eine Enzyklika über die Liebe gewesen.“ Es stelle sich ihm sehr oft „die Frage, wie ich mich wohl verhalten hätte“. Er hoffe, er wäre ehrenhaft geblieben. „Aber mit Sicherheit kann ich das nicht sagen. Ich warne auch die Nachgeborenen. Niemand sollte über andere urteilen, deren Verlockungen er nicht selbst ausgesetzt war.“

Cramer konnte nach seiner Haft in Buchenwald als einer der letzten deutschen Juden Deutschland verlassen. Seine Eltern und sein Bruder wurden 1942 von den Nazis verschleppt und ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Cramer als Offizier der US-Armee nach Buchenwald und in seine Geburtsstadt Augsburg zurück. Er wurde stellvertretender Chefredakteur der von der amerikanischen Militärregierung herausgegebenen „Neuen Zeitung“, später Mitarbeiter der Nachrichtenagentur United Press International (UPI) in den USA.

Cramer war ein enger Vertrauter und Weggefährte des Verlegers Axel Springer. Nach ihm ist ein von Springer gefördertes Austausch-Stipendium für Journalisten zwischen Deutschland und Israel benannt.

Der 27. Jänner wurde im Jahr 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum Tag des Gedenkens an die Holocaust-Opfer erklärt. An diesem Tag wurde 1945 das Vernichtungslager Auschwitz von alliierten Truppen befreit.

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