Bürgerinitiative kämpft für die Ziesel von Floridsdorf

Von Paul Frühauf
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Ein Ziesel passt gut auf, dass dem Habitat in Floridsdorf nichts passiert Ein Ziesel passt gut auf, dass dem Habitat in Floridsdorf nichts passiert - © Alisha / pixelio.de
Im 21. Bezirk gibt es eines der letzten Habitate für die putzigen Ziesel. Sie haben sich auf den Gründen des ehemaligen Heeresspitals heimisch gemacht. Doch jetzt bedroht ein geplanter Wohnungsbau ihr Habitat. Eine Bürgerinitiative kämpft dagegen an.

Ziesel stehen auf Platz 1 der Liste der gefährdeten Arten (PDF) in Österreich. Kein Wunder, dass um ihr Floridsdorfer Habitat auf den Gründen des ehemaligen Heerespitals ein Kampf zwischen dem Wohnbau und Bürgern entbrannt ist. Letztere wollen jetzt sogar die EU-Kommission anrufen, ein Vorhaben, dem von Experten nicht einmal so schlechte Chancen eingeräumt werden: Denn die Verbauung verstößt gegen Artikel 12 der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie. In der steht da nämlich geschrieben:

Absatz B: jede absichtliche Störung dieser Arten, insbesondere während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten;
Absatz D:
jede Beschädigung oder Vernichtung der Fortpflanzungs- oder Ruhestätten.

Den Tipp mit dieser wenig bekannten Richtlinie haben die Aktivisten übrigens vom Umweltministerium erhalten, das sich damit offensichtlich gegen die Pläne des rot-grünen Wien stellt.

Politisch traute Zweisamkeit für Ziesel

Die putzigen Erdbewohner sorgen auch politisch für eine interessante Konstellation. Die Floridsdorfer Grünen stehen nämlich selbstverständlich aufseiten der Erdhörnchen: “Es gibt bereits ein Gutachten von Ilse Hofmann von der Uni Wien, das besagt, dass diese geschützte Tierart dort heimisch ist. Jetzt wird ein zweites erstellt, das hoffentlich noch vor dem Sommer fertig wird. Dann sind die Juristen am Zug. Ich kann mir jedoch nur schwer vorstellen, dass dort gebaut wird. Es gibt jedoch Gespräche mit der Stadt Wien, um Ersatzgrundstücke zu finden.”

In trauter Zweisamkeit mit den Grünen findet sich die Floridsdorfer FPÖ. “Im Sinne des Tierschutzes fordert die FPÖ  daher, Ersatzflächen für die Wohnbauten statt für die Ziesel zu suchen.”, so FPÖ-Umweltsprecher Udo Guggenbichler. Und er setzt nach: “Anscheinend wird hier aber der Bau-Lobby ein Dienst erwiesen. Als zuständige Stadträtin ist Uli Sima daher aufgerufen, ihrer Aufgabe nachzukommen und den Tierschutz voranzutreiben und das nicht nur am Papier und auf Plakaten! ”

IGL-Marchfeldkanal sammelte fast 4000 Unterschriften

Besonders engagierte Bürger haben eine Unterschriftenaktion für den Verbleib der Ziesel in Floridsdorf gestartet. Und das mit überwältigendem Erfolg, denn bisher haben nach Angaben der Erdhörnchenfreunde bereits knapp 4000 Menschen unterschrieben. Unterschreiben können Interessierte nicht nur online und per Brief, sondern auch bei  zahlreichen ‘Zieselpartnern‘. Das rege Interesse an den putzigen Nagern von Floridsdorf zeigt auch der Ziesel-Kalender, den die Initiative herausgebracht hat – und der innerhalb kürzster Zeit restlos ausverkauft war.

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