Bühnenbildner Günther Schneider-Siemssen verstarb mit 88 Jahren

Bühnenbildner Günther Schneider-Siemssen verstarb im Alter von 88 Jahren.
Bühnenbildner Günther Schneider-Siemssen verstarb im Alter von 88 Jahren. - © APA
Bühnenbildner und Regisseur Günther Schneider-Siemssen verstarb am Dienstag im Kreis seiner Familie. Mit dem langjährigen Ausstattungschef der Österreichischen Bundestheater verliere die Opernwelt einen großen, prägenden Bühnengestalter, so in Reaktionen.

“Wie kaum ein anderer” habe Schneider-Siemssen das Gesicht der Wiener Staatsoper geprägt, so Staatsoperndirektor Dominique Meyer über einen “der bedeutendsten Bühnenbildner der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nicht nur im Opernbereich.”

Auch für die Salzburger Festspiele seien seine Arbeiten “stilprägend” gewesen, betonte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler in einer Aussendung. “Als kongenialer Partner Herbert von Karajans hat er über Jahrzehnte Festspielgeschichte geschrieben. Niemand hatte das Große Festspielhaus so gut im Griff wie Schneider-Siemssen.”

“Großer Lichtkünstler” Schneider-Siemssen ist tot

Die “Bühnenräume, in denen sich Karajans Klangwelten entfalten konnten”, hob auch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) in einer Reaktion auf den Tod des “großen Lichtkünstlers” hervor. Schneider-Siemssens habe “durch seine experimentellen Arbeiten mit Licht die Beleuchtungstechnik im Theater revolutioniert” und auch “was zwischen den Zeilen steht, für das Publikum visualisiert”.

Als “Künstler, der das meisterhafte Bild zu den Tönen gestaltet hat” würdigte Ostermayer Schneider-Siemssen. “Er war über Jahrzehnte hindurch der Zauberer der Fantasien und Illusionen, die sich jeder zur klassischen Musik erhoffte. Jedes seiner Werke war ein poetisches Gesamtkunstwerk der illustrierten Bühne.”

Schneider-Siemssen war eng mit Theater verbunden

Am 7. Juni 1926 in Augsburg (Deutschland) geboren, wirkte Schneider-Siemssen als junger Architekt vorerst bei sieben Spielfilmen in München und Berlin mit, 1947 folgten erste Engagements als Bühnenbildner an Kleinbühnen, anschließend arbeitete er für die Staatsoperette München. Sein erstes Engagement als Chefbühnenbildner erhielt Schneider-Siemssen 1951 unter Intendant Peter Stanchina am Landestheater Salzburg.

Schneider-Siemssen, der 1973 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt, blieb in der Folge eng mit der österreichischen Theaterwelt verbunden. Er war jahrzehntelang Bühnenbildner des Salzburger Marionettentheaters, der Salzburger Festspiele und der Osterfestspiele Salzburg sowie 1962 bis 1987 Chefbühnenbilder der Österreichischen Bundestheater.

International wirkte er als Gastbühnenbildner an allen großen deutschen Opernhäusern, ab 1963 an den Opern in West- und Osteuropa. Er entwarf Bühnenbilder für die Met in New York ebenso wie für Opernhäuser in Südamerika, Kanada, Israel, Südafrika und vielen Städten der USA. Neben dem Bühnenentwurf war die Magie des Lichts und dessen Umsetzbarkeit auf der Bühne Schneider-Siemssens zweite Leidenschaft.

Gebäude und Landschaften mit Lichkreationen “verzaubert”

Jahrzehntelang arbeitete er mit der in Wien angesiedelten Firma Pani an Entwicklungen der Licht- und Projektionstechnik. In den 80er-Jahren wandte er – erstmals in der Theatergeschichte – die Holographie bei einer Inszenierung von “Hoffmann’s Erzählungen” am Salzburger Marionettentheater an. Mit seinen Lichtkreationen “verzauberte” er aber auch Gebäude und Landschaften, etwa bei den Opernbällen 1994 und 1995.

Schneider-Siemssen war an einer Reihe von Uraufführungen beteiligt und arbeitete mit zeitgenössischen Autoren und Komponisten wie Hochhuth und Dürrenmatt, Hindemith, Orff, Penderecki, Berio, von Einem, Bernstein und Krenek zusammen. Ein besonderes Naheverhältnis hatte er zu Ödön von Horvath, Richard Wagner und Shakespeares Komödien. Wichtige künstlerische Partner waren Herbert von Karajan, Otto Schenk, August Everding, Götz Friedrich und Fritz Kortner.

Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien verliehen

Der vierfache Vater wurde 1987 mit der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, 1998 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. Unter dem Titel “Die Bühne – Mein Leben” erschien 1996 seine Biografie, seine eigenen Privaträumlichkeiten in Wien-Alsergrund wurden 2009 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und zur Dauerausstellung umfunktioniert.

(APA/Red)

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