Brustkrebs: Osteoporose-Medikament für bessere Heilungschancen

Osteoporose-Medikament verbessert Heilungschancen bei Brustkrebs. / Symbolbild
Osteoporose-Medikament verbessert Heilungschancen bei Brustkrebs. / Symbolbild - © APA/Barbara Gindl
Die neuesten Forschungsergebnisse der Österreichischen Studiengruppe für Brust- und Darmkrebs (ABCSG) haben ergeben, dass das Osteoporose-Medikament Denosumab die Rückfälle bei Frauen mit Brustkrebs erheblich reduzieren kann.

Die Daten wird ABCSG-Präsident Michael Gnant (MedUni Wien/AKH) beim Jahreskongress der amerikanischen Onkologengesellschaft ASCO in Chicago Anfang Juni präsentieren. Mittwochnachmittag wurde die Zusammenfassung der ABCSG-18-Studie zur Analyse der Sechs-Jahres-Daten bezüglich des Anteils der Patientinnen mit Überleben ohne Rückfall bei Mammakarzinom-Erkrankung veröffentlicht. 2015 waren beim ASCO-Kongress bereits die ersten Ergebnisse der ABCSG-18-Studie vorgestellt worden, an der als Forscher Hunderte Ärzte in 58 Behandlungszentren in Österreich und vor allem 3.425 Patientinnen mit hormonabhängigem Brustkrebs nach der Menopause teilgenommen haben. Durch die Gabe des monoklonalen Antikörpers Denosumab zusätzlich zur antihormonellen Therapie der Frauen war die Häufigkeit von Osteoporose-bedingten Knochenfrakturen um rund 50 Prozent verringert worden.

Hormonabhängiger Brustkrebs nach Menopause

Jetzt liegen die Informationen über die Rückfallrate vor. “Das primäre Studienziel war zunächst der Nachweis, ob man mit Denosumab die Knochenfrakturen infolge der durch die antihormonelle Therapie mit Aromatasehemmern bedingte Osteoporose verhindern kann. Jetzt haben wir aber die Daten über das sekundäre Studienziel bezüglich der Häufigkeit von Rückfällen bzw. das Überleben der Patientinnen ohne Rückfälle. Dafür benötigt man einen längeren Beobachtungszeitraum. Bei den Patientinnen in der Studie handelte es sich ja um Frauen, bei denen hormonabhängiger Brustkrebs nach der Menopause in einem frühen Stadium diagnostiziert worden ist”, sagte Gnant. Sie hätten insgesamt an sich schon gute Heilungschancen.

Seit Jahren – ehemals bewiesen durch ABCSG-Studien – mehren sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass Medikamente zur Stärkung der Knochengesundheit bei Brustkrebs auch einen Effekt auf das Auftreten von Rückfällen und Metastasen haben. Das ist offenbar durch einen Einfluss der Arzneimittel auf das Mikroenvironment von Tumorzellen bedingt. Rückfälle und Knochenmetastasen machen Krebserkrankungen zumeist unheilbar.

Behandlung zweimal jährlich

In der ABCSG-18-Untersuchung erhielt die Hälfte der Frauen zusätzlich zur antihormonellen Behandlung zweimal jährlich eine Infusion von 60 Milligramm Denosumab. Die andere Hälfte der Probandinnen bekam ein Placebo. Weil der Effekt auf die Häufigkeit von Knochenbrüchen so schnell eintrat und so stark war, wurden die Daten über den Einfluss auf die Osteoporose im Rahmen einer Zwischenauswertung bereits 2015 vorgestellt.

Nunmehr liegen die Ergebnisse bezüglich des krankheitsfreien Überlebens nach durchschnittlich 72,6 Monaten Beobachtungszeit vor: In der Placebo-Gruppe gab es 287 Rückfälle, in der Denosumab-Gruppe nur 240. Das entsprach einer Verringerung des Risikos um etwa 18 Prozent und war statistisch signifikant. In der Gruppe der Patientinnen mit Denosumab-Behandlung waren nach fünf Jahren 89,2 Prozent und nach acht Jahren 80,6 Prozent krankheitsfrei und lebten. In der Placebo-Gruppe waren es nach fünf Jahren 87,3 und nach acht Jahren 77,5 Prozent.

Zukünftig Denosumab gegen Brustkrebs im Einsatz

“Die Unterschiede sind statistisch signifikant”, betonte Gnant. Das ist umso bemerkenswerter, als die Heilungs- und Überlebensraten solcher Patientinnen mit Brustkrebs an sich hoch sind. Was noch hinzu kommt, wie der Chirurg betonte: “Von den rund 5.200 Frauen, die in Österreich jedes Jahr an Brustkrebs erkranken, fallen rund 2.500 in die Gruppe jener Patientinnen wie sie den Probandinnen in unserer ABCSG-18-Studie entsprachen.” Die Ergebnisse dürften damit auch deutliche Auswirkungen in der klinischen Praxis haben. Laut den Wissenschaftern sollten in Zukunft alle diese Patientinnen eben zusätzlich zur antihormonellen Therapie mit Aromatasehemmern auch Denosumab erhalten.

APA/red

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