30. August 2010 09:36; Akt.: 30.08.2010 09:36

Bosnien: Ohne EU-Beitritt kein Frieden

Der bosnische Außenminister Sven Alkalaj am Freitag in Berlin. Der bosnische Außenminister Sven Alkalaj am Freitag in Berlin. - © EPA
In den Balkanstaaten nehmen die Zweifel zu, ob es die Europäische Union mit ihrer Beitrittsperspektive für die Staaten der Region wirklich ernst meint. Dies wurde am Montag bei einer Diskussion von Ministern aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien und dem Kosovo im slowenischen Bled deutlich.

“Die EU muss eine stärkere Rolle spielen und mehr Führerschaft zeigen”, betonte der bosnische Außenminister Sven Alkalaj. “Es wird keinen Frieden in Europa geben ohne Einbeziehung dieser Region.”

“Wir brauchen eine entschiedene Unterstützung der Europäischen Union, nicht einfach nur eine allgemeine Beitrittsperspektive”, sagte auch der kosovarische Europaminister Besim Beqaj beim “Bled Strategic Forum”. Derzeit würden 90 Prozent der Kosovaren den EU-Beitritt ihres Landes unterstützen, doch brauche es in Hinkunft “greifbare und realistische” Ergebnisse auf dem Weg in die EU, forderte Beqaj eine rasche Aufhebung der Visapflicht für kosovarische Bürger bei Reisen in die EU-Staaten.

Alkalaj äußerte sich ähnlich. Die Menschen in der Region bräuchten “konkrete Anreize”, damit sie auch die Konsequenzen der für den EU-Beitritt erforderlichen Reformen auf sich nehmen. Zugleich zeigte er Verständnis dafür, “dass die EU keine Probleme importieren will” und man die Konflikte in der Region lösen müsse.

“Eine Integration dieser Region ist von überragender Bedeutung für Europa und seine Stabilität”, betonte auch der kroatische Außenminister Gordan Jandrokovic. Gemeinsam mit Slowenien wolle das künftige EU-Mitglied Kroatien auf eine EU-Integration der restlichen Balkan-Staaten drängen. “Doch die Region muss sich auch der Tatsache bewusst sein, dass man ihr erst vertrauen wird, wenn die Staaten der Region einander gegenseitig vertrauen.” Jandrokovic räumte in Anspielung auf Bosnien-Herzegowina auch ein, dass es in einigen Staaten der Region “nicht genügend Energie zur Erlangung der europäischen Standards gibt”. Man dürfe diese Staaten aber nicht alleinlassen, sondern ihnen helfen.

Kritisch an die Adresse der Balkan-Staaten äußerte sich dagegen der slowenische Präsident Danilo Türk. Wenn das Stocken der Beitrittsgespräche kritisiert werde, “dann ist der größere Teil der Kritik an die Kandidatenländer zu richten”, sagte Türk in einem APA-Gespräch in Bled. Diese seien nämlich verpflichtet, die Beitrittskriterien zu erfüllen.

Der US-Außenpolitik-Experte David Serwer sieht die Verantwortung für eine Beilegung der ethnischen Konflikte auf dem Balkan vor allem bei Serbien. Belgrad betreibe eine “Politik des 19. Jahrhunderts” und habe seine territorialen Ansprüche gegenüber dem Kosovo, aber auch Bosnien noch nicht aufgegeben. Weil es mit gutem Zureden nicht funktioniert habe, müsse man Belgrad nun wie einen ungezogenen Teenager mit elterlicher Strenge (“tough love”) auf den richtigen Weg bringen. “Serbien sollte seine territorialen Ambitionen fallen lassen und sich nur auf Europa konzentrieren”, sagte Serwer in der Podiumsdiskussion. Nur so werde man die Probleme im Kosovo und Bosnien, das wegen der immer noch geltenden Dayton-Friedensordnung “in der Falle sitzt”, lösen können, sagte der frühere Koordinator der “Irak Study Group” von Ex-US-Außenminister James Baker.


Artikel weiterempfehlen

Ihre Meinung
Was meinen Sie?
Kommentare filtern  | 
KOMMENTARE FILTERN Optionen ausblenden  X


Please enter a title and content
 


Mehr auf vienna.at
Dalai Lama kommt am Freitag nach Wien
Der Dalai Lama absolviert ab Freitag den letzten Teil seiner Österreich-Reise, die ihn vergangene Woche auch nach [...] mehr »
Nach EU-Gipfel Debatte um Eurobonds und Griechen
Nach dem EU-Sondergipfel in Brüssel ist in Österreich eine Diskussion um Eurobonds aufgekommen. Nachdem sich [...] mehr »
Schlägerei bei Debatte im ukrainischen Parlament
Prügelei im Parlament: Mit ihren Fäusten haben ukrainische Abgeordnete eine Diskussion über die Stärkung von [...] mehr »
35 Tote bei Militärangriff im Jemen
Die jemenitischen Streitkräfte haben ihre Offensive gegen Hochburgen der mit der Terrororganisation Al-Kaida [...] mehr »
Ägyptische Präsidentenwahl zu Ende
Bei der ersten Präsidentschaftswahl nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Hosni Mubarak in Ägypten ist etwa die [...] mehr »
Mehr Meldungen »

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neuen Nutzer registrieren

Anmelden oder Registrieren
um Profile zu verknüpfen

{username} registrieren Sie sich jetzt neu auf VOL, um Ihr Facebook-Profil mit einem neuen Benutzer zu verknüpfen ODER klicken Sie auf Anmelden wenn Sie bereits einen VOL-Benutzer haben.


muss eine gültige E-Mail-Adresse sein


Bitte max. 32 Zeichen verwenden


Mindestens 6 Zeichen





Sie haben bereits einen VOL-Benutzer? Anmelden

Bestehendes VOL-Profil verknüpfen

melden Sie sich mit Ihrem VOL-Benutzer an ODER klicken Sie auf Neu Registrieren .


Passwort vergessen

Sie haben noch keinen VOL-Benutzer? Neuen Benutzer registrieren