Bondage und SM für jedermann

Tipps und Tricks zum Thema SM und Bondage.
Tipps und Tricks zum Thema SM und Bondage. - © APA/DPA
Fischundfleisch-Gastkommentar von Beate Janota, klinische Sexologin: Nach dem Bestseller „Fifty Shades of Grey“ sehnen sich viele Frauen und Männer nach mehr Abwechslung im häuslichen Schlafzimmer. Aber wie bei vielen Dingen unterliegt auch die Sexualität dem Lernprozess.

Wenn man also was Neues erlernen möchte, sollte man damit Stufenweise vorgehen. Im Sport oder der Musik beginnt man auch nicht mit der Königsdisziplin, sondern fängt mit einfachen Sachen an.

Anders als bei Sport und Musik kommt hier aber eine sehr wichtige Komponente dazu: die Gefühle – wenn man bei einer Sportart Fehler macht, dann wird das vielleicht den ein oder anderen Frustanfall verursachen, geht aber emotional lang nicht so tief wie bei sexuellen Belangen.

Für alle, die schon immer Bondage, SM oder Rollenspiele ausprobieren wollten, habe ich ein paar Tipps zusammengestellt:

Regel Nummer 1: Vereinbarungen treffen! Wo sind die Grenzen, wie weit will man gehen, was möchte man ausprobieren, was ist jedenfalls ein No-Go? Ein Stoppsignal ausmachen, das zwingend einzuhalten ist! Spiele dieser Art sind immer ein Spiel mit Nähe und Distanz, Macht und Ohnmacht, und immer Vertrauenssache. Das kann bedeuten, dass etwas für den einen noch gut ist, hingegen für den Anderen bereits ein No-Go, das ist zu akzeptieren. Es gilt sich heranzutasten, was gefällt UNS. Das ist ein Entwicklungsprozess.

Regel Nummer 2: Mit einfachen Dingen beginnen, um die sinnliche Wahrnehmung zu lernen. Langsam Elemente hinzufügen. zB: – Augen verbinden und dann beginnt der Partner mit verschiedenen Materialien über die Haut zu streifen (schmerzfrei!), wie fühlt sich Leder, Plastik, Seide, Metall, Eis etc. an. Dann die Intensität der Berührung verändern, von sanftem Streicheln übergehen in Kneten und festeres Drücken, und langsam weiter steigern.

Regel Nummer 3: in Kontakt bleiben, über das Erlebte sprechen, mutig kundgeben, was einem missfallen hat (dabei darauf achten, dass man sagt, dass diese oder jene Berührung nicht gefallen hat, nicht den Partner als Person abwerten oder schlecht machen).

Regel Nummer 5: Es ist ein Spiel – ein Spiel der Lust, also nicht zu verbissen sein, auch mutig Stopp sagen, wenn etwas nicht gefällt oder Grenzen überschritten wurden, auch wenn man davor geglaubt hat, man haltet es aus.

Regel Nummer 6: Sich Zeit nehmen, sowohl für den Akt an sich als auch für den Entwicklungsprozess, es ist kein Meister vom Himmel gefallen, also darf das neu Entdecken einer anderen Spielart im Bett auch Wochen und Monate in der Probephase bleiben, bis man dann den Punkt gefunden hat, der beiden Partnern grösst mögliches Vergnügen bereitet.

Regel Nummer 7: Es ist ein Projekt, wenn es Ihnen hilft, dann führen sie über ihre Erfahrungen Aufzeichnungen, was war gut, was weniger, was kann so bleiben, was sollte noch überarbeitet werden. Nicht vergessen, sie beschreiten neue Wege und lernen, das ist zu Beginn auch manchmal holprig und das darf es sein – seien Sie miteinander großzügig und geduldig.

Regel Nummer 8: Respekt – den Partner fesseln, oder züchtigen oder zu einer Rolle nötigen und dabei die eigene Macht ausspielen als Lustgewinn ist wenig förderlich. Oberstes Gebot in der Sexualität ist es soll beiden gefallen, beide sollen bereit dazu sein und beide sollen es wollen, dann sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Alles andere grenzt an Missbrauch und verletzt die Gefühle nachhaltig, dann wird aus einem Spiel schnell ernst.

Regel Nummer 9: Mut – manchmal setzen uns Erziehung und Glaube Schranken, gehen sie diesen nach und prüfen sie, ob sie tatsächlich so empfinden und diese Blockade auch körperlich wahrnehmen, oder ist es nur ein Hinweis in ihrem Kopf: „Das darf man doch nicht!“ „Ein anständiger Mensch tut sowas nicht!“ „Wenn ich das tue bin ich unanständig und ein schlechter Mensch!“
Wenn der Körper JA sagt und der Kopf aus eben diesen Glaubenssätzen heraus NEIN, dann dürfen sie mutig und behutsam diese Schranken lösen, zu Gunsten Ihrer ganz individuellen Lust!

Regel Nummer 10: Pause – zwingen Sie sich zu nichts, sie haben beschlossen einen neuen Weg zu probieren, das hindert sie aber noch lange nicht daran, auch ihre alten Gewohnheiten weiter zu pflegen. Legen Sie also gerne immer wieder Pausen von Ihrem Projekt ein und machen das, was Sie schon immer toll fanden miteinander.
Egal ob Bondage, Spanking, Rollenspiele oder eine Mischung aus all dem, es gilt immer den GEMEINSAMEN Weg zu finden, sich abzustimmen, herausfinden wo die Lust am größten ist und realisieren, dass zwei Menschen unterschiedliche Dinge geil finden und das auch anerkennen.

Last but not least möchte ich noch darauf hinweisen, dass derlei Bücher auch Paare beflügeln, deren Sexualität nicht frei von Problemen ist, was dann oft zu noch mehr Frust führt – sollten sie merken, sie finden nur schlecht einen gemeinsamen, sexuellen Weg, dann rate ich einen Sexualberater/ – therapeuten aufzusuchen, diese sind gezielt ausgebildet um zu allen noch so intimen Fragen kompetent Hilfestellung zu geben, es ist keine Schande das in Anspruch zu nehmen, ganz im Gegenteil. Sexualität ist lernbar und kein Grund sich zu trennen obwohl man sich liebt!

Beate Janota ist klinische Sexologin in Bad Vöslau (liebesambulanz.at) und bloggt auf der Meinungsplattform fischundfleisch.com, wo jeder schreiben und mitdiskutieren kann. vienna online ist Kooperationspartner.

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