Boku-Rektorin Bruner will beschränkte Uni-Mittel nicht akzeptieren

„Es ist unfair, Unis nicht ausreichend Mittel zu geben, um Bildungsauftrag nachzukommen“, begründet sie. Dabei wären in fast allen Bereichen Möglichkeiten zur Verbesserung vorhanden.

Wien (APA) – Die neue Rektorin der Universität für Bodenkultur (Boku), Ingela Bruner, hält nichts von Zugangsbeschränkungen. „Wir müssen vielmehr die jungen Menschen dabei unterstützen, die bestmögliche Entscheidung für ihr Studium zu treffen“, sagte die erste Rektorin einer österreichischen Uni im Gespräch mit der APA. Dass sich alle anderen tertiären Bildungseinrichtungen ihre Studenten aussuchen können, stört sie dabei nicht. „Unfair ist aber, den Unis mit ihrem hoheitlichen Bildungsauftrag nicht ausreichend Mittel zu geben, um diesem Auftrag nachzukommen. Ich will die beschränkten Finanzmittel nicht als gegeben akzeptieren“, sagte Bruner.

Viele Studenten an den Unis zu haben und dann gemeinsam mit den anderen Rektoren ausreichende Mittel zu fordern, sei ihr „lieber, als die beschränkten Mittel zu akzeptieren und deswegen die Zahl der Studenten zu beschränken. Mir geht es um diesen Paradigmenwechsel“, sagte Bruner. Sie hält die Entscheidung eines jungen Menschen, ein Studium zu beginnen, für enorm wichtig, nicht nur für die Person selbst, sondern auch für die Gesellschaft. „Daher werde ich nicht müde, immer wieder zu betonen, wie sehr ich mich über jede einzelne Entscheidung eines jungen Menschen, zu studieren, freue. Und deswegen habe ich eine so starke Ablehnung dagegen, sie fern von der Universität zu halten“, sagte die Rektorin.

Ihre Sorge ist, „wie bei Zugangsbeschränkungen die Entscheidung über die Auswahl getroffen wird“. Wichtiger sei die Frage, wie man die Qualität der persönlichen Entscheidung jedes Einzelnen unterstützen könne. Die Studienwahl sei nicht einfach, „der Markt wird immer undurchsichtiger, es gibt immer mehr Angebote“. Hier müsse man den angehenden Studenten die Möglichkeit bieten, sich mit den Anforderungen des Studiums und künftigen Berufen auseinanderzusetzen. An der Boku will sie dazu künftig die Neuen Medien nutzen und Studieninteressenten im Zuge der Entscheidungsfindung ermöglichen, in einem interaktiven Informationsprozess in die Welt des jeweiligen Studiums einzutauchen. Wobei Bruner die Boku „als technische Universität“ positionieren will.

In den ersten drei Monaten nach ihrer Wahl als Boku-Rektorin Anfang Juli habe sie die „unheimlich positive Aufnahme überwältigt“. Sie habe das Gefühl, „das war eine Entscheidung, die wirklich bewusst getroffen wurde. Man hat sich hier bewusst für eine Veränderung entschieden“. Böse Überraschungen habe es keine gegeben, auch keinerlei Ressentiments gegenüber einer Frau als Rektorin.

Offen ist für Bruner noch, wie die Boku „ressourcenmäßig aufgestellt ist“, das Rektorat müsse in den nächsten Monaten klären, „wie groß unser Handlungsfreiraum überhaupt ist“. Sofort erkennbar sei, wie an allen Unis, „ein hoher Grad an Erneuerungsbedarf bei der Infrastruktur“ sowie, Boku-spezifisch, der Bedarf an weiteren Hörsälen.

Den Hörsaal-Bedarf habe schon ihr Vorgänger aufgezeigt und verhandelt. Bruner ist zuversichtlich, Anfang kommenden Jahres mit der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) über ein neues Hörsaal-Zentrum handelseins zu werden. Zuvor will die neue Rektorin aber an der Boku hinterfragen, „was unser Verständnis von Lehre ist und wie sich das auf die erforderliche Größe eines Hörsaals auswirkt“.

Bruner macht aber schon klar, dass sie statt eines großen Audi max, wie es bisher geplant ist, lieber mittelgroße Hörsäle hätte, die durch eine innovative architektonische Konzeption zu einem größeren für besondere Anlässe erweitert werden können. Errichtet werden soll das neue Hörsaalzentrum am Boku-Standort an der Türkenschanze, unklar ist noch, ob es im Bereich der derzeitigen Glashäuser oder integriert im Hauptgebäude gebaut wird. Als Wunschtermin für die Eröffnung nennt Bruner das Wintersemester 2009. Finanziert und gebaut wird das Gebäude von der BIG, die Miete dafür müsse die Boku aus dem laufenden Budget zahlen.

An der von ihrem Vorgänger vereinbarten, Boku-intern heftig umstrittenen Übersiedelung einiger Institute nach Tulln will Bruner „selbstverständlich“ festhalten. „Der Vertrag ist unterschrieben, es gilt ihn nicht nur juristisch, sondern auch inhaltlich und dem Geiste nach zu erfüllen“. Wichtig sei, dass an dem Standort die Identität der Boku gewahrt bleibe, etwa auch was eine nachhaltige Konzeption der geplanten Neubaus betreffe. Zudem legt sie Wert darauf, dass „die inhaltliche Konzeption ein sinnvolles, lebensfähiges Ganzes ergibt:
Am Ende des Tages muss dort ein für die Zukunft erfolgreich positioniertes Department entstehen.“


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