Blut und Beuschel im neuen “DOOM”-Reboot

Ein Videospielklassiker feiert sein Comeback: "Doom"
Ein Videospielklassiker feiert sein Comeback: "Doom" - © Bethesda
1993 konnten die Gamedesigner John Carmack, Tom Hall und John Romero Spieler und Medienvertreter rund um den Globus in helle Aufruhr versetzen: Mit der Veröffentlichung von “Doom” war eine neue Art von Videospiel auf den Markt gekommen, mit schnellem Gameplay und blutigem Gemetzel lockte.

Die Geschichte von “Doom” ist gespickt mit Indizierungen und Verkaufsverboten: Zu explizit waren die Gewaltdarstellungen, als das der Titel frei erhältlich sein durfte, etwa in Deutschland. Dabei bot der 1993 veröffentlichte Ego-Shooter der Entwickler id Software vor allem in Sachen Präsentation neue Maßstäbe setzen, war doch die 3D-Grafik zum damaligen Zeitpunkt wegweisend. Auch die Tatsache, dass der Titel einen Multiplayer-Modus bot, traf den Nerv der Zeit und stellte sich als populäres Feature heraus. Ein Jahr später wurde “Doom 2: Hell on Earth” veröffentlicht, der neben neuen Gegnern und Umgebungen kaum mehr bieten konnte – eine Indizierung in Deutschland war dennoch nicht abzuwenden.

Ein ganzes Jahrzehnt später war der Siegeszug der First-Person-Shooter längst im Gange, als “Doom 3” schließlich erschien. Die Konkurrenz im Genre war groß, Titel wie “Half-Life”, “Counter-Strike” und “Far Cry” zogen Massen an Spielern an. Die Veröffentlichung des dritten “Doom”-Ablegers wurde mit großer Spannung erwartet, der Titel konnte jedoch nicht vollständig überzeugen. Mit seinem Fokus auf Horror und Spannung, die vor allem durch in Dunkelheit gehüllte Lokalitäten und deren Atmosphäre aufgebaut wurde, schien der Fokus der Serie, die mit schneller Action aufwartete, etwas abhanden gekommen zu sein. Kritiker waren dennoch begeistert, die Verkaufszahlen sprachen für sich, gilt “Doom 3″ bisher mit 3,5 Millionen verkauften Exemplaren doch als erfolgreichster Teil der Reihe.

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Fans mussten erneut Jahre ausharren, bis ein neuer Ableger des Shooter-Klassikers erscheinen sollte. Dem allgegenwärtigen Trend innerhalb der Videospielindustrie folgend präsentiert sich “DOOM” als Reboot der Serie, auch die Betitelung zeugt von einem Neuanfang, um alten und neuen Fans einen gleichmaßen sanften Einstieg zu bieten. Das Grundkonstrukt von “Doom” wurde beibehalten: Der Spieler übernimmt die Rolle eines Marines, der eine dämonische Horde im Alleingang und mit Waffengewalt aufhalten muss. Die im Vergleich zum direkten Vorgänger stark erhöhte Spielgeschwindigkeit bestimmt das Gameplay, blutige Gefechte mit wortwörtlich höllischen Gegenspielern lassen hier kaum Zeit für subtilere Horror- und Schock-Elemente.

Das ist auch gut so, sind doch die neue Gameplay-Features auf Schnelligkeit und Beweglichkeit ausgerichtet: Die sogenannten “Glory Kills” ermöglichen gleichermaßen effektive wie brutale Nahkampfexekutionen, die abhängig von der Position des Spielers zum Gegner unterschiedlich ausfallen können. Damit werden zudem auch Gesundheits- und Panzerungs-Symbole ausgeschüttet – eine gemächliche Aufladung, versteckt in sicherer Deckung, bietet “DOOM” nicht. Die Waffenauswahl ist natürlich ebenfalls entsprechend: Raktenwerfer, Schrotflinten und Kettensäge erfreut das Herz von Shooter-Fans; die Tatsache, dass neben diesen Klassikern auch Sturm-, Gauss- und Plasma-Gewehr sowie die immer gern gesehene BFG-9000 untergebracht wurden und auch RPG-mäßig auflevelbar sind (mit jeweils zwei unterschiedlichen Richtungen zur Nutzung, etwa ein Fernkampf- oder Granatenmodul), verspricht ungeahnte Abwechslung.

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In Zeiten von Taktik-Shootern mit möglichst realistischem Anspruch ist “DOOM” dank seiner hektischen “running-and-gunning”-Mentalität eine Brise frischer Wind im Genre. Das die Präsentation auch überzeugt, ist da nur eine weitere Zugabe zu einem gelungenen Reboot der Serie: Von Vistas, die an 90er Jahre Metal-Alben erinnern bis hin zu den absurden Dämonen und transformierten menschlichen Gegnern vermag die Optik zu begeistern – auch wenn vielleicht die eine oder andere Mars-Fabrikshalle bzw. -Forschungslabor etwas zu unspektakulär im Vergleich mit anderen Leveln gestaltet wurde. Weniger gut gelungen ist ist der Multiplayer-Modus, der zwar das Gameplay der Kampagne gut zu übertragen vermag, dabei in allen anderen Belangen etwas einfallslos und generisch erscheint. Eine weitere Neuerung stellt das SnapMap-Feature dar, bei dem schnell und einsteigerfreundlich Challenge-Karten erstellt werden können. Zwar lassen die vorhandenen Vorlagen eher wenig Gestaltungsfreiraum zu, die Option, sowohl kooperative-, Single- als auch Multiplayerkarten zusammenzubasteln, dürfte vor allem für Enthusiasten einen feinen Zusatz zum Spiel darstellen.

Fazit zu “DOOM”

Eine feine Präsentation mit stimmigen Soundtrack und eindrucksvoller Optik sowie abwechslungsreiches Gameplay mit präziser Steuerung lassen das Reboot “DOOM” zu einer Offenbarung für Shooter-Fans werden, die man ohne Bedenken empfehlen kann. Kaum zu glauben, aber “DOOM” ist zurück – besser denn je. Erhältlich für PS4, PC und Xbox One.

(Red.)

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