Black Mass – Der Pate von Boston – Trailer und Kritik zum Film

Black Mass – Der Pate von Boston – Trailer und Kritik zum Film
Ob Indianerkrieger, Vampir, Wolf oder exzentrischer Pirat: Johnny Depp ist zuletzt oft hinter skurrilen Masken verschwunden. Auch im Mafiakrimi “Black Mass – Der Pate von Boston” ist der wandlungsfähige Hollywoodstar kaum erkennbar, spielt aber zur Abwechslung mal wieder einen Menschen.

Auch wenn Titelfigur James “Whitey” Bulger auf den ersten Blick wenig menschlich scheint. Ab 16. 10. im Kino.

Black Mass – Die Geschichte

Das Vorbild ist ein Reales: Whitey Bulger, der schon Martin Scorseses Mafiastreifen “The Departed – Unter Feinden” und die US-Serie “Brotherhood” inspirierte, war ab den späten 70ern und bis zu seiner Flucht 1995 als Anführer der berüchtigten “White Hill”-Gang einer der einflussreichsten Köpfe organisierten Verbrechens in Boston. 2011 in Kalifornien aufgegriffen, wurde der Sohn irischer Einwanderer später u.a. wegen elffachen Mordes und Erpressung zu lebenslanger Haft verurteilt. US-Regisseur Scott Cooper (“Crazy Heart”, “Out of the Furnace”) rückt bei seiner Annäherung jenen Aspekt ins Zentrum, der sogar Bulgers engsten Vertrauten einst verborgen blieb: seine Tätigkeit als FBI-Informant.

In Boston Mitte der 70er stehen James “Whitey” Bulger (Depp) und sein Kindheitsfreund John Connolly (Joel Edgerton) auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes: Exhäftling Whitey steigt mit dunklen Machenschaften innerhalb der irischen Mafia im Süden Bostons auf, während Connolly soeben als führender FBI-Agent in seine Heimatstadt zurückberufen wurde. Doch die beiden haben ein gemeinsames Feindbild: die Angiulo-Brüder, ihres Zeichens die führenden italo-amerikanischen Mafiosi im Norden Bostons.

Also macht John seinem alten Kumpel ein Angebot, das er nicht ausschlagen kann: Whitey liefert dem FBI Hinweise aus der Unterwelt, dafür lässt die ihn mehr oder weniger unbehelligt werken. Was folgt, wird als Riesenskandal in die Geschichte des US-Geheimdienstes eingehen: Dank des FBI-Wissens über seine Konkurrenten und Rückendeckung von Connolly baut Bulger über einen Zeitraum von 20 Jahren sein Imperium in Boston und darüber hinaus sukzessive aus – und hinterlässt mehr und mehr Leichen auf seinem Weg.

Auf dem gleichnamigen Tatsachenbuch der “Boston Globe”-Journalisten Dick Lehr und Gerard O’Neill basierend, konzentriert sich “Black Mass” in drei Abschnitten auf den Aufstieg Bulgers und handelt Flucht und Nachwehen lediglich in abschließenden Texttafeln ab. Mit seinem Fokus auf die unheilige Allianz zwischen dem zunehmend skrupellosen, gewieften Whitey und dem korrupten Connolly taucht Regisseur Cooper in ein beklemmendes, von Gewalt geprägtes Milieu ein, in dem Loyalität über allem anderen steht. So erfolgreich Whitey dabei ist, die Menschen um ihn herum wie eine Art Sektenführer in seine dunklen Machenschaften zu verstricken, so sehr lässt sich der ehrgeizige Connolly vom familiären Clan-Gehabe verführen.

Black Mass – Die Kritik

Mit einer ständig spürbaren Nervosität und Ambivalenz stattet der Australier Joel Edgerton (“Exodus”) die Figur des einst ehrgeizigen FBI-Agenten aus, der zunehmend sein Gehabe und Äußeres an die übrigen “Kinder der Straße” anpasst und gegenüber seinen Kollegen Lügennetze spinnt, um von sich und Whitey abzulenken. Als spannendes Gegenstück gibt Depp den kaltblütigen, komplexen und durchaus charismatischen Gangsterboss mit Halbglatze, Wohlstandsbauch und vor allem diesen stechend blauen Augen als beherrschten Soziopathen, der am familiären Frühstückstisch auch seine menschliche Seite zeigt – wenn der Ratschlag an seinen Sohn, sich an einem Schulrabauken fernab jeder Öffentlichkeit zu rächen, auch fragwürdig ist.

Die Lektion, die nicht nur Whitey Jr. lernt: Nicht, was du tust wird dir Ärger einbringen, sondern wo, wann und vor wessen Augen. Aufmüpfige und Verräter aus den eigenen Reihen werden von Bulger nämlich ebenso erbarmungslos niedergestreckt wie Feinde. In einer der eindrücklichsten Szenen des Films bringt er Connollys FBI-Kollegen John Morris (David Harbour) gehörig ins Schwitzen, als er dessen Ausplaudern eines Familienrezeptes mit seiner potenziell wackeligen Loyalität in Verbindung bringt.

Cooper lässt diesen Szenen ihren Raum, erzählt unaufgeregt und in düsteren Bildern im 70er-Look von verderblichen Charakteren und schmutzigen Verbindungen der Gangsterszene zu Polizei und Politik. Das hat mitunter seine Längen, fesselt aber durch die vielen, differenzierten Charakterdarstellungen. Die Dynamik zwischen Whitey und seinem Bruder, dem ebenfalls verstrickten Stadtpolitiker Billy (großartig: Benedict Cumberatch), wird nur angeschnitten, könnte aber womöglich einen weiteren Film tragen. Neben Cumberbatch tun sich auch Peter Sarsgaard als Gangster und späterer Informant Brian Halloran, Dakota Johnson als Bulgers Freundin Lindsey, Kevin Bacon und Adam Scott als FBI-Kollegen sowie Rory Cochrane und Jesse Plemons als Whiteys Handlanger eindrücklich hervor.

(APA)

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