Bittersüße Grüße aus Schweden: Anna von Hausswolff live in Wien

Eine zierliche Urgewalt: Anna von Hausswolff.
Eine zierliche Urgewalt: Anna von Hausswolff. - © Anders Nydam
Die schwedische Organistin und Sängerin Anna von Hausswolff, die vorzugsweise mit Black-Metal-Ästhetik und mythologischem Unterbau hantiert, war am Sonntag in der Wiener Arena eine Klasse für sich. Drone, Pop und Meditation, dass es eine Freude war.

Dem kurzen Österreichabstecher der 29-Jährigen, wollten viele beiwohnen: So hing auch ein “Ausverkauft”-Zettel am Eingang zur kleinen Halle der Arena.

Die zierliche Musikerin wurde von vier Kollegen an zwei Gitarren, Synthesizer und Schlagzeug begleitet. Schon während der ersten Minuten waberten Nebelschwaden über die kleine Bühne, beherrschte ein in Violetttönen gehaltenes Lichtdreieck das Ambiente, dröhnende Klänge erschufen einen ganz eigenen Kosmos. Anna von Hausswolff selbst setzte sich wie nebenbei an ihr in der Mitte aufgebautes Instrument, die langen blonden Haare meist tief ins Gesicht hängend und erst gegen Ende des Konzerts auch mehr in Richtung Publikum agierend.

Düster und stimmungs voll: Anna von Hausswolff

Zuvor durfte man sich umspielen lassen von melodischen Nummern wie “The Hope Only of Empty Men” oder dem an einen nächtlichen Jahrmarktsbesuch erinnernden “Pomperipossa”. Immer wieder schichteten die fünf Protagonisten Sound über Sound, um sich in den Tiefen dieser fernab jeglicher Genre-Zuordnung angesiedelten Schluchten einen Weg bahnen zu können. Der Anker dabei ist stets von Hausswolffs Stimme: Mal zart, mal kraftvoll, dann wieder zerbrechlich.

Dabei gab sich die Sängerin zuerst distanzierter, das änderte sich erst bei “Stranger”: Es war das einzige Stück, bei dem sie am Bühnenrand die Nähe ihrer Anhängerschar suchte. Mehrfach die ganze Breite abschreitend, machte sie hier kurz deutlich, warum sie ihre Musik einmal als “Funeral Pop” bezeichnet hat. Gleichermaßen wunderschön wie verstörend.

Denn der Höhepunkt, das stetig mäandernde “Come Wander with Me/Deliverance” sollte noch kommen. Es ist der zentrale Track ihrer im Vorjahr veröffentlichten dritten Platte “The Miraculous”, die von Hausswolff großteils auf der Acusticum-Orgel im nordschwedischen Pitea eingespielt hat. Mehr als 9.000 Pfeifen umfasst diese Ausgabe ihres bevorzugten Instruments, und jede einzelne scheint für den epischen Song notwendig. “Das ist wohl das längste und härteste Stück”, meinte sie vor Beginn noch etwas schüchtern. Damit sollte sie recht behalten.

Ausnahmemusikerin in der Arena Wien

Die Tochter von Experimentalmusiker Carl Michael von Hausswolff, deren Songs ein morbider wie mystischer Anflug durchzieht, schaffte es aber auch in dieser Nummer, nicht nur den Weg in das Herz der Finsternis zu wagen, sondern immer wieder Akzente zu setzen, die jenseits von Schwermut und Endzeitstimmung lagen.

“Ihr seid so großartig, vielen Dank!” Je länger das Konzert dauerte, umso öfter machte sie ihrer Freude ob des Zuspruchs Luft. Man gönnte es ihr und war seinerseits dankbar für jeden Ton. In diesem Sinne: Danke für die schwedischen Liebesgrüße, Wiedersehen macht Freude.

(APA)

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