Bis zum Horizont, dann links! – Trailer und Kritik zum Film

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Bis zum Horizont, dann links! – Trailer und Kritik zum Film
Wenn Ruheständler ein Flugzeug kapern, wird es lustig. Bernd Böhlich erzählt in “Bis zum Horizont, dann links!” von einer ungewöhnlichen Reise gen Süden. Für seine Seniorenkomödie versammelt Böhlich so renommierte wie betagte Darsteller vor der Kamera: von Theatergröße Otto Sander und DEFA-Mimin Angelica Domröse (beide Jahrgang 1941) bis Herbert Feuerstein (1937) und Herbert Köfer (1921).

Der Dresdner Böhlich aber hat auch junge Talente wie Anna Maria Mühe (“Novemberkind”) und Robert Stadlober (“Krabat”) mit an Bord. Ab Freitag im Kino.

Öde ist das Dasein im “Abendstern”, einem typischen deutschen Seniorenheim. Zwischen Lesenachmittag, Bewegungstherapie und ewig langweiligen Abenden bleibt den Bewohnern kaum Luft zum Atmen. Tiedgen (Sander) hat das längst erkannt, der stets gut gekleidete Herr hält mit seinem Frust auch kaum hinterm Berg. Für die elegante und noch sehr rüstige Annegret (Domröse) ist alles neu, gerade erst hat sie der Filius ins Heim abgeschoben. Komödienexperte Regisseur Böhlich (“Du bist nicht allein”) zeigt den grauen Alltag und die klaustrophobische Enge der Seniorenresidenz mit langsamer, teils fast schwankender Kamera.

“Bis zum Horizont, dann links!”: Seniorenkomödie mit Otto Sander

Man atmet auch im Kinosessel auf, als es endlich rausgeht: Die Alten sind zu einem Rundflug geladen, besteigen eine historische Propellermaschine. Tiedgen wittert seine Chance und im Nu hat er die Maschine unter seiner Kontrolle. Der Eigenbrötler hat endgültig genug vom “Plätzchen-Backen und Chorgesang”, und er möchte so gern noch einmal in den Süden und ans Meer. Tiedgen hat eine Pistole und versucht, den noch skeptischen Rest mit einer engagierten Rede davon zu überzeugen, dass etwas Freiheit allen gut täte. Schließlich entscheiden sich die Pensionäre für die Flugzeugentführung; da bleibt auch den Piloten (Robert Stadlober und Tilo Prückner) keine andere Wahl. Wenn nur der Treibstoff nicht so knapp bemessen wäre…

All die erfahrenen Darsteller sind wunderbar in Böhlichs Komödie: Marion van de Kamps der Vergangenheit nachhängende Schauspieldiva, das herrlich spießige Ehepaar Miesbach (Herbert Feuerstein und Monika Lennartz). Vor allem aber Angelica Domröse und Otto Sander, deren Figuren sich allmählich näher kommen, ragen heraus. Sanders Misanthrop ist der Frust übers einengende Leben im Seniorenheim geradezu ins Gesicht geschrieben. Domröses Leiden an der verlorenen Freiheit und am Alter – “am Ende geht alles in eine Reisetasche” – ist sehr anrührend.

Wenig ergiebig dagegen die kleine Rolle von Robert Stadlober; Anna Maria Mühe jedoch gibt ein starkes jugendliches Pendant ab zu all den gereiften Gesichtern. Ihre Krankenschwester Amelie ist so resolut wie charmant. Mühe spielt sie mit der gebotenen Verve. Böhlichs sympathische Komödie jedoch richtet sich schließlich doch vor allem an Kinogänger jenseits der 50, wenn nicht der 60. Für ein jüngeres Publikum fällt die Inszenierung zu artig und gemächlich aus. Bewegend aber ist die Story von den Alten, die ganz zum Schluss auf einer griechischen Insel landen, allemal. “Alles in allem war es doch nicht schlecht”, resümiert Sanders Tiedgen am Ende mit Blick aufs Meer sein Leben.

(APA)

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