Bis zu 50 Flüchtlinge gestorben: Leichen in Kühl-LKW auf der A4 entdeckt

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Zwischen 20 und 50 Tote wurden in einem Schlepperfahrzeug auf der A4 entdeckt.
Zwischen 20 und 50 Tote wurden in einem Schlepperfahrzeug auf der A4 entdeckt. - © APA (Symbolbild)
Am Donnerstag stießen Polizeibeamte auf eine Flüchtlingstragödie im Burgenland: In einem auf der A4 – Ostautobahn – abgestellten Kühl-LKW wurden mindestens 20 Leichen gefunden. Vom Fahrer fehlt jede Spur.

Man gehe von mindestens 20 oder auch 40 bis 50 Toten aus, sagte Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil bei einer Pressekonferenz.  “Diese Tragödie macht uns alle betroffen”, betonte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). “Schlepper sind Kriminelle. Und wer jetzt noch immer meint, dass es sanftmütige Fluchthelfer sind, dem ist nicht zu helfen”.

Schlepper-Lkw stand in Pannenbucht auf der A4

Der rund 7,5 Tonnen schwere Lkw, ein Kühlfahrzeug mit ungarischem Kennzeichen, war in einer Pannenbucht abgestellt. Auf dem LKW prangt ein Aufkleber einer slowakischen Hühnerfirma, die im Vorjahr 13 Fahrzeuge ihrer Flotte verkauft hatte. Beim Eintreffen der Polizei trat bereits Verwesungsflüssigkeit aus der Ladefläche, berichtete Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil. “Wir können zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Angaben machen, wie der Tod eingetreten ist.” Man gehe jedoch von Erstickungstod aus. Ein Krisenstab wurde eingerichtet.

Polizei entdeckte Leichen im Laderaum

Das Fahrzeug dürfte seit Mittwoch auf der A4 abgestellt gewesen sein. Man sei heute um 11.30 Uhr von Kollegen der Autobahninspektion Parndorf verständigt worden. Entdeckt wurde der Lkw von einem Mitarbeiter der Asfinag. Dieser war an der A4 mit Mäharbeiten beschäftigt, als er auf das Fahrzeug aufmerksam wurde. “Ihm ist aufgefallen, dass es dort raustropft”, sagte ein Sprecher der Asfinag der APA. Der Mitarbeiter habe “richtig und schnell reagiert und die Polizei informiert”. Die Asfinag sperrte im betroffenen Bereich eine Fahrspur.

“Heute ist ein dunkler Tag und unsere Gedanken sind bei den Opfern, bei den Familien der Opfer und auch bei den Freunden”, sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). “Diese Tragödie macht uns alle betroffen.” Schlepper seien nicht interessiert am Wohl der Flüchtlinge, sondern nur am Profit.

Verstärkte Kontrollen an den Grenzen

Die Ressortchefin kündigte verstärkte Kontrollen in den internationalen Zügen und im grenznahen Raum an. “Wichtig ist uns auch, dass so rasch als möglich die gesetzlichen Änderungen im Kampf gegen Schlepper vorgenommen werden. Ich hoffe, dass das am 1. Oktober bereits passiert.” Es sei wichtig, dass nicht nur Österreich mit Härte gegen Schlepper vorgeht, sondern auch die anderen 27 EU-Staaten.

Es sei wichtig, so rasch als möglich EU-Außenstellen zu schaffen, damit die Flüchtlinge sofort Schutz bekommen. Mikl-Leitner sprach von einem “Signal an die europäische Ebene, so rasch wie möglich tätig zu werden”.

Justizminister ist “erschüttert und zornig”

“Ich bin erschüttert, tief betroffen und zornig”, reagierte Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) auf das Flüchtlingsdrama auf der A4. “Es war zu befürchten, dass es einmal Todesopfer bei den Schleppertransporten gibt, denn die organisierte Schlepperei ist eine skrupellose und mörderische Form schwerster Kriminalität, der man europaweit konsequent entgegenwirken muss”, meinte Brandstetter.

Die Justiz werde gemeinsam mit dem Innenministerium “mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln” gegen diese Form der Kriminalität ankämpfen, kündigte Brandstetter in einer der APA übermittelten Stellungnahme an.

(APA/Red)

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