4. Oktober 2012 10:18; Akt.: 4.10.2012 12:32

Billy Talent live in Wien: Gute-Laune-Punkrock in der Stadthalle

Kanadischer Rock der Extraklasse: Billy Talent am Mittwoch live in Wien. Kanadischer Rock der Extraklasse: Billy Talent am Mittwoch live in Wien. - © Vienna.at/Alexander Blach
von Amina Beganovic - Zwei Vorbands als Support, neues Album im Gepäck, und voller Energie, wie die Fans es lieben: Die kanadische Rockband Billy Talent gastierte am Mittwoch Abend in der Wiener Stadthalle. Und es wurde laut.

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Wer Ben Kowalewicz, Ian D’Sa, Jonathan Gallant und Aaron Solowoniuk einmal in Bestform erlebt hat, wird es sich kaum vorstellen können, dass die so jugendlich wirkenden Musiker die 30 Jahre längst überschritten haben. Bei ihrem Wien-Konzert am Mittwoch präsentierten sich die kanadischen Rocker sprung- und lebhaft wie noch zu anno “Billy Talent I”.

Das Publikum wurde für den Abend auch entsprechend warm gemacht: Die ebenfalls kanadische Band Arkells und die US-Punkrocker Anti-Flag ließen die Wiener Fans ab 19.30 Uhr in die richtige Stimmung für den Hofherren der Bühne kommen. Und nachdem “alle Brüder und Schwestern der großen Rock-Familie” ausreichend gehüpft, geklatscht und gesungen hatte, betraten Billy Talent um 21.30 Uhr schließlich die Bühne.

Billy Talent: Neues traf auf Altbewährtes

Die Bühnendeko in Blau-Tönen gehalten, passend zum neuen Album “Dead Silence“, flankiert von übergroßen Video-Walls, wurde stimmungsvoll-ruhig mit dem Intro “Lonely Road  to Absolution” eröffnet, bevor es ohrenbetäubend mit der ersten neuen Single-Auskopplung “Viking Death March” auch schon wild wurde.

Es sollte jedoch nicht auf den Lohrbeeren der neuen Platte bleiben, obwohl Kowalewicz versicherte, wie “verdammt stolz” die Band auf dieses 4. Studiowerk sei. Stattdessen wurde weiter in der Erinnerungkiste gekramt, um eingefleischten Fans und Neuzugängern einen Mix zu bieten, der keine Wünsche offen lassen sollte. Evergreen-Hits wie “Surrender” und “Devil in a Midnight Mass” vom 2. Album wurden gefolgt von Klassikern wie “Try Honesty” aus “Billy Talent I”.

Frontmann Kowalewicz präsentierte sich unermüdlich und gewohnt sprunghaft (beachtlich auch, dass der 37-Jährige mit den langen Haaren überhaupt gesehen hat, wohin er da und dort hüpfte), nicht zuletzt auch sympathisch-bescheiden: “Wir sind froh und dankbar, wieder in Österreich sein zu dürfen, liebe Freunde!” Standfester, aber nicht minder charismatisch, zeigten sich die übrigen Bandmitglieder, insbesondere Gitarrist D’Sa und Drummer Solowoniuk. Der  Schlagzeuger, erkrankt an Multipler Sklerose und noch in der Entstehung des neuen Albums vor einigen Monaten am offenen Herzen operiert, bildete den starken Rückhalt, ohne im Tempo auch nur einmal nachzulassen.

Die Wiener Stadthalle hüpfte durch

Auch, wenn die aktuelle Tour unter dem Titel “Dead Silence” läuft, zeigte sich das Publikum bei den neuen Singles bei weitem nicht so aktiv wie beim Altbekannten. Insbesondere die Hits von “Billy Talent III”, das von bösen Zungen als weniger gelungenes Werk der Band erachtet wird, entpuppten sich an diesem Abend überraschenderweise als Bühnen-Kracher.

 ”Devil on my Shoulder” rief zur allgemeinen Euphorie auf, Ben Kowalewicz kokettierte kurz darauf mit dem weiblichen Teil des Publikums, und hauchte herzensbrechend “Diamond on a Landmine” ins Mikro. Da wurde es auch gerne mal verziehen, dass er sich bei der ersten Strophe dezent versungen hatte.

Die letzten Energie-Reserven wurden sowohl von der Band als auch vom Publikum schließlich bei den Zugabe-Nummern mobilisiert. “Falling Leaves” ließ den Boden der Stadthalle zum Abschluss erbeben, gefolgt von der brandneuen Single “Surprise Surprise”, die dem allgemeinen Hedonismus unserer schnelllebigen Gesellschaft ins Gesicht spuckte. Das Grande Finale bildete der Klassiker “Red Flag”, das die Halle in dramatisches Rot tauchte und das Publikum zum allgemeinen, lauten Ungehorsam aufrief.

“Ich kann euch schon jetzt versprechen, dass wir bald wieder bei euch sein werden,” prophezeite ein durchgeschwitzter Kowalewicz. Bitte gerne.



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