Bildung wird überbewertet

Bildung wird überbewertet
© wokandapix / Pixabay
Gastkommentar der Gebrüder Moped. Wir sind Kinder der 70er Jahre, Kinder der Sozialdemokratie, verwöhnte Sprösslinge der Ära Kreisky. Wir waren die erste Generation, der nachhaltig versprochen wurde: Ja, jetzt kommt sie dann bald wirklich, die Gesamtschule. Chancengleichheit und Bildung für alle, gut so. Alleine: Sie kam nicht.

Nur mit Bauchweh schickten uns unsere Eltern auf die Reise durch herkömmliche Schulangebote. Sie wird schon noch kommen, die Gesamtschule. Kommt sie? Sie kommt nicht, weder generell noch in wirklich attraktiven Modellvarianten. Wir warten weiter.Österreich wird klug.

Aber: Es tut sich was, zumindest auf anderen Ebenen der Bildungspolitik. Der Bund hat kürzlich die lang erwartete Bildungsreform abgesegnet und auch die rotgrüne Koalition in Wien widmet der strukturierten Erziehung jede Menge Raum. Auffallend in beiden Fällen: Im Mittelpunkt steht vermehrt der Kindergarten. Er wird zunehmend in die Bildungskarriere integriert. Wurde auch Zeit. Endlich kann man sich das Laternenfest im Studium anrechnen lassen. Oder anders: man muss. Denn weiters steht am Masterplan: zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für Kinder, die nicht Deutsch können. Höchste Eisenbahn. Was glauben diese Kinder eigentlich? Kommen auf die Welt und können kein Wort Deutsch.

Vom Rechenkönig zum Bachelor

Begleitet wird der schulische Lebenslauf künftig durch den neuen Bildungskompass, die Ausdehnung des Mutter-Kind-Passes bis hin zum Ende der Schulzeit. Ja, da heißt es nunmehr aufpassen: Führerschein, Zulassungsschein, Bildungskompass. Wer als Taferlklassler beim Rechenkönig versagt, kann das nicht mehr so einfach unter den Tisch kehren und gilt als vorprogrammierter Studienabbrecher. Oder wie man heute sagt: Bachelor.

Wird Bildung überbewertet?

Vielleicht übertreiben wir einfach und versuchen krampfhaft jedes unserer Probleme auf mangelnde Bildungsmöglichkeiten zurückzuführen. Schicken wir dieses verdammte Bildungswesen doch einfach in seine verdiente Pension. Österreich ist klug genug. Was gibt’s denn da noch viel zu bilden? Alles, was unsere obergescheiten Kinder jetzt noch immer nicht auf die Reihe bekommen, sollen sie gefälligst googlen.

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