Bilanz über 5 Jahre Klasnic-Kommission: Schönborn tat “das einzig Richtige”

Die Vorsitzende der "Unabhängigen Opferschutzkommission", Waltraud Klasnic, beim Interview
Die Vorsitzende der "Unabhängigen Opferschutzkommission", Waltraud Klasnic, beim Interview - © APA
Vor fünf Jahren wurde von Kardinal Christoph Schönborn zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der Kirche eine Opferschutzanwaltschaft eingesetzt. Deren Vorsitzende Waltraud Klasnic zieht nun eine positive Bilanz.

“Der Kardinal hat das einzig Richtige getan,” so Klasnic. Rund 1.700 Fälle hat die Kommission bearbeitet, 16,8 Mio. Euro an finanzieller Hilfe wurde von der Kirche zuerkannt.

Treffen mit Kardinal Schönborn im April 2010

Am Gründonnerstag 2010 ist Klasnic erstmals mit Schönborn zusammengetroffen, zuvor hatte der Wiener Erzbischof angekündigt, die ehemalige steirische Landeshauptfrau zur Opferschutzbeauftragten zu ernennen. Diese hatte immer wieder – auch gegen Kritik – die Unabhängigkeit des Gremiums betonen müssen. “Er hat sich nicht ein einziges Mal in irgendeiner Form hineinreklamiert”, verteidigt sie Schönborn auch heute. Selten aber doch habe es aber Gespräche mit ihm gegeben, wenn “der eine oder andere Namen” eines des Missbrauchs beschuldigten katholischen Geistlichen aufgetaucht sei.

Auch Ehrenamtliche bei Opferschutzanwaltschaft

Acht ehrenamtliche Mitglieder neben Klasnic umfasst die Opferschutzanwaltschaft, darunter etwa die Vizepräsidentin des Verfassungsgerichtshofes, Brigitte Bierlein, der Psychiater Reinhard Haller und der ehemalige Präsident des Wiener Stadtschulrates, Kurt Scholz. Einen Schlussstrich wird es laut Klasnic nicht geben, im Gegenteil: “Es ist sehr stark der Wunsch da, dass weitergearbeitet wird.” Allerdings hätte sich seit der Konstituierung des prominenten Gremiums noch niemand zusätzlicher gemeldet, der sich an der ehrenamtlichen Arbeit beteiligen würde.

Lob für Entschädigungen der Opfer

Auch bezüglich der Entschädigungen an die Opfer lobt Klasnic die Kooperation mit der römisch-katholischen Kirche. Das Geld, das die Kirche bereitstellt, stammt aus einer eigenen Opferschutzstiftung, deren Vorsitzender der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng ist. Diese sei in den fünf Jahren ihres Bestehens allen Empfehlungen der Kommission nachgekommen. Und nicht nur finanzielle Entschädigungen an die Opfer wurden geleistet, auch mehr als 45.000 Therapiestunden sind laut Klasnic zuerkannt worden.

Klasnic fordert Missbrauchs-Präventions-Stelle

Ein Wunsch Klasnics an die Politik ist bis jetzt ungehört geblieben: Die Einrichtung einer Missbrauchs-Präventions-Stelle durch die Republik. Dennoch sieht die Vorsitzende der Opferschutzanwaltschaft weitere positive Effekte, wie einen gesellschaftlichen Wandel. “Wenn heute etwas passiert, ist es morgen in jeder Zeitung – und das ist gut so”, sieht sie eine Sensibilisierung hinsichtlich des Themas.

Zum Abschlussbericht von “Würde am Ende des Lebens”

Als Vorsitzende des Dachverbandes Hospiz – Klasnics zweites großes Engagement – lobt die ehemalige ÖVP-Politikerin den Abschlussbericht der parlamentarischen Enquetekommission “Würde am Ende des Lebens”. Auch sie fordert schnellstmöglich die Bereitstellung finanzieller Mittel zum Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich, auch wenn diverse Ministerien bisher abgewinkt haben. “Im Grunde bin ich überzeugt, dass es die Bundesregierung verantwortlich wahrnehmen wird”, meint sie. Auch die Einrichtung eines Hospiz- und Palliativforums unterstützt Klasnic.

Zur anstehenden Landtagswahl in der Steiermark und der dortigen selbsternannten “Reformpartnerschaft” von SPÖ und ÖVP bleibt die ehemalige Landeshauptfrau unverbindlich. Sie wünsche sich nur das Beste für das Land, meint sie dazu nur.

(apa/red)

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