Bilanz nach einem Jahr Flüchtlingshilfe: Kulturinstitutionen weiterhin engagiert

Zahlreiche heimische Kulturinstitutionen engagieren sich für die Flüchtlingshilfe.
Zahlreiche heimische Kulturinstitutionen engagieren sich für die Flüchtlingshilfe. - © pixabay.com (aguettl)
Bereits seit Herbst 2015 engagieren sich viele heimische Kulturinstitutionen mit Hilfsangeboten für Flüchtlinge. Egal ob im Wiener Konzerthaus, im Kunsthistorischen Museum oder in der Volksoper: Die Unterstützung und Umsetzung von Projekten hat bis heute nicht nachgelassen.

Groß war das spontane Engagement zahlreicher heimischer Kulturinstitutionen, als es im Herbst 2015 galt, sich angesichts der großen Zahl an Flüchtlingen mit konkreten Hilfsangeboten einzubringen. Im Laufe der vergangenen Monate konnten viele Projekte realisiert werden. Und die Unterstützung hat von vielen Institutionen seither nicht nachgelassen.

Kulturinstitutionen engagieren sich für Flüchtlingshilfe

Ein Überblick: Im Wiener Konzerthaus sind zwei Koordinatorinnen für die Thematik zuständig und bündeln die verschiedenen Aktivitäten. So haben bis Ende der abgelaufenen Saison rund 650 Menschen die verschiedenen Angebote der Institution angenommen, die in der Zusammenarbeit mit Sozialorganisationen von speziellen Musikangeboten für Menschen mit Migrationshintergrund über Konzerteinführung in Farsi oder Arabisch bis zu Workshops und offenen Proben für junge Flüchtlinge reichen.

Ganz in Vorlage gegangen sind die Wiener Philharmoniker, die Anfang Juni im niederösterreichischen St. Aegyd am Neuwalde das von ihnen initiierte Haus für Asylsuchende eröffnen konnten. Unter anderem mittels Crowdfunding wurde das Geld aufgetrieben, um das ehemalige Gasthaus zur Flüchtlingsunterkunft zu adaptieren, die von der Diakonie betrieben wird. Auch nach Eröffnung der Institution bleibt der Klangkörper dem Haus durch kulturelle Aktivitäten verbunden.

Freier Eintritt ins KHM, Workshops für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Das Kunsthistorische Museum und die ihm angeschlossenen Häuser halten weiterhin das Angebot aufrecht, betreuten Flüchtlingsgruppen bei Voranmeldung (ticket@khm.at) freien Eintritt zu ermöglichen. Überdies wurden der Vermittlungsabteilung einstweilen in Summe 300 Stunden für zielgruppenspezifische Workshops bewilligt, von denen die Hälfte bereits verbraucht sind.

Eine Workshop-Reihe mit bis dato vier Terminen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus dem Haus Sarah Neudörfel wurden in Zusammenarbeit mit der Caritas angesetzt, wobei man mit dem Verein Migrart einen weiteren starken Kooperationspartner gewonnen hat. In diesem Zusammenhang kommen verstärkt auch Künstler aus den Ursprungsländern der Flüchtlinge als Kunstvermittler zum Einsatz.

Bei der Wiener Volksoper wird das Mitarbeiterengagement weiterhin stark gefördert. Unter dem Titel “Volksoper hilft” unterstützt man langfristig unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, indem das Haus Papageno in der Wienerbergstraße gefördert wird, dem man in der Aufbauphase auch durch handwerkliche Arbeiten geholfen hat. Per Gehaltseinzug spenden Mitarbeiter monatlich einen Fixbetrag an den Diakonie Flüchtlingsdienst. Hinzu kommen Spendenboxen im Backstagebereich und bei den Publikumsgarderoben. Auch Backstageführungen und Probenbesuche hat man dem Papageno und anderen Flüchtlingshäusern ermöglicht.

Sprachkurse und Caritas-Spende durch “Die Schutzbefohlenen”

Im Burgtheater wurden in der vergangenen Spielzeit im Rahmen von Elfriede Jelineks “Die Schutzbefohlenen” rund 15.000 Euro für Flüchtlingsprojekte der Caritas gesammelt, zudem kamen bei einer Benefizmatinee weitere 10.000 Euro zusammen. Eine Benefiz-Vorstellung von “Die Wand” brachte rund 1.800 Euro ein. Der private Verein “Burg hilft bleiben” finanziert wiederum sieben Wohnungen sowie Sprachkurse für Flüchtlinge. Außerdem sind in den kommenden Monaten ein kostenloser Sprachkurs für Flüchtlinge ab 15 Jahren, ein Theaterclub zum Thema und weitere Projekte mit und für Menschen mit Migrationshintergrund vorgesehen.

Auch das Wiener Volkstheater setzte auf Spendensammlungen und lukrierte etwa bei vorweihnachtlichen Vorstellungen über 8.000 Euro. Positiv fiel auch die Bilanz zu Aktionen wie Spielclub und dem offenen Theatersalon aus, die eine aktive Teilnahme forcieren. Auch die Patenschaften für die Bezirksreihe des Volkstheaters soll eine stärkere Einbindung von Menschen mit Fluchthintergrund in das Theaterleben ermöglichen. Die Fortführung von partizipatorischer Stückentwicklung wird in der anstehenden Saison bei “Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen” umgesetzt, auch die Kooperation mit der Volkshilfe wird verlängert.

Themen Heimat und Flucht stehen bei Projekten im Zentrum

Sehr intensiv war die Auseinandersetzung mit dem Thema beim Werk X in Wien. Dort hat man in den vergangenen Monaten drei Flüchtlingsfamilien in den Künstlerwohnungen in Meidling untergebracht. Zwei davon konnten bereits weitervermittelt werden, wie Co-Direktor Harald Posch erläuterte. Für die dritte, zahlenmäßig größte Familie sei man noch auf der Suche, aber guter Dinge, bald eine Lösung zu finden. “Das ganze Team hat hier mitgearbeitet, alle unsere Mitarbeiter haben sich eingebracht und die Familien unterstützt”, so Posch. Nun wolle man die Leute beim Schritt auf den Arbeitsmarkt begleiten. Inhaltlich wird man sich auch in der kommenden Spielzeit mit dem Thema Flucht und ihren Ursachen auseinandersetzen.

Am Landestheater Niederösterreich gibt es ebenfalls einige Stücke in der anstehenden Saison, die auf Heimat und Flucht replizieren. Zudem will man Menschen mit Fluchterfahrung Vorstellungsbesuche ermöglichen, heißt es in einer Stellungnahme. Auch weitere Aktivitäten werden angedacht. Das Vorhaben, die offene Stelle eines Portiers mit einem Flüchtling zu besetzen, konnte wiederum “trotz großer Bemühungen” noch realisiert werden. Das soll nun bei einer Stelle im Publikumsdienst gelingen.

Eine “dauerhafte integrative Struktur im Theater” ist das Ziel des Schauspielhauses Graz: Dort hat man sich in der vergangenen Saison mit mehreren Stücken und Projekten dem Thema angenommen und wird auch künftig mit geflüchteten Jugendlichen weiterarbeiten. Ein Theaterstammtisch, Workshops sowie Spendensammlungen sind nur einige Beispiele für die gesetzten Initiativen. Aber auch Künstler und Autoren aus dem arabischen Raum sollen eingeladen werden, ihre Themen auf der Bühne zu verarbeiten.

Aber auch kleinere Initiativen sind gewachsen. So etwa lädt das Arnulf-Rainer-Museum seit Beginn des Jahres Frauen und Mädchen aus dem “Haus der Frauen” in Baden in das Kunstatelier ein, um sich künstlerisch zu betätigen. Die dort entstandenen Arbeiten sollen Werke zum Thema “Heimat” am 30. September im Rahmen des “Langen Tags der Flucht” präsentiert werden.

(APA/Red)

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