Biffy Clyro zeigen sich mit neuem Album “Ellipsis” experimentierfreudig

Die Rock-Band Biffy Clyro meldet sich nach der Pause mit neuem Material zurück.
Die Rock-Band Biffy Clyro meldet sich nach der Pause mit neuem Material zurück. - © DAPD
Die schottische Rockband Biffy Clyro meldet sich mit neuem Material zurück: Auf ihrem bereits siebten Studioalbum “Ellipsis” zeigen sich die drei Musiker experimentierfreudig, soll es doch in gewisser Weise einen Neuanfang darstellen.

Biffy Clyro haben eine ziemliche Entwicklung hingelegt: Die schottische Rockband, die vor rund 20 Jahren von Sänger und Gitarrist Simon Neil sowie den Zwillingsbrüdern James und Ben Johnston gegründet wurde, hat sich vom kleinen Underground-Act hochgearbeitet. Mittlerweile werden Stadien ausverkauft und große Rockgesten geübt. Auf “Ellipsis” ist aber auch die Freude am Experiment zurückgekehrt.

Biffy Clyro nach Pause mit neuem Album zurück

Studioalbum Nummer sieben, das am 8. Juli erscheint, ist in gewisser Weise ein Neuanfang, hält Schlagzeuger Ben im Interview fest: “Jede Platte soll besser sein als der Vorgänger – oder zumindest Neues bieten. Wir wollen uns auf die Zehenspitzen stellen, uns selbst fordern und aktiv bleiben.”

Im konkreten Fall hatte das zwei Folgen: Nach dem Erfolg des üppigen, beizeiten etwas überambitionierten Doppelalbums “Opposites”, das in Großbritannien an der Spitze der Charts landete, verordnete man sich eine Auszeit. Und diese mündete in einem neuen, aber eigentlich alten Sound.

“Die Pause war wirklich wichtig für uns. Wenn du solange durchgehend auf Tour bist, kann das ziemlich ungesund werden”, schmunzelt Ben. “Wir haben uns ja nur noch als Ben, der Schlagzeuger oder Simon, der Sänger und Gitarrist gesehen und nicht mehr als Menschen. Wir mussten nach Hause, ein normales Leben leben, einkaufen gehen oder den Rasen mähen.”

“Ellipsis” durch experimentierfreudigen Charakter gekennzeichnet

Gedauert hat das Aufladen der Batterien ein knappes Jahr, das man dann auch zum ersten Herantasten an neues Material nutzte. “Es wäre ein Leichtes gewesen, noch mal so etwas wie ‘Opposites’ vorzulegen. Aber wir wollten uns nicht wiederholen, der nächste Schritt musste her.”

Dieser bringt für viele Biffy-Clyro-Fans der ersten Stunde ein paar Deja-vu-Erlebnisse. Wie schon die ersten Alben der Band, kennzeichnet auch “Ellipsis” ein experimentierfreudiger Charakter. Die elf Songs sitzen selten still, changieren zwischen hartem Rock, ruhigeren Tönen, kunterbunten Ausflügen und allerlei elektronischen Einfällen.

“Es ist naiv, verspielt und vorlaut”, lacht Ben. “Wir arbeiten immer in Zyklen, es geht uns immer um die Trilogie. Und nun stand eben der nächste Beginn an. Das Album sollte sich wie ein Debüt anfühlen.” Dafür habe man versucht, die eigene Komfortzone zu verlassen, eingespielte Abläufe hinterfragt und dem Instinkt ein Schnippchen geschlagen.

“Den größten Druck machen wir uns selbst”

“Es war schon komisch”, gibt Ben zu. “Du musst eigentlich das Gegenteil von dem tun, was du für richtig hältst. Aber sonst wären wir wieder in die selben Verhaltensmuster gerutscht.” Verständlich bei einer Band, die über einen so langen Zeitraum in der immer gleichen Konstellation Musik macht. “Oft brauchen wir keine Worte, um uns zu verstehen. Wenn du gemeinsam die Welt bereist und diese Dinge erlebst, dann entsteht eine Verbindung, die sehr, sehr tief ist.”

Ein Vorteil davon ist aber auch, dass man sich nicht von außen beeinflussen lasse. “Den größten Druck machen wir uns selbst”, unterstreicht der Drummer. “Natürlich sind ab einem gewissen Level von Erfolg auch andere Leute involviert, aber das versuchen wir jedenfalls beim Songwriting komplett auszublenden.”

Erste Single “Wolves of Winter” noch konventionell

Die wichtigste Frage für das Trio sei: “Was denken wir über unsere Musik? Nur das zählt!” Auf “Ellipsis” dürften die Gedanken schon mal Achterbahn gefahren sein. Ist die erste Single “Wolves of Winter” noch relativ konventionell im Sinne des bisherigen Erfolgsrezepts der Band – knackige Gitarren, eingängige Refrains und eine Prise Verrücktheit -, wird in der folgenden halben Stunde viel angerissen und ausprobiert, was man so von Biffy Clyro noch nicht gehört hat. “Viele Rockmusiker fühlen sich heutzutage zu sicher. Da weißt du schon bevor du auf Play drückst, was du zu erwarten hast. Aber Rockmusik muss lebendig, muss unberechenbar sein!”

Großen Einfluss auf den Sound der Platte hatte folglich nicht unbedingt Rock, sondern moderner Pop, R’n’B oder Hip-Hop. “Die Rockstars von heute sind ja eigentlich die Rapstars”, glaubt Ben. “Da werden musikalische Grenzen viel öfter durchbrochen. Aber auch wir wollten weg von diesen polierten Sounds und etwas zeitgemäßes und modernes machen. Das drückt sich etwa in den Keyboards oder Drum-Machines aus, aber gleichzeitig hörst du Jazz oder Reggae heraus. Das Letzte, was wir wollten, war auf Nummer sicher zu gehen.”

Biffy Clyro beim Rock in Vienna in Wien

Dieses Vorhaben scheint geglückt: Nach dem Genuss der elf neuen Songs – zwei zusätzliche finden sich auf der limitierten Edition – schwirrt der Kopf. Denn obwohl “Ellipsis” die bisher kürzeste Platte der Band ist, hat das Trio enorm viel hineingepackt. “Wir sagen ziemlich viel in diesen Songs. Außerdem wollten wir es diesmal kompakter halten”, lacht Ben.

Wie druckvoll und kurzweilig das neue Material im Live-Kontext erscheint, lässt sich Anfang Juni in Wien überprüfen: Biffy Clyro spielen am Samstag beim Rock in Vienna auf der Donauinsel.

(APA)

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